zur Navigation springen

Schweriner Missbrauchs-Affäre : Schwerins Stadtchefin Angelika Gramkow gerügt

vom

Kommunalpolitiker missbilligen Alleingänge der Verwaltungschefin im Jugendamt und fordern mehr Unterstützung bei Aufklärung

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Stadtvertretung hat am Montagabend Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) eine Missbilligung erteilt. Sie habe vor Abschluss der Arbeit des zeitweiligen Ausschusses zur Untersuchung der Rolle des Jugendamts im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen im Verein „Power for Kids“ im Alleingang die Amtsleiterin wieder eingesetzt, so ein Hauptkritikpunkt. Dies werten die Kommunalpolitiker als Missachtung der Arbeit der untersuchenden Gremien. Zudem fordern sie mehr Kooperation der Verwaltungschefin mit dem Ausschuss.

Der Missbilligung ging eine emotional geführte Debatte voraus, in der die Vertreter der Fraktionen der CDU, SPD, Unabhängigen Bürger, B 90/Grüne und der AfD ihre bereits öffentlich geäußerten Positionen erneut vortrugen.

 Sebastian Ehlers (CDU) sagte, der Umgang der OB mit dem Sonderausschuss sei „ein Schlag ins Gesicht der Opfer“. Die Jugendamtsleiterin hätte nicht wieder eingesetzt werden dürfen.

Daniel Meslien (SPD) kritisierte, die Schlussfolgerungen, die Gramkow aus dem internen Untersuchungsbericht gezogen habe, seien nicht weitreichend genug. Zwar habe die Stadtvertretung 2013 der Ernennung von Caren Gospodarek-Schwenk zur Amtsleiterin zugestimmt, doch diesen Fehler dürfe man jetzt nicht wiederholen.

Dem schloss sich Lothar Gajek (Grüne) an. Caren Gospodarek-Schwenk sei für dieses Amt nicht geeignet. „Doch darüber hinaus gibt es auch eine lange Fehlerkette bis hin zum damaligen Dezernenten.“

„Ich bin entsetzt“, sagte Manfred Strauß von der UB-Fraktion. „Die Verwaltung hat aus dem Fall Lea Sophie nichts gelernt.“ Jetzt hätten erneut mehrere leitende Mitarbeiter versagt und die Schlussfolgerungen der OB seien nicht mehr als normale Verwaltungsarbeit. Sein Fraktionschef Silvio Horn fügte hinzu: „Die Wiedereinsetzung der Jugendamtsleiterin ist respektlos.“ Gramkow wiederhole die immer gleichen Erklärungsmuster. Organisatorische Defizite würden ausgeblendet.

AfD-Stadtvertreterin Petra Federau sagte, sie habe den Eindruck, die Oberbürgermeisterin nehme den Untersuchungsausschuss nicht ernst. „Deshalb unterstütze ich den interfraktionellen Antrag.“

Dagegen stellte sich Henning Foerster (Linke). Er betonte, dass die Oberbürgermeisterin gleich nach Vorliegen des internen Untersuchungsberichts den dort enthaltenen Vorschlägen gefolgt sei und ein ganzes Maßnahmepaket einschließlich personeller Konsequenzen umgesetzt habe. „Statt durchsichtiger politischer Manöver, die OB zu beschädigen, sollten wir gemeinsam daran arbeiten, den Jugendlichen ihren Treff zurückzugeben und die Arbeitsweise des Jugendamtes zu verbessern“, forderte Foerster.

Die Oberbürgermeisterin wehrte sich gegen die Missbilligung. Diese sei unbegründet, weil kein Verstoß gegen Vorschriften ersichtlich sei. Sie habe die Fachdienstleiterin für Jugend, Schule und Sport erst nach Vorlage des verwaltungsinternen Untersuchungsberichts in den Aufgabenbereich der allgemeinen Jugendhilfe eingesetzt. „Es ist meine Aufgabe als Verwaltungschefin, aus dem Bericht sofort Konsequenzen zu ziehen“, sagte Gramkow. Und über den Bericht und die Konsequenzen habe der Ausschuss mit ihr bislang noch nicht diskutieren wollen.

Rückendeckung für die Wiedereinsetzung von Gospodarek-Schwenk bekommt Gramkow vom zuständigen Dezernenten Andreas Ruhl. Allerdings hätte man die Gründe dafür besser kommunizieren können, erklärte Ruhl.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen