Kneipensterben : Schwerins schwierige Gastronomie

In der Außengastronomie am Pfaffenteich genießen die Leute gern die Sonne. Dank des funktionierenden Pollers fahren keine Autos mehr an den Tischen vorbei. Fotos: Reinhard Klawitter
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In der Außengastronomie am Pfaffenteich genießen die Leute gern die Sonne. Dank des funktionierenden Pollers fahren keine Autos mehr an den Tischen vorbei. Fotos: Reinhard Klawitter

Warum so viele Restaurants schließen, Imbissbuden Konkurrenten sind und über die Standort-Vorteile am Stadtrand

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25. Juli 2014, 08:00 Uhr

Im Gastronomie-Ensemble „Domhof“ und im „Café Schlossbucht“ am Franzosenweg haben die Betreiber schon vor Monaten das Handtuch hingeworfen. Auch das alteingesessene Restaurant „Zur Mueßer Bucht“ ist dicht. Kämpft neben den Schweriner Übernachtungsbetrieben jetzt auch die Gastro-Branche mit Umsatzeinbußen? „Nein, der Markt in Schwerin ist sehr differenziert und sicher spezieller als in vergleichbaren Städten“, sagt Matthias Theiner, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Schwerin (Dehoga). Aber der Gastronomie in der Landeshauptstadt gehe es nicht besser oder schlechter als in den Vorjahren. Gemeinsam mit Theiner versucht SVZ eine Kurz-Analyse.

Standort

Der Standort spielt in Schwerin eine zentrale Rolle. Die besten Lagen befinden sich zwischen Marienplatz, Pfaffenteich und Schloss, wie der Dehoga-Chef einschätzt. „Dort ist die meiste Laufkundschaft unterwegs.“ Aber auch Betriebe in Randlagen, wie der Grieche „Hermes“ in Friedrichsthal oder die „Seewarte“ am Paulsdamm sind fast immer gut gefüllt. „Die Betriebe haben eine Art Alleinstellungsmerkmal“, sagt Theiner. In Friedrichsthal gäbe es nicht viel Auswahl, um „mal eben Essen zu gehen“.

Parkplätze

Außerdem bieten Gastronomiebetriebe in Randlagen genug Parkplätze an. In der Innenstadt mangelt es genau daran. „Gäste setzen sich selten in die Straßenbahn, um einen gemütlichen Abend im Restaurant zu erleben. Sie wollen bequem mit dem Auto vorfahren“, so der Gastronom. Das sei auch ein Grund, warum die Restaurants in der Innenstadt nach 22 Uhr fast leer wirken. Hinzu kommt die demografische Entwicklung. „In den 80er-Jahren war bis Mitternacht viel mehr los. Aber die Gäste sind im Schnitt älter geworden. Junge Leute fehlen“, erklärt Theiner weiter.

Saison

Das Gastronomie-Geschäft ist in Schwerin sehr saisonabhängig. Gerade in der Innenstadt läuft es während der Urlaubssaison am besten. Restaurants wie das ehemalige „Café Schlossbucht“ würden vor allem vom Sommergeschäft leben. Die Lage mit Blick auf das Schloss sei fast 1A, meint Theiner.

Essenspreise

„Höherpreisige Gastronomie kann in Schwerin kaum überleben“, stellt der Dehoga-Chef klar. Dazu seien Bevölkerungsdichte und Kaufkraft in der Landeshauptstadt zu gering. Zugespitzt: Selbst in Großstädten könne ein Luxus-Restaurant mit gepfefferten Preisen von 200 Euro fürs Essen allein nicht überleben. Aber es gäbe diese Spitzenangebote von Gastronomien, so Theiner.

Imbiss

Die größte Konkurrenz für Schwerins Gastronomie sind Imbisse in den Einkaufscentern, wie Theiner sagt. In kaum einer anderen Stadt sei die Situation so extrem und zentriert wie in der Landeshauptstadt, sagt er. Gastronomiebetriebe seien auch durch die Mehrwertsteuer benachteiligt. „Wir müssen 19 Prozent zahlen, Imbisse dagegen nur sieben“, sagt der Dehoga-Chef. „Das Problem ist hausgemacht.“

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