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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 06:17 Uhr

Schwerins Schüler fahren zu teuer

vom

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 07:39 Uhr

Schwerin | Fast im ganzen Land fahren die Schüler morgens und am Nachmittags kostenlos zur Schule und zurück nach Hause - mit Bus, Bahn und einige wenige sogar mit dem Taxi. Einzige Ausnahmen: Schwerin und Rostock. In den beiden letzten kreisfreien Städten im Land gibt es laut Schulgesetz nämlich keinen Anspruch auf kostenfreie Beförderung. Immerhin: In Schwerin bekommen Schüler im Ausbildungsverkehr eine ermäßigte Monatskarte im Stadtnetz für 28 statt der regulären 38 Euro. Doch wer nur an ausgewählten Tagen mit Bus oder Bahn fahren möchte, der muss schon eine Einzelfahrkarte zum vollen Preis erstehen. 90 Cent für Kinder, 1,50 Euro pro Fahrt für alle Menschen ab 14 Jahren. Zu viel?

Klirrende Kälte, peitschender Regen, Sturm oder einfach nur akute Sport-Unlust - selbst die hartgesottensten Radfahrer oder Fußgänger unter den Schweriner Schülern würden im Ausnahmefall gerne mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ihre Bildungseinrichtung gelangen. Doch drei Euro für Hin- und Rücktour sind ganz schön happig, findet der Schweriner Stadt elternrat. "Die Monatskarte ist im Prinzip auch okay", sagt Karl-Georg Ohse, Sprecher des Stadtelternrates, der weiß, dass laut Schulgesetz derzeit keine Freifahrten für Schweriner drin sind. Trotzdem will er beim Ministerium vorsprechen, um für die Landeshauptstädter mehr Förderung zu erreichen.

Bislang bezuschusst das Land nur die Zeitkarten, also die Monats- oder Wochentickets für Schüler. Doch die bieten allerhand, findet Nahverkehrschef Norbert Klatt. Während Schüler in den Landkreisen mit ihrem kostenlosen Ticket nur den Bus zur nächstgelegenen Schule benutzen dürfen, können die Schweriner Zeitkartenbesitzer nach Herzenslust durch die Gegend kurven: nachmittags zur Freundin, zum Sport, zur AG, zum Bummeln, ins Kino, in die Disko - auch am Wochenende und in den Ferien. "Das ist ein ganz anderes Angebot als bei den kostenlosen Schülerfahrkarten im Land", betont Klatt. Und es wird angenommen: Von den 17 Millionen gezählten Fahrten im Jahr 2011 entfielen immerhin 2,3 Millionen und damit knapp 14 Prozent auf Schüler mit entsprechend ermäßigter Karte.

Den Einzelfahrschein für Schüler günstiger zu machen, so wie sich das der Elternrat wünscht, dafür sieht Norbert Klatt allerdings wenig Chancen. Denn dort lauert der Ungerechtigkeits-Vorwurf. "Wo sollen wir die Grenze ziehen?", fragt Klatt. "Auch Rentner oder Hartz-IV-Empfänger möchten gerne günstigere Einzelfahrscheine ebenso wie die Kurzstreckenfahrer oder Menschen mit Hunden." Denn alle Vierbeiner, die nicht in Korb oder Tasche passen, kosten ebenfalls den vollen Fahrpreis. Genauso wie Fahrräder.

Eine Ermäßigung für die eine Gruppe würde zwangsläufig für eine andere Gruppe Mehrkosten bedeuten, fügt der Nahverkehrs-Chef hinzu. Genau das sei auch das Argument gegen das immer wieder geforderte Kurzstreckenticket. Schließlich müsse das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. "Sehr gerne würden wir die Schüler in der Stadt umsonst befördern", betont Norbert Klatt. Und zwar nach dem Zeitkartenmodell überall hin und zu jeder Zeit. Anders sei das verwaltungstechnisch kaum zu machen. Schwimmunterricht, Arbeitsgemeinschaften, Theaterbesuche und weitere Schulveranstaltungen ließen sich kaum einzeln abrechnen. "Doch dafür müsste das Land die Schüler-Monatskarte komplett finanzieren."

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