Blick in alte Akten : Schwerins neue Liebe fürs Archiv

Seltener Einblick: Stadtarchivar Dr. Bernd  Kasten öffnet am Sonnabend die Fotosammlung der Stadt. Mehr als 15 000 Bilder sind  digitalisiert. Die Originale werden  gut geschützt verwahrt.
Seltener Einblick: Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten öffnet am Sonnabend die Fotosammlung der Stadt. Mehr als 15 000 Bilder sind digitalisiert. Die Originale werden gut geschützt verwahrt.

Am bundesweiten Thementag erklärt Stadtarchivar Dr. Bernd Kasten das veränderte Verhältnis der Ostdeutschen zu ihrer Geschichte

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05. März 2014, 16:00 Uhr

Verstaubt, vergilbt und unübersichtlich – so sah die Vorstellung von Archiven lange aus. Digitalisiert und säuberlich in Datenbanken sortiert, so sehen die Archive der Zukunft aus. „Irgendwann in 30 Jahren vielleicht“, sagen Dr. Bernd Kasten vom Stadtarchiv und Dr. Johann Peter Wurm, Leiter des Landeskirchlichen Archives, übereinstimmend. An einem Punkt zwischen den beiden Vorstellungen steckt Schwerins Stadtarchiv. „Wenn wir Geld hätten, wären wir viel weiter“, sagt Dr. Bernd Kasten. „Wir auch“, stimmt Dr. Johann Peter Wurm zu. Die Archive stecken deutschlandweit in ähnlichen Situationen.

Doch trotz der schwierigen Situation erfreuen sich die Schweriner Archive immer größeren Zuspruchs. „Zu unseren Thementagen kommen inzwischen so viele Besucher, dass wir befürchten, irgendwann welche abweisen zu müssen“, sagt der Leiter des Landeskirchlichen Archives. Beim jüngsten Thementag waren rund 700 Besucher nur in den beiden Häusern unterwegs gewesen. „Das Verhältnis der Menschen zur Geschichte hat sich gewandelt“, erklärt Dr. Bernd Kasten die Entwicklung. Die Wende liege lange genug zurück. „Das war einmal ganz anders und hat uns auch selbst belastet“, sagt er weiter. Kurz nach dem Zusammenbruch der DDR wurden die Grundbücher beispielsweise für die Rückübertragungen an die ehemaligen Besitzer genutzt. „In der DDR wurde Geschichte für ideologische Zwecke gebogen und interpretiert. Auch aus diesem Grund und wegen der persönlichen Aufarbeitung ging nach der Wende das allgemeine Geschichtsinteresse zurück. Doch mittlerweile wird die persönliche Betroffenheit weniger.“ Haben früher vor allem die Stasi-Akten im Fokus gestanden, liegt das öffentliche Interesse im Stadtarchiv zurzeit vor allem auf Landkarten, im Landeskirchlichen Archiv dagegen eher auf Adress- und Kirchenbüchern. „Wir haben Anfragen aus der ganzen Welt“, sagt Dr. Wurm.

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