Buch zur Luftfahrtgeschichte der Landeshauptstadt : Schwerins dunkles Kapitel

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Nur noch wenig erinnert an die Luftfahrt in Schwerin - im Stadtteil Görries verfallen langsam, aber sicher die letzten Reste des Fliegerhorstes. Ein neues Buch enthüllt Details aus der Luftfahrtgeschichte.

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03. November 2012, 11:08 Uhr

Schwerin | Nur noch wenig erinnert an die Luftfahrt in Schwerin - im Stadtteil Görries verfallen langsam, aber sicher die letzten Reste des Fliegerhorstes. Die stehen zwar unter Denkmalschutz, aber der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich an den seit 20 Jahren ungenutzt am Rande des Industriegebiets stehenden zwei Flugzeughallen und der ehemaligen Flugleitung.

Einen Blick in die Zeit, als Görries einer der meist genutzten Flugplätze in Mecklenburg war, gibt das neue Buch von Alexander Steenbeck. "Die Spur des Löwen" beschreibt den Weg der Männer des so genannten Löwengeschwaders in den Zweiten Weltkrieg hinein. "Schwerin war für dieses Kampfgeschwader einer der Heimathorste", sagt der 37-jährige Historiker und Journalist. Die dritte Gruppe dieser Luftwaffen-Einheit wurde hier 1939 aufgestellt, war in Görries untergebracht und griff im Frühjahr 1940 von Schwerin aus sogar Ziele in Dänemark und Norwegen an.

Steenbeck verfolgte die Spur der Männer quer durch Europa, denn an beinahe allen Fronten des Zweiten Weltkrieges war das Löwengeschwader eingesetzt - vom Nordkap bis Nordafrika, von Frankreich bis nach Stalingrad.

Seinen Namen erhielt die Einheit aufgrund ihres Wappens, das einen aufrecht sitzenden Löwen zeigt. Darüber der lateinische Spruch "Vestigium Leonis", übersetzt: Die Spur des Löwen - die Idee zum Buchtitel lag also nahe. Steenbeck hat auf fast 400 Seiten nicht nur nackte Daten und Fakten zusammengetragen. Mehr als 1000 Fotos, Karten und Dokumente geben im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon, wie ab 1942 aus der Bomber-Einheit das erste Torpedo-Geschwader der Luftwaffe wurde. Seltene Einblicke gibt es auch vom Fliegerhorst Schwerin, beispielsweise genau von dem Hallen- und Gebäude-Ensemble, das heute zusehends in Görries verfällt. Nach Schwerin und den zwei weiteren Heimathorsten Lübeck und Lüneburg kehrten nur wenige der Männer wieder zurück; mehr als 3000 Daten zu Gefallenen und Vermissten der Einheit trug Steenbeck für die Jahre zwischen 1937 und 1945 zusammen. Wie viele Menschen durch die Einsätze des Löwengeschwaders zu Schaden kamen, ließe sich jedoch aufgrund fehlender Unterlagen nur erahnen, so Steenbeck. Fazit: Das Buch schließt Wissenslücken über die Generation der Väter und Großväter und gibt erstmals Einblicke in die Schweriner Luftfahrtgeschichte.

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