Lene Scheuchner : Schwerins Ausnahmetalent

Lene Scheuchner gilt als eine der talentiertesten Nachwuchs-Volleyballerinnen und ist ganz nebenbei eine der besten Schülerinnen am Sportgymnasium. Fotos: Klawitter (4)
Lene Scheuchner gilt als eine der talentiertesten Nachwuchs-Volleyballerinnen und ist ganz nebenbei eine der besten Schülerinnen am Sportgymnasium. Fotos: Klawitter (4)

Die Volleyballerin Lene Scheuchner gilt als Hochbegabte und Aushängeschild für das Sportgymnasium der Landeshauptstadt

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10. Februar 2014, 08:00 Uhr

Sie ist anders als andere Mädchen. Die 17-Jährige möchte nicht mit Model-Mama Heidi Klum bei „Germanys next topmodel“ groß rauskommen und auch nicht Dieter Bohlen bei „Deutschland sucht den Superstar“ beeindrucken. Das ist Lene Scheuchner egal. Auch was Albrecht Tischendorf über sie denkt, ist ihr nicht ganz so wichtig. Die 17-Jährige möchte einfach ihr Ding machen. Und das ist Volleyball spielen. Ganz nebenbei: Der Direktor des Schweriner Sportgymnasiums, Albrecht Tischendorf, ist unglaublich stolz auf „seine“ Lene.

Erst im Dezember ist das Ausnahmetalent mit dem Titel „Eliteschülerin des Sports 2013“ ausgezeichnet worden (SVZ berichtete). Als Mitglied der Jugend-Nationalmannschaft und Bundeskader Volleyball hatte sie das vergangene Jahr mit der deutschen Auswahl an vier hochkarätigen Wettbewerben teilgenommen. „Lene zeichnet sich durch Ehrgeiz, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein aus“, sagt Albrecht Tischendorf. Überhaupt sei die 17-Jährige unglaublich organisiert und eine der besten Schülerinnen der Schule.

Aber wie kriegt die Zwölftklässlerin Schule, Sport, Freunde und Familie geregelt? Ist das nicht eine wahnsinnige Belastung für ein so junges Mädchen? „Ja, wir wachsen anders auf als andere“, sagt Lene. Wenn andere Schüler ihre Ferien genießen, besucht Lene häufig eine Trainingslager. Auch wenn andere die Schulbank drücken, trainiert Lene am Volleyballnetz. Wenn andere Jugendliche nach der Schule nach Hause fahren, bringt Lene ihre Schulsachen ins Internat gleich neben der Schule und geht zum Training. An den Wochenenden gibt es kaum Partys und Diskothekenbesuche, sondern Wettkämpfe. Andere Mädchen haben Jungs und Schminke im Kopf, Lene, wie sie ihr Knie möglichst wenig belastet. Das macht ihr nämlich seit einigen Wochen Probleme. „Aber ich bin in physiotherapeutischer Behandlung, das kriegen wir schon wieder in den Griff“, sagt sie dann nur kurz.

Angefangen hatte bei ihr alles in Stralsund. In der Hansestadt wohnen Lenes Eltern. In der vierten Klasse fragte eine Freundin, ob Lene Lust hat, mit zum Volleyball zu kommen. Die Freundin ging irgendwann, Lene blieb. Zwei, dreimal die Woche war Training. In der zehnten Klasse fragte dann ein Talentsucher, ob sie ans Sportgymnasium nach Schwerin wechseln will. Das ist ein übliches Vorgehen, bei dem Trainer des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern junge Talente aussuchen und für das Sportgymnasium vorschlagen. Es gilt als „Zentrum der sportlichen Hochbegabtenförderung“. Auch die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin ist von den Leistungen der Schule überzeugt. „Die Verbesserung des Umfeldes der Athleten, die sich während ihrer schulischen Bildung optimal auf ihre sportlichen Höhepunkte vorbereiten können, steht hinter unserer Förderung“, sagt Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Kai Lorenzen.

Die Schule selbst wirbt im Internet: „Das Ziel der sportlichen Ausbildung ist die Entwicklung von Kadern für die Jugend- und Juniorennationalmannschaften.“ Für Lene war das genau das Richtige. Nach Gesprächen mit ihren Eltern und einigem Nachdenken, fiel ihr die Entscheidung am Ende nicht schwer. Sie packte kurzerhand ihre Sachen und zog nach Schwerin ins Internat, um sich ganz dem Volleyball zu verschreiben. „Meine Eltern sehe ich ja trotzdem regelmäßig“, sagt sie. Etwas schwieriger sei es, den Kontakt zu ihren alten Freunden zu halten. „So oft bin ich ja nicht mehr in Stralsund, aber wenn, dann gehen wir viel weg.“

Natürlich hat sie in Schwerin auch schon längst neue Freunde und vor allem Gleichgesinnte. Am Sportgymnasium findet sie alles, was sie braucht. Ihre Leistungsfächer: Mathe und Deutsch. Schwerin sei „echt schön, aber bleiben will ich hier nicht“, sagt Lene. Hier gibts keine Universität. Und wovon träumt ein Mädchen, das solche Voraussetzungen hat wie Lene? Ihr Sportlertraum: „Ich möchte in der ersten deutschen Nationalmannschaft spielen.“ Und falls die 17-Jährige nicht so weit kommt: „Dann würde ich gern Medizin studieren.“

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