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Neues Stadtviertel : Schweriner zieht es in die alte Brauerei

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Mauerreste, wilde Gewächse und jede Menge Müll: Die alte Brauerei am Ziegelinnensee soll jetzt zu einem individuellen Wohngebiet mit Industriecharakter werden. Im Frühjahr beginnt der Bau.

svz.de von
erstellt am 10.Dez.2012 | 12:12 Uhr

Werdervorstadt | Es ist das größte Projekt seiner Architekten-Karriere: Ulrich Bunnemann hat eine mehr als 35 000 Quadratmeter große Industriebrache gekauft. 750 000 Euro hat er für die alte Schweriner Brauerei hingelegt, die die Stadt fast abreißen lassen wollte. Dafür hat Bunnemann besprühte Wände, eingeschlagene Scheiben, eine riesige Abfüllhalle, Betonplatten, zugewucherte Freiflächen sowie hunderte Kubikmeter Schrott und Abfallberge bekommen. Seit er das Gelände vor mehr als einem Jahr gekauft hat, schlägt er sich mit Randalierern herum. Ende November hatte es sogar gebrannt, mehr als 20 Feuerwehrleute löschten die Flammen. Aber auch immer mehr Kaufinteressenten, Ärzte und Immobiliensuchende finden den Weg zur Alten Brauerei Verwaltungs GmbH. Geschäftsführer Bunnemann erzählt den Interessenten dann von seinen Plänen, lädt sie ein und geht mit ihnen über die Brache an der Knaudtstraße.

"Wir wollen im Frühjahr mit der Sanierung des weißen Hauses direkt am Eingang Knaudtstraße beginnen", sagt er. Dort sollen eine Arztpraxis und Wohnungen hinein. Die Bauanträge würden bereits bei der Behörde liegen. Fördermittelanträge seien gestellt - für den Uferweg, der zwischen dem weißen Komplex und den Bootshäusern entlang führen soll, und den Zuweg vor der künftigen Arztpraxis. "Viel mehr finanzielle Förderung werden wir nicht bekommen", meint Bunnemann. Das Projekt müsse sich langfristig selbst finanzieren. Deshalb sei es wichtig, anzufangen. Zu wenig Nachfrage befürchtet er nicht, schon jetzt würde es immer mehr Interessenten geben. 140 Wohneinheiten plant er, dazu Gastronomie und Büroräume mit Blick auf den Ziegelinnensee. "Kleine Läden wird es hier eher nicht geben, aber alles andere, was ein Stadtviertel so braucht", erklärt Bunnemann.

Die alten Brauereimauern regen die Kreativität des Architekten an. "In das alte Sudhaus werden wir Loftwohnungen bauen mit einem fünf Meter hohen Wohnbereich und einer Glasfront mit Blick auf den Ziegelinnensee", sagt er. Der Schornstein soll nach Möglichkeit stehen bleiben. In seinem Schatten könnte eine Gaststätte ihre Außengastronomie betreiben. Über dem Restaurant sollen Büroräume entstehen, daneben Wohnungen. Ein Gebäude weiter plant Bunnemann ein Atelier, Garagen und weitere Wohnungen. "Einige werden wir verkaufen, andere selbst verwalten und vermieten", sagt er.

Das Versorgungshaus, in dem es vor wenigen Wochen gebrannt hatte, soll eine allgemeine Nutzung bekommen. "Es gibt mehrere Vorschläge. Hier verhandeln wir noch", sagt der Architekt. Links daran vorbei stehen die Besucher mit Bunnemann plötzlich direkt am Ufer des Ziegelinnensees. Ihr Blick fällt auf die Schelfstadt. "Das ist leider der einzige Zugang zum See", sagt er. Ein Nachteil, aber die Bootshäuser würden schließlich ältere Rechte haben und bleiben. Die großzügige Betonplatten-Fläche soll Rasen werden und den Kindern im Wohnviertel Platz zum Spielen bieten.

Mit Blick auf den Dom befindet sich die größte Herausforderung der alten Brauerei im Rücken des Betrachters: riesige Abfüllhallen. Hunderte Quadratmeter überdachter Innenraum. Dort braucht der Interessent viel Fantasie, um sich Wohnraum vorzustellen. "Wir planen hier Wohnhäuser mit Dachterrassen, vom Ufer weg in Stufenbauweise. Der Industriecharakter der Hallen soll erhalten bleiben", sagt Bunnemann. Aber das sei einer der letzten Bauabschnitte. Wenn alles richtig gut liefe, könne er sich vorstellen, in sechs Jahren fertig zu sein. "Aber das ist wirklich ehrgeizig gedacht", sagt er. Schon die Planung habe mehr als ein Jahr gedauert und sei noch nicht abgeschlossen. Wichtig sei es, im Frühjahr anfangen zu können. Es ist ein Millionenprojekt, was er vor sich hat.

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