Energieversorgung : Schweriner wollen Fernwärme

Derzeit wird die Werdervorstadt ans Fernwärmenetz angeschlossen. Gearbeitet wird – wie hier in der Robert-Koch-Straße – abschnittsweise, um lange Sperrungen zu vermeiden.
Derzeit wird die Werdervorstadt ans Fernwärmenetz angeschlossen. Gearbeitet wird – wie hier in der Robert-Koch-Straße – abschnittsweise, um lange Sperrungen zu vermeiden.

Stadtwerke schließen die Versorgungslücke in der Werdervorstadt: Mehr als 60 Prozent der Haushalte bereits angeschlossen

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08. September 2015, 08:00 Uhr

Etwa 300 Meter wächst das Schweriner Fernwärmenetz jedes Jahr – und damit der Versorgungsgrad. „Rund 60 Prozent der Haushalte werden von uns bereits versorgt. Hinzu kommen viele wichtige Großgebäude wie Schloss, Museum, Marienplatzgalerie, Schulen und Sporthallen“, berichtet René Rüdiger, Bereichsleiter Wärmenetz der Stadtwerke.

Und der städtische Konzern baut das Netzt weiter aus. „Wir werden in diesem und dem nächsten Jahr jeweils knapp vier Millionen Euro investieren“, sagt Stadtwerke-Chef Dr. Josef Wolf. Mit dem bis zum Ende des Jahrzehnts konzipierten Investitionsprogramm sollen dann in allen Gebieten der Stadt, in denen das wirtschaftlich ist, Fernwärmeleitungen liegen. Der vor Jahren noch utopisch scheinende Ringschluss vom Lewenberg über die Möwenburgstraße in die Werdervorstadt wird nächstes Jahr vollzogen, kündigt Wolf an. Das erhöhe die Versorgungssicherheit überall in der Stadt erheblich.

Aktuell bauen die Stadtwerke an zehn verschiedenen Stellen: In den Waisengärten, in der Werdervorstadt, an der alten Brauerei, in der Ziegelseestraße, in der Wittenburger und der Clara-Zetkin-Straße, am Sodemannschen Teich, im TGZ, in der Leonhard-Frank-Straße und in der Lessingstraße.

Doch woraus resultiert das große Interesse an Fernwärme in der Innenstadt? Das Klimaschutzkonzept der Landeshauptstadt hält Dr. Wolf für einen ganz wichtigen Faktor. Aber auch die bundesweit neue Gesetzeslage, die für Neubau und Sanierung die Messlatte an Wärmedämmung und Nutzung alternativer Energien höher hängt, sei maßgeblich. „Die Schweriner wollen Fernwärme“, fasst Wolf zusammen.

Und die Stadtwerke können sie in ausreichender Menge und Qualität liefern. „Wir haben eine Kraftwerkskapazität von 200 Megawatt und können selbst Spitzenlastzeiten problemlos bedienen. Auch die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Selbst bei Stromausfall läuft das Netz, das haben wir getestet. Und wir haben die alten Leitungen von Experten prüfen lassen. Rohre und Dämmung sind in gutem Zustand und entsprechen modernen Anforderungen“, sagt Rüdiger. Ungeachtet dessen werde beim Neubau von Leitungen auch gern mit neuen Technologien gearbeitet. Angesichts der guten Dämmwerte bei neuen Wohngebäuden könnten die Häuser beispielsweise am Sodemannschen Teich oder in den Waisengärten über Niedrigtemperaturleitungen versorgt werden. „Dort reicht eine Vorschalttemperatur von 60 bis 90 Grad statt der sonst üblichen 120 Grad Celsius voll aus“, so der Experte. Die biete der Rücklaufstrang allemal. Bei kleineren Leitungen – wie etwa in der Werdervorstadt – werde mit so genannten Twin-Pipes experimentiert: Vor- und Rücklaufwärmeleitungen liegen dort in einem Mantelrohr. Ob das die Zukunft sei, müsse die Auswertung der Messergebnisse zeigen, sagt Rüdiger.

Gern verweist Stadtwerke-Chef Dr. Wolf noch auf eine weitere Neuerung: Wenn die Stadtwerke neue Leitungen verlegen, komme auch gleich ein Glasfaserkabel mit in den Boden. Das werde eigentlich zur Übermittlung von Daten der Fernwärmeversorgung und deren Steuerung benötigt, könne aber zugleich für Internet-Breitbandversorgung genutzt werden. „Wir unterbreiten den Anliegern ein preiswertes Angebot für schnelles Internet. Ob sie es nutzen wollen, entscheiden sie unabhängig davon, ob sie Fernwärme von uns bekommen oder nicht“, betont Wolf.

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