Naturschützer kritisieren Privatisierung : Schweriner Wasser besonders teuer

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Die Schweriner zahlen sehr viel Geld für Trinkwasser. 1,87 Euro brutto kostet jeder Kubikmeter Wasser, den sie in Waschbecken, Dusche oder Badewanne verbrauchen. Landesweit ist dies einer der höchsten Werte.

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09. November 2010, 08:48 Uhr

Schwerin | Nur Kunden in und um Rostock (1,98) und Greifswalder (1,96) müssen tiefer in die Tasche greifen. Neubrandenburg lockt mit differenzierten Tarifen (1,80/1,95). Günstiger ist das kühle Nass in kleineren Städten. So zahlen Grevesmühlener 1,05, Güstrower 1,03 Euro.

Privatisierung von Trinkwasserversorgung führe über kurz oder lang zu höheren Preisen für die Verbraucher, warnt der Bund für Umwelt und Umeltschutz Deutschland (BUND) in Schwerin. Arndt Müller, Referent für Naturschutz und Bürgerbeteiligung, spricht von einer "verhängnisvollen Entwicklung" auf dem Trinkwasser-Markt, auch in Mecklenburg-Vorpommern. "Zahlreiche Beispiele zeigen, dass die Zeche für die Privatisierung immer die Bürger zu zahlen haben. Die Wasserpreise in Rostock und Schwerin gehören zu den höchsten in Deutschland."

Sowohl in Schwerin als auch in Rostock sitzt beim Trinkwasser ein privates Unternehmen im Boot - Eurawasser. Andere Kommunen haben dagegen die Versorgung in eigener Hand, z.B. über Stadtwerke. Dies gilt allerdings auch für Greifswald, wo der Trinkwasser-Preis vergleichsweise hoch ist. Deutschlandweit werden 40 Prozent des Trinkwassers bereits von Unternehmen verkauft, die ganz oder teilweise in privater Hand sind. In Schwerin hält Eurawasser 49 Prozent der Anteile an der Wasserversorgungs- und Abwasserversorgungsgesellschaft (WAG).

Privatisierung führe zu höheren Verbraucherpreisen, erklärt Arndt Müller vom BUND. Er warnt: Kommunen dürften die Kontrolle über "das Lebensmittel Nummer eins" nicht aus der Hand geben und aus Finanznot an Private übergeben. Er fürchte, dass vielen Menschen der Zugriff auf Wasser verwehrt bleiben könnte.

Dass Trinkwasser mehr kostet, liege u.a. am sinkenden Verbrauch der Schweriner, erklärt WAG-Geschäftsführer Holger Fricke. Gab es 1990 noch 15 Millionen Kubikmeter Verbrauch, seien es heute fünf Millionen. "Wir haben aber 80 Prozent Fixkosten", so Fricke. Zudem seien Investitionen bzw. Sanierung von Leitungen nötig gewesen. Seit 2006 sei der Mengen-Preis konstant.

Zusätzlich zu den Kubikmeter-Gebühren kassieren die Wasserversorger eine Grundgebühr pro Jahr: Hier rangierte Schwerin nach Angaben des Statistischen Landesamtes im Jahre 2007 mit 87,36 Euro landesweit im Mittelfeld. Beispiele: Rostock 154,80, Greifswald 141,24, Wismar 38,52, Grevesmühlen 65,64, Ludwigslust 37,44 Euro. Laut WAG liegt die Grundgebühr in Schwerin heute bei brutto 116,47 Euro.

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