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Studiengang Gamedesign bundesweit der Renner : Schweriner Spielemacher werden umworben

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Die nächsten Game-Designer sind zwar erst im Sommer fertig mit ihrer dreijährigen Ausbildung an der Schweriner Design-Schule, doch schon jetzt werden sie von künftigen Arbeitgebern umworben.

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erstellt am 05.Apr.2013 | 07:27 Uhr

Schelfstadt | Die nächsten Game-Designer sind zwar erst im Sommer fertig mit ihrer dreijährigen Ausbildung an der Schweriner Design-Schule, doch schon jetzt werden sie von künftigen Arbeitgebern umworben. "Der Markt ist überhitzt", formuliert Sven Ossenbrüggen, Gründer und Chef von Xyrality, einem Hamburger Start-Up-Unternehmen, das nur zwei Jahre nach seiner Gründung heute rund 60 Mitarbeiter beschäftigt und Spiele u.a. für Smartphones und Tablet-PCs herstellt. Vor allem drei große Browser-Firmen hätten in den vergangenen drei Jahren mehr als 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen, die kleineren Unternehmen suchen jetzt händeringend kreativen, motivierten und gut ausgebildeten Nachwuchs. Drei Studios, die an der Schweriner Designschule in der Vergangenheit fündig geworden sind, präsentierten sich jetzt den neuen Jahrgängen. Und nahmen erste zarte Kontakte zur Schweriner Wirtschaftsförderung auf. Gibt es einen Ableger der aktuellen Boom-Branche vielleicht bald in der Landeshauptstadt?

Auch Bernd Nottebaum, Chef der Wirtschaftsförderung, war nämlich zu Gast bei der Werbe-Veranstaltung. Gute Büros und schnelle Internet-Verbindungen gehören zu den wichtigsten Grundbedingungen für die neuen Kreativen. Beides hat Schwerin zu bieten. Und Nachwuchs aus der Branche: 60 Game-Design-Schüler lernen aktuell in an der Beruflichen Fachschule in Schwerin, im Herbst soll das Fach zusätzlich als Bachelor-Studium in der Bergstraße angeboten werden.

Gamedesigner leben ihren Job, stecken viel Herzblut in Ideen, Bilder und den perfekten Spielablauf, verbringen also sehr viel Zeit am Arbeitsplatz. "Als Entspannung sollte man sich am besten einen Sport suchen, denn das viele Sitzen am PC geht ganz schön auf den Rücken", sagt Stephan Schattmann. Der junge Mann aus Frankfurt/Oder studierte von 2007 bis 2011 an der Schweriner Designschule. Heute arbeitet er bei Black Forest Games in Offenburg als 3-D-Artist. Die Wiederauflage des Spiels "Giana Sisters" hat er mit begleitet, eine aufwändige Produktion, die ein Budget von rund 1,5 Millionen Euro verbrauchte, wie Adrian Goersch, Managing Director bei Black Forest Games, berichtet. Das Spiel nach bewährtem Mario-Vorbild gibt es für PC, Playstation, X-Box und Wii. "Unser Ziel ist es, 300 000 Spiele davon zu verkaufen", sagt Goersch, der den Schweriner Schülern schon Ausschnitte des neuesten Projektes mitbrachte, an dem der Nachwuchs arbeiten könnte. In Goerschs Unternehmen arbeiten Menschen aus aller Herren Länder - Deutschland, Neuseeland, Südafrika, Frankreich, Russland oder Ägypten. Unternehmenssprache ist Englisch. Leidenschaft für den Job müssten die jungen Designer mitbringen, bereit sein, abends mal länger oder auch am Wochenende zu arbeiten. Teamplayer sind erwünscht.

Das kann Jenny Isler bestätigen. Auch sie lernte an der Design-Schule, ist heute Charakter-Designerin bei Xyrality. Als Praktikantin hat sie in dem Hamburger Unternehmen angefangen, das seine Produkte weltweit selbst vermarktet - zumeist via Apple. In mehr als 20 Sprachen werden die Spiele übersetzt. "Lords and Knights" hieß der erste große Erfolg der jungen Firma, "Celtic Tribes" ist das Projekt, an dem Jenny Isler verantwortlich mitarbeitet. "Mein Baby" nennt sie die "knorkigen Charaktere" und das kleine Dorf, die sie entwerfen sollte. Alles, was das Haus verlässt, wird mindestens zweimal betrachtet und einmal überarbeitet, so die Maxime bei Xyrality. "Aber die eigenen Ideen bleiben bestehen", so Isler. "Durch das Team und die Kritik wird das Gesamtprodukt besser."

Florian Pett, ebenfalls Gewächs der Designschule in der Bergstraße und heute Lead-Game-Designer bei Daedalic in Hamburg, gab den Schülern noch einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: "Konsumiert so viel Unterhaltung wie möglich, guckt Filme, spielt Brettspiele und lest Bücher. Das hilft in unserem Beruf immens." Er selbst habe gerade "Momo" von Michael Ende gelesen. Beruhigend, dass coole Computerkids von heute auch noch auf märchenhafte Jugendliteratur von gestern stehen.

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