zur Navigation springen

Abriss der Dreescher Schwimmhalle : Schweriner schwimmen hinterher

vom

Seitdem die Dreescher Schwimmhalle am 21. Dezember geschlossen worden ist, müssen die Schweriner Leistungsschwimmer noch mehr Zeit auf dem Trockenen trainieren. Der Neubau des Bades verzögert sich.

svz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 06:50 Uhr

Schwerin | Sie machen Schweriner stolz: Der zwölfjährige Till Otto Göttmann hat gleich bei seiner Premiere über 100 Meter Schmetterling den ersten Platz bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften erreicht. Christian Wichette, Jahrgang 1996, erschwamm sich den zweiten Platz über 400 Meter Lagen. Die jungen Nachwuchssportler sind Aushängeschilder des Schwimmsports in der Landeshauptstadt, "aber wir mussten in diesem Jahr harte Einschnitt hinnehmen", sagt Heike Thielmann vom Schweriner Polizeisportverein (PSV). Sie hat als einzige A-Lizenz-Trainerin in der Landeshauptstadt vor allem die vielversprechendsten Schwimmtalente unter ihren Fittichen. Die feiern zwar noch Erfolge, aber unter den gegenwärtigen Trainingsbedingungen "sind die sehr hart erkämpft und in diesem Jahr auch weniger geworden", sagt Heike Thielmann.

Seitdem die Dreescher Schwimmhalle am 21. Dezember geschlossen worden ist, müssen die Leistungsschwimmer des PSV noch mehr Zeit auf dem Trockenen trainieren. Der ursprünglich auf etwas mehr als ein Jahr kalkulierte Neubau des 11,5 Millionen Euro teuren Bades verzögert sich wegen des langen Winters. Jetzt soll erst Anfang 2015 Wasser in die neuen Becken gelassen werden. Solange rücken die drei Schwimmvereine, das Schulschwimmen und die Schweriner Freizeitschwimmer auf 450 Quadratmeter Wasserfläche in der Lankower Halle zusammen - die Hälfte der Wasserfläche die vor dem Abriss der Dreescher Halle zur Verfügung stand.

Der PSV trainiert heute etwa 16 Stunden pro Woche in Lankow, aber nicht nur die Leistungssportler. Beim PSV schwimmen mehr als 150 Aktive, davon die Mehrheit im Alter von 8 bis 14 Jahren, die talentiertesten von ihnen bei Heike Thielmann. Dazu kommen etwa 90 Schwimmanfänger. "Da wird es dann schon eng, diese alle auf 16 Stunden zu verteilen", sagt sie. Zusätzliche Nutzungsstunden müssten mit dem Schichtplan der Schwimmhallenmitarbeiter abgestimmt und unter Umständen zusätzlich bezahlt werden.

Die Leistungssportler fahren in den Ferien in Trainingslager außerhalb von Schwerin. "Aber auch in Rostock ist die Schwimmhalle derzeit Baustelle", so die Trainerin. "Dort gibt es die nächst liegendste 50-Meter-Bahn." Die fehlenden Trainingsbedingungen in Schwerin müssen die Eltern finanziell ausgleichen. "Dafür bezahlen sie etwa 1800 Euro pro Jahr", so Heike Thielmann. Förderungen gäbe es in MV nicht, da Schwimmen keine Fördersportart des Landessportbundes ist. Aber die fehlenden Becken in der Stadt der sieben Seen treffen nicht nur die Leistungsspitze des Schwimmsports, sondern wirken sich laut Heike Thielmann vor allem bei den jüngsten Schwerinern aus. "Wir haben mittlerweile eine Warteliste bei den Kindern im Vorschulalter", sagt sie. Das Segment wolle der PSV allerdings nicht beschneiden, sondern eher noch ausbauen und "sicherstellen, dass die Kinder wenigstens zwei Schwimmarten lernen". Wenn die jungen Schwimmer am Ende ihr kleines Seepferdchen ablegen, "wollen mehr als die Hälfte ihr Erlerntes noch vertiefen". Viele würden bleiben. Wer das Alter von 14 Jahren erreicht, macht seinen Rettungsschwimmer. "Fast alle Rettungsschwimmer des DRK kommen aus unseren Reihen", sagt Heike Thielmann. Sie geben selbst Schwimmunterricht. Damit schließe sich der Kreis und zeige, wie wichtig Schwimmunterricht sei. "Unter den gegebenen Umständen holen wir das Beste aus unseren Sportlern heraus", sagt sie. Der Leistungssport bleibe in Schwerin aber immer mehr auf der Strecke. Sportliche Erfolge würden weniger werden. Und den Schwerinern, die meinen, die Stadt der sieben Seen könnte auf eine Schwimmhalle verzichten, gibt Heike Thielmann Recht.: "Aber dann müssen wir den Leistungssportgedanken ganz abschaffen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen