zur Navigation springen

Diskussion um neue Schule : Schweriner Politik sucht verlorene Schüler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehr Kinder angemeldet als eingeschult: In erneuter Diskussion wurde sogar der längst beschlossene Schulneubau infrage gestellt

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Der Stadtspitze war die Verwirrung anzusehen, als um den Tagesordnungspunkt „Errichtung einer dreizügigen Grundschule in der Lagerstraße, Speicherstraße“ am Montag Abend auf der Beratung der Stadtvertreter eine heftige Diskussion entbrannte. Denn der Antrag stand nur auf dem Programm, weil das Schulamt entsprechend des Schulgesetzes noch einen formellen Beschluss für die neue Schule einforderte. Den Bau an sich haben die Stadtvertreter längst beschlossen – sowohl mit der Schulentwicklungsplanung als auch mit dem nachträglichen Finanzplan für dieses Jahr, um die zusätzlichen Ausgaben abzufangen. Doch daran schienen sich einige Stadtvertreter nicht mehr zu erinnern. Denn sogar der Neubau selbst wurde infrage gestellt.

Den Startschuss für die aberwitzige Diskussion lieferte CDU-Stadtvertreter Georg-Christian Riedel. „Es sind 110 Schüler weniger eingeschult worden als für das Schuljahr angemeldet waren“, konstatierte der Kommunalpolitiker. Eine neue Schule sei daher überhaupt nicht nötig, lautete Riedels Bilanz. Und falls es doch eine weitere städtische Schule geben solle, dann doch nicht am Hafen, wo es überhaupt kein Einzugsgebiet mit vielen Kindern gäbe. „Die Schelfschule ist viel geeigneter“, sagte Riedel.

Unterstützung bekam Riedel von AfD-Stadtvertreterin Petra Federau. „110 Schüler weniger – das kann man nicht einfach so ignorieren. Wir müssen noch beraten, ob die Schule wirklich gebraucht wird.“ Wie gesagt: Erst im Juni hatte die Stadtvertretung den Neubau am Hafen beschlossen.

Auch SPD-Stadtvertreter Eberhard Hoppe, Vorsitzender des Bildungsausschusses, zeigte sich erstaunt über die Differenz von 110 Schülern zwischen Anmeldung und Einschulung. „Aber wir verzeichnen nach wie vor Zuzug nach Schwerin. Jetzt reichen die Schulplätze aus. Das wissen wir heute. Aber im nächsten Schuljahr sind es vielleicht nicht mehr genug“, so Hoppe. „Wir brauchen die neue Schule.“

Dabei ist die Differenz zwischen Anmeldungen und tatsächlichen Einschulungen in jedem Jahr zu verzeichnen und daher alles andere als ungewöhnlich. Familien ziehen weg, Eltern entscheiden sich erst später für eine Privatschule, Kinder gehen in Förderschulen die Schuluntersuchung bringt Zurückstellungen für Kinder. Nach Angaben der städtischen Schulbehörde gibt es jedes Jahr eine Differenz von 80 bis 90 Kindern zwischen Anmeldung und den tatsächlich Eingeschulten.

Und das ist auch gut so. Denn noch im Januar zählte die Anmeldeliste für staatliche Grundschulen 790 Mädchen und Jungen. Die Platzkapazität liegt derzeit allerdings bei 722. Eingeschult wurden am 3. September letztlich 678 Kinder.

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow wies die Stadtvertreter schließlich auf die Beschlusslage hin und betonte: Über das Aussehen der neuen Schule am Ziegelinnensee werden die Kommunalpolitiker noch gesondert beraten. Bislang favorisiert die Verwaltung eine Modulbauweise, da das kostengünstiger ist und schneller funktioniert. Denn der Unterricht im Schulcontainer soll schon zum neuen Schuljahr starten. Und das nicht nur wegen weiteren Zuzugs, sondern auch, um in der Heine-Schule nicht vier erste Klassen aufnehmen zu müssen, sondern nur drei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen