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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 17:45 Uhr

Verlockung Internet : Schweriner in der Schuldenfalle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beratungsstelle „Lichtblick“ hat im vergangenen Jahr mehr Klienten betreut als 2013 – die meisten sind zwischen 28 und 45 Jahre alt

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 20:45 Uhr

Der Beratungsbedarf für überschuldete Schweriner ist unverändert hoch. Das geht aus den Zahlen der Schuldnerberatung „Lichtblick“ des Diakoniewerkes Neues Ufer hervor. Die drei Fachkräfte der Einrichtung haben im vergangenen Jahr jeder 221 Klienten betreut. 2013 waren es nur je 190. Dazu kamen 2014 insgesamt 640 Kurzberatungen.

„Die Schuldenfalle schnappt bei den meisten im Alter zwischen 28 und 45 Jahren zu“, sagt Beratungsstellenchef Siegfried Jürgensen. „In diese Zeit fällt auch der höchste Kreditbedarf.“ Knapp 57 Prozent der Klienten kommen aus dieser Altersgruppe. Die eigenen Kinder sind noch im Haus, eventuell müssen die Eltern schon gepflegt werden, ein Auto wird angeschafft und ein Haus gebaut und manchmal kommt noch eine Scheidung hinzu. „Wenn dann die Waschmaschine kaputt geht, wird es kritisch“, so Jürgensen.

Eine zweite große Schuldnergruppe sind allein erziehende Mütter. Im vergangenen Jahr machten sie 40 Prozent aller neu aufgenommenen Fälle der Schuldnerberatung aus. 2013 waren es nur 25 Prozent.

Die Herkunft der Schuldner hat sich leicht verschoben. Zwar kommt die größte Gruppe immer noch aus den Plattenbaugebieten im Südosten der Stadt. Doch immer mehr Klienten wohnen in Lankow und in der Weststadt. Und auch die Zahl der Gläubiger eines Schuldners hat sich verändert. Waren es früher 10 bis 15, so sind es heute bis zu 50. Die Ursache sieht Jürgensen auch im einfachen Interneteinkauf.

Nach den Erfahrungen der Berater traut sich nur die Hälfte der Betroffenen selbst in die Schuldnerberatungsstelle. Mehr als 22 Prozent erhalten den entscheidenden Impuls von anderen Beratungsstellen wie der Verbraucherzentrale oder von Gerichten. Knapp 18 Prozent werden von Bekannten, Freunden oder Verwandten animiert. „In der Regel sind die von den Betroffenen empfundene Not und der daraus resultierende Leidensdruck bereits erheblich, bevor sie die Beratungsstelle kontaktieren“, sagt Siegfried Jürgensen. „Der möglichst einfache Zugang zu einer kostenfreien und qualifizierten Schuldner- und Insolvenzberatung ist deshalb von höchster Bedeutung.“ In finanziellen Notlagen seien Menschen für das Versprechen schneller Hilfe besonders empfänglich und daher eine willkommene Zielgruppe für unseriöse gewerbliche Anbieter.

Die Schuldnerberatung „Lichtblick“ ist umgezogen und hat bis zum Ende dieses Jahres ihr Domizil in der Friesenstraße 29. „Leider hat sich das noch nicht ausreichend rumgesprochen“, sagt Jürgensen. Wie es in den nächsten vier Jahre weitergeht – derzeit laufen dazu intensive Gespräche insbesondere zur Finanzierung.

 

 

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