Patientenakademie der Helios-Kliniken Schwerin : Schweriner Chef-Hautarzt über das Risiko von „Sonnenwarzen“

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Dr. Gaston Schley, Chefarzt der Hautklinik, spricht über die Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten von Sonnenwarzen

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08. Mai 2020, 14:00 Uhr

Ein roter Fleck auf der Haut kann vieles sein. Hat er dazu aber noch eine graue Schuppung und fühlt sich rau an, fast wie Sandpapier, dann könnte es sich dabei um eine so genannte Sonnenwarze handeln. Die Aktinische Kerastose ist nicht zu unterschätzen, gilt als Vorstufe zum Hautkrebs. Über die Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten sprach SVZ-Redakteur Sebastian Kabst mit Dr. Gaston Schley, dem Chefarzt der Hautklinik der Schweriner Helios-Kliniken.

Seit 2013 ist  Dr. Gaston Schley der Chefarzt der Hautklinik und des Hautkrebszentrums der Helios-Kliniken Schwerin. Jedes Jahr behandelt er etwa 500 Patienten mit Hautkrebs-Neuerkrankungen.
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Seit 2013 ist Dr. Gaston Schley der Chefarzt der Hautklinik und des Hautkrebszentrums der Helios-Kliniken Schwerin. Jedes Jahr behandelt er etwa 500 Patienten mit Hautkrebs-Neuerkrankungen.
 

Herr Dr. Schley, Sie arbeiten seit 25 Jahren bei den Helios-Kliniken Schwerin, sind Experte für Onkologie und behandeln viele Patienten mit Aktinischen Keratosen. Was muss man sich unter der Sonnenwarze denn eigentlich genau vorstellen?
Dr. Gaston Schley: Die Aktinische Keratose ist eine so genannte Präkanzerose, also eine Krebsvorstufe. Ausgelöst wird sie durch zu viel UV-Strahlung und gilt als Vorstufe des weißen Hautkrebs. In den meisten Statistiken werden Prostatakrebs für Männer und Brustkrebs für Frauen als häufigste Krebserkrankung genannt. Genau genommen ist es aber der weiße Hautkrebs – und zwar bei beiden Geschlechtern. Darum sind eine frühe Diagnose und vor allem eine Prävention von Sonnenwarzen so wichtig.

Wie sieht diese Prävention im Idealfall aus?
Das Beste ist natürlich, die Sonne zu meiden. Wenn möglich sollte man nicht zwischen 11 und 15 Uhr in die Sonne. Und wenn es beruflich nicht vermeidbar ist, sollte man sich zumindest schützen.

Sie meinen zum Beispiel mit Sonnencreme?
Ja, auch. Sonnencreme ist ein ganz entscheidender Punkt. Sie wird aber meist falsch angewendet. Haben Sie sich mal die Anleitung auf der Tube angeguckt? Bei richtiger Anwendung reicht eine 200-Milliliter-Flasche nur für fünf Ganzkörperanwendungen. In der Regel wird die Sonnencreme zu dünn aufgetragen. Daher sollte man die Menge abmessen. Für die Ganzkörperanwendung eines erwachsenen Mannes empfehlen sich etwa 40 Milliliter, für das Gesicht reicht ein Teelöffel voll. Wichtig ist auch, regelmäßig nachzucremen, so zum Beispiel nach einem Bad im Schweriner See.

Aber es gibt noch andere Möglichkeiten, sich vor der Sonne zu schützen...
Und auch die sind wichtig. Der textile Sonnenschutz ist zum Beispiel durch einen Hut oder einen Helm gegeben. Es müssen aber auch der Nacken und die Ohren bedeckt sein. Dazu kommt eine körperbedeckende Kleidung. Ein Beduine würde in der Wüste niemals in kurzen Hosen herumlaufen, wie es oft Touristen tun. Wer lange in der Sonne ist, sollte daher lange Kleidung tragen. Es gibt auch Arbeits- oder Sportbekleidung, in der ein Sonnenschutz eingearbeitet ist. Dieser ist entsprechend des Lichtschutzfaktors mit UPF gekennzeichnet. Und es gibt natürlich noch die Sonnenbrille. Für viele ist sie nur ein modisches Accessoire. Dabei ist auch sie sehr wichtig. Für meine Kinder galt daher immer der Merksatz: „Die Sonnenbrille ist der Lichtschutz für die Augen“.

Schutz ist gut und Schutz ist wichtig. Viel hängt aber auch von den Risikofaktoren wie dem Hauttyp ab.
Genau, er ist einer von mehreren Faktoren. Die Hauttypen eins und zwei sind besonders gefährdet. Helle Haut, Sommersprossen und rote Haare sind beispielsweise der keltische Hauttyp eins. Hauttyp zwei ist meist blond und hat auch helle Haut. Das sind genetische Faktoren, die können wir nicht ändern. Etwas anders sieht es bei der kummulierten UV-Belastung aus. Je mehr Sonne, desto schlechter für die Haut. Wassersportler oder Outdoor-Worker sind hier besonders betroffen. Im Baugewerbe ist weißer Hautkrebs mittlerweile die am häufigsten angezeigte Berufskrankheit. Auch das Alter spielt eine Rolle oder ob jemand ein gehemmtes Immunsystem hat, wie zum Beispiel nach einer Organtransplantation.

Wie gefährlich ist die Sonnenwarze denn nun wirklich?
Es gibt leider keine wirklich gute Studie zu dem Thema. Die Aktinische Kerastose ist zwar eine Vorstufe des Hautkrebses, es ist aber noch lange nicht gesagt, dass jemand tatsächlich weißen Hautkrebs bekommt. Wir nehmen an, dass das bei maximal zehn Prozent der Fälle so ist. Wichtig ist aber, dass der Schaden größer sein kann, als auf den ersten Blick gedacht. Denn nicht nur die Sonnenwarze selbst ist das Problem. Wer eine entdeckt, hat meist einen so genannten Feldschaden, bei dem weitere Teile der Haut betroffen sind.

Wie wird die Aktinische Kerastose behandelt?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, vom chirurgischen Eingriff über die Kältetherapie bis zu lokal wirksamen Medikamenten. Anhaltend ist leider keine, in der Regel müssen die Behandlungen regelmäßig wiederholt werden. Auch die photodynamische Therapie, ein nichtinvasiver Eingriff, ist möglich. Dieser ist jedoch relativ teuer und wird nicht in jedem Fall von der Krankenkasse übernommen. Anders als die Hautkrebsvorsorge.

Stichwort Vorsorge: Welche Möglichkeiten gibt es?
Ab dem 35. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse alle zwei Jahre eine Vorsorgeuntersuchung gegen Hautkrebs. Ich kann nur dringend empfehlen, dieses Angebot anzunehmen, denn nur so können möglichst früh Sonnenwarzen und weißer Hautkrebs, aber auch Melanome, der so genannte schwarze Hautkrebs, erkannt werden. Und auch dabei gilt: Je eher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser ist sie in der Regel behandelbar.

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