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Bildungsstandort : Schwerin – zu klein für eine Uni?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Während sich mehrere junge Einwohner eine Hochschule wünschen, sehen Stadt, Land und Wirtschaft den Standort kritisch

von
erstellt am 14.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Eine Universität für Schwerin: Vier junge Schwerinerinnen haben die Debatte erneut entfacht. Mehr als 1480 Fürsprecher unterstützen die Aktion auf Facebook. Im Land und in der Wirtschaft stoßen solche Vorschläge allerdings eher auf Skepsis und Ablehnung.

„Eine staatliche Universität oder Hochschule in Schwerin kommt auf Grund der Festlegung auf Wismar als den Hochschulstandort in Westmecklenburg und die Universität Rostock mit ihrem großen Einzugsbereich nicht in Betracht“, sagt ein Sprecher des Bildungsministeriums auf SVZ-Anfrage.

„Für einen weiteren Standort besteht wohl wenig Bedarf“, heißt es auch aus der Handwerkskammer Schwerin. Sie macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: „Zumal die Wirtschaft ohnehin seit Längerem auf die Gefahr einer zu weit gehenden Akademisierung der Gesellschaft hinweist.“ Die duale Berufsausbildung habe sich gerade in Zeiten der europäischen Wirtschaftskrise als Garant für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit erwiesen, während in anderen Ländern mit hohen Akademikerquoten das genaue Gegenteil zu beobachten sei.

Auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow sieht das Potenzial von Schwerin vor allem in den engen Verflechtungen mit der Wirtschaft. Allerdings sei die Landeshauptstadt bereits ausgestattet mit praxisorientierten Studienfächern, preiswertem Wohnraum und hohem Lebenskomfort.

Drei Fachhochschulen bieten jungen Leuten in Schwerin Studienmöglichkeiten an: Die Design-Hochschule in der Bergstraße lehrt Game Design, Mode- und Kommunikationsdesign, die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit am Klinikum bildet den akademischen Nachwuchs der Bundesagentur aus und die Fachhochschule des Mittelstandes Baltic College (FHM) bietet Hotel- und Tourismusmanagement, Wirtschaftsingenieurwesen, Gesundheitstourismus, Kultur, Marketing und Unternehmensmanagement. Rund 1000 Studienplätze sollen so langfristig in der Stadt entstehen – 600 allein mittelfristig an der Agentur-Hochschule.

Zieht es junge Leute nicht nach Rostock, Hamburg oder Berlin zum Studieren, heben sie vor allem die kurzen Wege, die Natur, die Lebensqualität und das vergleichsweise preiswerte Wohnen als Qualitäten der Landeshauptstadt hervor. Dem pflichtet Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow nur bei. Und die FHM am Pfaffenteich sowie die Handwerkskammer heben noch einmal die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft hervor – auch wenn Schwerin nicht als Industriestandort gilt. Die FHM arbeitet eigenen Angaben nach europaweit mit 3500 Unternehmen zusammen, vermittelt Studenten in Praktika und zu Forschungsprojekten.

„Die Ansiedlung der Fachhochschule des Mittelstandes in Schwerin ist unter diesen Gesichtspunkten nur zu begrüßen, zumal dadurch auch internationale Studenten das Stadtbild beleben“, sagt die Sprecherin der Handwerkskammer. Das Bildungszentrum der Handwerkskammer arbeite sowohl mit der Hochschule Wismar als auch mit der Fachhochschule des Mittelstandes in Schwerin im Bachelorstudium zum Wirtschaftsingenieur sehr eng zusammen.

Das Fazit des Ministeriums: „Die Landeshauptstadt hat sich als Standort privater Hochschuleinrichtungen etabliert. Auch eine private „Universität“ wäre in Schwerin denkbar, sofern sie die gesetzlich vorgegebenen Anerkennungsvoraussetzungen erfüllt und trotz der Bedingungen eines dünn besiedelten Flächenlandes eine hinreichende Nachfrage erzeugen kann.“

 

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