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Weniger Hartz-IV-Empfänger, mehr Arbeit in der Verwaltung : Schwerin zieht Mitarbeiter im Jobcenter ab

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Schwerin muss für immer weniger Hartz-IV-Empfänger aufkommen, und spart Millionen. Inzwischen zieht die Stadt Personal aus den Jobcentern ab, weil die Verwaltung am Packhof unter einem Berg an Arbeit versinkt.

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2012 | 07:33 Uhr

Schwerin | Die Landeshauptstadt muss für immer weniger Hartz-IV-Empfänger aufkommen, und Schwerin spart Millionen. Inzwischen zieht die Stadt Personal aus den Jobcentern ab, weil die Verwaltung am Packhof unter einem Berg an Arbeit versinkt. Mittlerweile müssen Hartz-IV-Empfänger trotz ihrer sinkenden Anzahl immer länger auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten. "Wieso zieht die Verwaltung immer mehr Personal ab, wo die Hilfe doch dringend benötigt wird", fragt Daniel Meslien, Vorsitzender der SPD-Grüne-Fraktion der Stadtvertretung.

Im Jobcenter Am Margaretenhof kümmern sich derzeit mehr als 180 Mitarbeiter - 63 von der Landeshauptstadt und etwa 120 von der Arbeitsagentur - um etwas mehr als 6000 Hartz-IV-Empfänger aus Schwerin. In einem im Jahr 2005 geschlossenen Vertrag verpflichtete sich die Stadt allerdings, dem Jobcenter 80 Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, wie Hauptverwaltungschef Hartmut Wollenteit gegenüber SVZ bestätigt. Doch mittlerweile sollen sich Am Margaretenhof die Anträge stapeln, denn "die Mitarbeiter kommen mit der Bearbeitung nicht mehr hinterher", erklärt Meslien weiter. "Schwerins Personaldecke ist überall zu kurz", kontert Wollenteit. Im Stadthaus fehle es an vielen Ecken und Enden. So binde beispielsweise das Bildungspaket aus Berlin, das Kinder aus sozialschwachen Familien unterstützt, seit Mitte des vergangenen Jahres zusätzliches Personal.

"Außerdem ist die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger gesunken", sagt Wollenteit. So waren es im vergangenen Jahr etwa 4,7 Prozent Hartz-IV-Empfänger weniger als noch im Jahr 2010.

Das bringt der Landeshauptstadt zwei Vorteile: Zum einen spart Schwerin durch den Wegfall der Leistungszahlungen mehrere Millionen Euro pro Jahr ein (SVZ berichtete). Zum anderen ist der Rückgang der Fallzahlen für die Verwaltung ein Grund, Mitarbeiter aus dem Jobcenter abzuziehen. Denn auch in der Verwaltung steige die Arbeitsbelastung der Kollegen, wie Wollenteit weiter berichtet. Deshalb hatten sich in der Trägerversammlung des Jobcenters Vertreter von Stadt und Agentur vorläufig darauf geeinigt, die vereinbarte Mitarbeiterzahl der Stadt im Center von ursprünglich 80 auf 65 zu senken. Soweit so gut, "aber mittlerweile ist die Zahl auf unter 60 geschrumpft", sagt Meslien von der SPD.

Dafür seien Krankheiten und Schwangerschaften verantwortlich, sagt Wollenteit. "Das kann sich monatlich ändern." Grundsätzlich lege die Landeshauptstadt viel Wert auf die Kooperation mit der Bundesarbeitagentur unter dem Dach des Jobcenters. Das Wissen der städtischen Mitarbeiter über den lokalen Arbeitsmarkt ergänze sich gut mit dem überregionalen Know-how der Agenturmitarbeiter, so der Hauptverwaltungsleiter. "Bundesweite Verordnungen sind beispielsweise eher eine Qualität, die unsere städtischen Angestellten nicht mitbringen." Das sieht aber jede Kommune anders. Während Schwerin etwa ein Drittel der Jobcenter-Mitarbeiter stellt, arbeiten in München 90 Prozent städtische Mitarbeiter im Jobcenter - "je nach dem, wie der Arbeitsmarkt es regionalbedingt benötigt", so Wollenteit. Aber auch der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle. "Für unsere Kollegen im Jobcenter müssen wir als Stadt nur 12,6 Prozent der Lohnkosten tragen", so der Hauptverwaltungschef. Ein weiterer Grund, warum Schwerin die Mitarbeiterzahlen im Jobcenter eigentlich hoch halten wolle.

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