Ausblick auf 2013 : Schwerin wird zur Kaffee-Stadt

<strong>So soll die gläserne Produktionsstätte einmal aussehen: </strong>Besucher sollen bei der Herstellung der Dolce-Gusto-Kapseln zuschauen können, so die Idee des Weltkonzerns.
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So soll die gläserne Produktionsstätte einmal aussehen: Besucher sollen bei der Herstellung der Dolce-Gusto-Kapseln zuschauen können, so die Idee des Weltkonzerns.

Schwerins Industriepark in den Göhrener Tannen wächst weiter: In diesem Jahr beginnt Nestlé mit der Produktion von Dolce-Gusto-Kapseln. Die Landeshauptstadt realisiert trotz klammer Kassen mehrere Bauprojekte.

svz.de von
03. Januar 2013, 11:39 Uhr

Schwerin | In diesem Jahr beginnt das süße Vergnügen in der Landeshauptstadt: In den Göhrener Tannen haben bereits im vergangenen Jahr die Erdarbeiten für die Errichtung des Nestlé-Werkes begonnen. Bereits zum Jahresende soll im Industriepark die Produktion der ersten Dolce-Gusto-Kapseln beginnen. Für die Landeshauptstadt ist die Ansiedlung des Weltkonzerns ein Glücksfall: Bis zu 450 Arbeitsplätze werden neu entstehen. Und der Schweizer Lebensmittelriese hat damit auch weltweit gezeigt: Schwerin ist ein guter Produktionsstandort. Die Stadtspitze erhofft sich davon eine Sogwirkung und bereitet den Industriepark schon einmal vorsorglich für weitere Firmenansiedlungen vor.

Die größte Investition in die städtische Infrastruktur ist mit rund 7,6 Millionen Euro im kommenden Jahr in den Göhrener Tannen vorgesehen. Rund um das im Bau befindliche Nestlé-Werk werden Straßen erschlossen und Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt. Das soll es nicht nur dem Nahverkehr ermöglichen, das Nestlé-Werk mit dem Bus anzufahren, sondern auch weitere Investoren in den Industriepark locken, sagt Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff. Bis spätestens Anfang 2014 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, die dazu gehörende Planung sei bereits fast fertig.

Doch vorher baut Nestlé weiter. Mit der neuen Fabrik holt der Konzern Industriearchitektur in den Norden, die bereits in der Autofabrik Wolfsburg oder Gläsernen Autofabrik Dresden für Aufsehen gesorgt hat. Ein hochwertiger Industriebau solle entstehen, erklärte Bauingenieur Ulrich Walter bei der Präsentation im vergangenen Jahr, konzipiert vom Münchner Architekturbüro Henn, das sich auf Projekte wie in Wolfsburg und Dresden spezialisiert hat. Nestlé sucht in seinem Werk die Offenheit: Viel Glas, viel Licht, viel Transparenz, freie Sichtachsen - der Milliardenkonzern klotzt für 220 Millionen Euro ein Werk in die mecklenburgische Weite, das für Abwechslung in der schnöden Industriearchitektur sorgen wird. Lichtdurchflutete Eingangshalle, verglaste Wände zwischen Verwaltung und Produktion, Lichtbänder im Dach, eine bepflanzte Dachterrasse, baumgesäumte Magistrale auf dem Weg ins Werk, ein Außengelände rund um das Werk, das dem Ostseeufer nachempfunden werden soll, ein Werk mit 50 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche und einem Personalwarenshop mit der gesamten Nestlé-Produktpalette, zugänglich für jedermann: Das Werk sei transparent und offen konzipiert, sagte Walter. Kontakt ohne Barrieren, offene Fassaden: So solle Glas für ständige Sicht zu den Produktionsstraßen sorgen und den Mitarbeiter ermöglichen, die Außenwelt wahrzunehmen. "Alle sollen einen engen Kontakt zum Produkt haben", erklärte Walter.

Doch bevor zum Jahresende erstmals Grünkaffee in Schwerin angeliefert, gesäubert, geröstet, gemahlen, portioniert wird, die ersten Kaffeekapseln das Schweriner Werk verlassen und an Kunden in Deutschland und Europa geliefert werden, drückt die Zeit. Die Bauarbeiter haben reichlich zu tun. Tiefbauer, Zimmerer, Anlagenbauer, Metallbearbeiter, Trockenbauer, Fassadenbauer, Estrich- und Fliesenleger, Tischler, Landschaftsbauer, Elektriker, Straßenbauer - 33 verschiedene Positionen reiht die Gewerkeliste auf. Das kann sich lohnen: Walter rechnet damit, dass Aufträge im Wert von rund 60 Millionen Euro bei Firmen aus MV für Eingänge in den Orderbüchern sorgen können. Der jüngst vergebene Großauftrag ging allerdings außerhalb des Landes. Den Rohbau für 20 Millionen Euro wird das bayrische Bauunternehmen Dechant Hoch- und Tiefbau aus Weismain erledigen. Firmen aus MV können nur noch mit Aufträgen als Subunternehmer rechnen. Schon den Tiefbau hatte in den Göhrener Tannen eine Firma aus Süddeutschland erledigt.

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