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Bier aus der Landeshaupstadt : Schwerin wird wieder Brauereistadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Plänen der Schelfbauhütte soll sich bis spätestens 2020 erneut eine Brauerei in der Stadt ansiedeln – am liebsten öko

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erstellt am 24.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Lange Jahre war das Gelände der ehemaligen Schall & Schwencke Brauerei in der Werdervorstadt seinem Schicksal überlassen. Der Zahn der Zeit hatte 20 Jahre, um daran zu nagen. Die Zahl der Graffiti nahm immer mehr zu, die Zahl der heilen Scheiben ab. So verkam das Areal zum Schandfleck.

Seit 2013 nahm der Verfall jedoch ein Ende. Architekt Ulrich Bunnemann, Geschäftsführer der Schelfbauhütte, entschied sich, das 37 000 Quadratmeter große Gelände zu erwerben und arbeitet seitdem auf Hochtouren daran, die bauliche Lücke um den Ziegelinnensee wieder zu schließen. Auch sein Architekt Holger Diesing, Projektleiter für das ehemalige Brauereigelände, plant Großes: Schwerin soll wieder Brauereistadt werden.

Kerngeschäft der Schelfbauhütte ist es, durch Denkmalpflege die Geschichte und Identität der Orte zu bewahren. Da versteht es sich fast von selbst, dass auf der großzügigen Fläche, die schon als Alte Brauerei bekannt ist, auch wieder ein Brauhaus entstehen soll. „Allerdings nicht in einem so großen Maßstab wie zuvor“, erklärt Holger Diesing. Man wolle „eher ein kleines Bier brauen“ und nicht jeden Tag. Diesing stellt sich eine Gastronomie mit Braukessel vor. Auch einen geeigneten Standort hat er bereits im Visier. Allerdings braucht es dafür noch einiges an Vorstellungskraft. Noch türmen sich hier die Schuttberge, und Licht gibt es nur dank eines großen Lochs in der Decke. „Aber das wird alles“, verspricht der Architekt.

Das Projekt ist auch für ihn etwas Besonderes – nicht nur wegen des Investitionsvolumens von geschätzten 40 Millionen Euro. „Wir können hier noch ganz flexibel planen und so bis 2020 einen eigenen kleinen Kiez schaffen“, sagt der 44-Jährige.

In der Frage, welche Art Bier genau hergestellt werden soll, ist der gebürtige Mainzer noch ganz offen. „Eine Öko- oder Craft-Brauerei wäre aber schön“, erklärt er. Die würde zum restlichen Öko-Konzept des Areals passen. Eine Ausschreibung gibt es für den Brauereiplatz jedoch nicht. „Wer Interesse hat, kann sich einfach melden.“

Vor allem für Alt-Schweriner würden mit einer Brauerei wieder alte Traditionen aufleben. Denn so schnell, wie nun wieder eine Schenke entstehen soll, wurde 1865 auch die Brauerei aus dem Boden gestampft. Nur zehn Zeilen und ein paar Zeichnungen brauchte es, bis der Bauantrag genehmigt war, schrieb Bernd Neubeck in seiner Chronik über das Unternehmen. Da lobte man sich die Bürokratie im Dezember 1865. Und trotz kalten Winters stand der Rohbau bereits nach zehn Wochen. 1867 wurde dann das erste Bier gebraut.

Bekannt war die Firma Schall & Schwencke aber bereits zuvor. Sie begann mit einer Gewürzwarenhandlung und einem Holzhandel.

Nur fünf Jahre nachdem das erste Bier floss, verkauften Gustav II. Schall und Rudolf Neubeck die Brauerei für 127 000 Thaler.

Wenige Jahre später entschieden sie sich wieder um und kauften die inzwischen „Mecklenburgische Actien-Brauerei zu Schwerin in Mecklenburg“ für 210 000 Reichsmark zurück. Ein gutes Geschäft, denn 127 000 Thaler wären umgerechnet 381 000 Reichsmark gewesen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde groß angebaut. Es entstanden z.B. Abfüll- und Gärkeller, das Sudhaus (wo inzwischen neuer Wohnraum entstanden ist), ein Pferdestall und das Contorhaus – auf dem weitläufigen Gelände hatte alles Platz. Nach Jahren der Veränderung und Verstaatlichung wurde das VEB Getränkekombinat, zu dem die Brauerei gehörte, aufgelöst und der Standort verlassen. 2011 wurde in Schwerin schließlich der letzte Bierhahn zugedreht. Doch nun wird wieder Leben einziehen.

Einen Vorgeschmack soll der Tag des Bieres am 24. April bieten, für den schon jetzt ein großes Fest geplant ist – natürlich mit Ausschank von Bieren einiger lokaler Brauer.

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