zur Navigation springen

Aufnahmeantrag für Unesco-Liste vorgelegt : Schwerin wird lebendiges Kulturerbe

vom

OUV Residenzensemble Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus: Mit diesem Konzept steigen die Chancen für die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco. Das wurde auf einer Fachtagung im Schloss deutlich.

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2012 | 07:16 Uhr

Altstadt | Schwerins Chancen für die Aufnahme des Schloss-Ensembles in die Welterbeliste der Unesco steigen. Das wurde auf einer hochkarätigen Fachtagung im Schloss deutlich. Historiker Dr. Christian Ottersbach aus Esslingen fasste nach der Präsentation der Dokumentation "OUV Residenzensemble Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus" zusammen: "Damit kommt Schwerin auf jeden Fall auf die deutsche Vorschlagsliste."

Der renommierte Wissenschaftler hatte ein 268 Seiten starkes Gutachten für die Bewerbung erarbeitet sowie eine Kurzfassung für die deutsche "Tentative List". Dieses OUV (outstanding universal value - einzigartiger universeller Wert) genannte Papier orientiert sich am Kriterienkatalog der Unesco. "Wir haben den Titel der Bewerbung breiter gefasst und das Residenzensemble in den Mittelpunkt gerückt, da sich einerseits bereits zahlreiche Schlösser auf der Liste befinden und andererseits Schwerin viel mehr zu bieten hat", erläuterte Dr. Ottersbach.

Die Einzigartigkeit sieht er vor allem in der Geschlossenheit und Authentizität des Ensembles mit Residenzschloss, besonderen Gartenanlagen, dem geschlossenen Platz Alter Garten mit zahlreichen historistischen Bauten wie Theater, Museum und Kollegiums gebäude sowie angrenzenden Gebäuden wie Kulissenhaus, Maschinenhaus, Direktorenvilla, Marstall, Dampfwäscherei, Bettenkammer, Jägerhof und Artilleriekasernen. Und das alles harmonisch eingebunden in die wasserreiche Endmoränenlandschaft verleihe Schwerin einen besonderen Reiz. Hinzu zählt der Gutachter dann noch die landschaftsgärtnerische Anlage Kaninchenwerder sowie vier Enklaven in der Pufferzone mit direktem Bezug zur Residenz: Dom und Schelfkirche als Grab lege der Herzöge sowie Paulskirche und Neustädtisches Palais als historistische Bauwerke mit direktem Bezug zum Fürstenhaus.

Als Zeugnis einer einzigartigen kulturellen Tradition bewertet Dr. Ottersbach die ununterbrochene Rolle des Schweriner Schlosses als politisches und ideelles Zentrum der Stadt und des Landes Mecklenburg über einen Zeitraum von 1000 Jahren hinweg bis zur Gegenwart. Zugleich sei das Residenzensemble in außerordentlichem Umfang Zeugnis einer untergegangenen höfischen Kulturlandschaft.

Als außergewöhnlich schätzt er bei der Schweriner Bewerbung das Zusammenspiel von Kultur und Natur, das Verweben von Architektur und Gartenkunst ein. Dies sieht der Gutachter übrigens als Prozess an. Der neu angelegte moderne Garten des 21. Jahrhunderts störe keineswegs die Unesco-Bewerbung, ebenso wenig wie Veranstaltungen auf dem Alten Garten. Nur vor ausufernden gigantischen Kulissen warnt er. "Der Unesco ist ein lebendiges Kulturerbe wichtig", betont der Experte.

Das sehen mittlerweile auch die Entscheidungsträger in Stadt und Land so. Die Welterbe-Bewerbung für die Aufnahme des Schloss-Ensembles in die Welterbeliste der Unesco sollte nicht als Last, sondern als Chance begriffen werden, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering. "Schon die Antragsphase selbst ist eine wirkungsvolle Werbung für Schwerin und Mecklenburg-Vorpommern", sagte Sellering. Er betonte ausdrücklich, dass der Welterbestatus und die Nutzung des Ensembles keinen Widerspruch darstellt. "Wir wollen, dass es weiterhin die Schlossfestspiele gibt, den Gartensommer, Feste und andere Open-Air-Veranstaltungen. Wir wollen ein lebendiges Kulturerbe", betonte der Ministerpräsident. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow hob vor allem die gute Zusammenarbeit vieler Partner bei der Bewerbung hervor. Die Idee des Vereins Pro Schwerin habe viele Unterstützer gefunden, Stadt und Land ziehen an einem Strang. Deshalb sei sie überzeugt, dass die Bewerbung gelingen werde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen