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Stadt vermarktet denkmalgeschützte Häuser : Schwerin will Tafelsilber vergolden

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Auf den ersten Blick bietet Schwerin preisgünstig denkmalgeschützte, städtische Immobilien an. Auf den zweiten Blick sind diese häufig an kostenintensive Verpflichtungen geknüpft. Rückkauf-Option inklusive.

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2012 | 08:51 Uhr

Schwerin | Schnäppchenpreise waren gestern: Auf den ersten Blick bietet Schwerin preisgünstig städtische, denkmalgeschützte Immobilien an. Auf den zweiten Blick sind diese häufig an kostenintensive Verpflichtungen geknüpft - Rückkauf-Option inklusive. Erfüllt der Käufer seinen Sanierungsplan nicht im ausgehandelten Zeitfenster, behält sich die Stadt im Kleingedruckten vor, die Immobilie zurück zu erwerben.

Mit dem Druckmittel verfolgt Schwerin nur ein Ziel: Die alten Häuser durch private Investoren vor dem Verfall zu bewahren. Damit wäre die Stadt an gesichts ihrer leeren Kassen überfordert, zahlt aber in jedem Fall Fördermittel. Dafür würden die Investitionssummen in den kommenden Jahren in die Objekte fließen und Aufträge für die Bauwirtschaft sichern, argumentiert Stefan Schlick. Er ist stellvertretender Leiter des Amtes für Liegenschaften.

Über seinen Schreibtisch sind im vergangenen Jahr unter anderem 19 Verkäufe gegangen, alles zum Teil stark sanie rungsbedürftige Immobilien. Verkaufserlös: 1,2 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 25 Objekte. "Wir haben etwa 1,8 Millionen Euro eingenommen", sagt Schlick. "Darunter fallen auch noch Erlöse verkaufter Grundstücke aus 2010." Damals hatte Schwerin noch 2,1 Millionen Euro durch Immobilienverkäufe eingenommen. Das übertraf die Erwartungen um ein Vielfaches, denn das Amt hatte ursprünglich mit 740 000 Euro gerechnet. "Das wird aber nicht so weitergehen", resümiert Schlick. Die Verkäufe seien rückläufig, nicht weil die Nachfrage sinke, sondern aus verschiedenen Gründen immer wenig er sanierungsbedürftige Gebäude vorhanden seien. "Eigentlich ein gutes Zeichen, aber wir sind noch lange nicht am Ende", so der Fachmann.

Im kommenden Jahr will Schwerin weitere Grundstücke "in exponierter Lage" an neue Eigentümer bringen. Der Verkauf des ehemaligen Hotel du Nord und des benachbarten Gebäudes, beide Schlossstraße 10/12, ist fast abge schlossen. Der Kaufpreis in Höhe von 650 000 Euro ist vertraglich an eine Vier-Millionen-Investition geknüpft. Auch die Verträge für das ehemalige Klinikgelände in der Werderstraße sind fast unterschriftsreif. Kaufpreis: 1,8 Millionen Euro. Investition: 15 Millionen Euro. "So viel könnten wir als Stadt kaum investieren", sagt Schlick. Dennoch sichere sich die Stadt gegen mögliche Pleiten der Investoren ab. "Wir wollen ja keine halb fertigen Investruinen in Schwerin."

Allerdings zeigen die hohen Auflagen der Stadt auch ihre Schattenseiten: So verfällt das Strandhotel im Ortsteil Zippendorf weiter. Dass vor seinem Zusammensturz ein Investor gefunden wird, bleibt zu hoffen. Das Kurhaus wird es wohl nicht schaffen. Wegen fehlender Nachfrage ist sein Abriss zumindest geplante Sache.

Auf anderen Feldern arbeitet das Liegenschaftsamt erfolgreicher. Für das ehemalige Polizeigelände in der Amtsstraße gibt es einen Interessenten, der dort ein Kurzentrum aus dem Boden stampfen will. Im Industriepark in den Göhrener Tannen könnte bald ein Werk des französischen Lebensmittelherstellers Nestlé seine Arbeit aufnehmen. Die Verhandlungen sind dort allerdings noch offen. "Erfreulich für Schwerin ist, dass wir seit dem vergangenen Jahr dort auch verstärkte Nachfrage beobachten", sagt Schlick. Des weiteren seien die Beschlüsse für die Veräußerung gewerblicher Flächen für Unternehmenserweiterungen und alternative Energiegewinnung in Lankow und Schwerin-Süd gefasst worden. Außerdem wechselten ein ehemaliges Schulgebäude in Görries und ein denkmalgeschützes Verwaltungsgebäude Friedrichstraße 22/Schulstraße 4 im vergangenen Jahr den Besitzer.

"Wir sind zufrieden", sagt Schlick und hofft, dass auch die kommenden Projekte klappen. So soll das ehemalige Vorwärtsgelände am Mittelweg endlich richtig vermarktet werden. Und für Wassersportler und Touristen will die Stadt die Insel Kaninchenwerder noch attraktiver machen, den Hafen sanieren und die Gastronomie vorantreiben.

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