Experten legen Klimaschutzkonzept vor : Schwerin will schadstofffreie Luft

<strong>Erlebbarer Klimaschutz:</strong> In der Kita 'Kirschblüte' können die Kleinen  'sehen', dass die Wärme für ihr Haus aus der Erde kommt. Geothermie will Schwerin weiter ausbauen. <fotos>Fotos: Mara (2)</fotos>
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Erlebbarer Klimaschutz: In der Kita "Kirschblüte" können die Kleinen "sehen", dass die Wärme für ihr Haus aus der Erde kommt. Geothermie will Schwerin weiter ausbauen. Fotos: Mara (2)

Politik und Verwaltung möchten die Kohlendioxid-Emissionen in der Landeshauptstadt bis zum Jahr 2050 auf Null senken. Wie das funktionieren kann, das soll ein für 130 000 Euro erstelltes Klimaschutzkonzept aufzeigen.

svz.de von
11. Juli 2012, 09:59 Uhr

Schwerin | Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, sagt der Volksmund. Mit dem jetzt von Umweltdezernent Dr. Wolfram Friedersdorff vorgestellten Klimaschutzkonzept scheint die Landeshauptstadt zur weltweit ökologischen Hochburg wachsen zu wollen: Politik und Verwaltung möchten die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf Null zu senken. Wie das funktionieren kann, das soll das für 130 000 Euro von vier Hamburger und Berliner Planungs-, Ingenieur- und Architekturbüros erstellte Klimaschutzkonzept aufzeigen, das am Dienstag Abend erstmals öffentlich vorgestellt wurde (SVZ berichtete). Nach Abstimmung mit Ver- und Entsorgungsunternehmen der Stadt soll das Papier von August an im Internet frei zugänglich sein, versichert Umweltamtsleiterin Carola Nitz.

Knackpunkt ist dabei nicht der von den Experten aufgezeigte, 39 Punkte umfassende Maßnahmekatalog. Denn dieser liest sich lediglich wie eine Mischung aus längst Bekanntem, lange Diskutierten und bereits in die Wege Geleitetem. Darin ist von Carsharing die Rede - was in Schwerin bereits gnadenlos gescheitert ist -, von Windkraftanlagen - die in der Landeshauptstadt aufgrund der Nähe zur Bebauung gar nicht genehmigungsfähig sind -, von der Nutzung der Geothermie - was z.B. die Stadtwerke für die Bebauung der Waisengärten längst angekündigt haben - oder von Photovoltaik-Dachanlagen - was Schwerin seit Jahren umsetzt. Es komme vielmehr auf die speziell auf die Einzelvorhaben zugeschnittenen Umsetzungsstrategien an, betonen die Experten, die dazu auch gleich Lösungsvorschläge mitliefern. Und natürlich müssen die Schweriner mitmachen.

Ein Beispiel: "Das Klimaschutzkonzept hat uns bestätigt, dass unsere Strategie richtig ist, auf Fernwärme zu setzen", sagt der Umweltdezernent. Doch was ist mit den Außenbezirken, wohin die Verlegung von Wärmetrassen sich nicht rechnet? Ein Ansatz aus dem Klimaschutzkonzept: kleine Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung, die erneuerbare Energien nutzen. Während das "Was" damit benannt wäre, bleibt das "Wie" offen. Eine Möglichkeit wäre Überzeugungsarbeit, eine andere eine Subventionierung bei der Anschaffung, von der der Bürger profitiert, eine dritte schlicht eine Verordnung, die das vorschreibt.

Welche Wege Schwerin zum hehren Ziel in den kommenden 38 Jahren beschreiten will, das müssen Stadt und Stadtpolitik in einzelnen Beschlussvorlagen erarbeiten und umsetzen. Ein langer Prozess, wie auch Dezernent Frieders dorff zugibt. Doch Zwischenerfolge seien realistisch: Die noch sechs Tonnen CO2-Emmission pro Jahr und Schweriner ließen sich in den kommenden zehn Jahren auf vier Tonnen drücken. Auf dem Weg zum Nullwert könne Schwerin viel selbst gestalten, aber auch davon profitieren, was äußere Einflüsse mit sich brächten. Dazu zählt beispielsweise die Entwicklung der Fahrzeuge weg von Verbrennungsmotoren.

Das Klimaschutzkonzept beinhaltet zudem zahlreiche Punkte der Stadtentwicklung. So soll mehr Grün in die Stadt und soll die Altbausubstanz kontinuierlich unter Energiesparaspekten saniert werden. Dafür haben die Experten mit Hilfe der Stadtwerke die Schweriner Stadtteile unter die Lupe genommen, die einzelnen Gebäude klassifiziert und individuelle Handlungsoptionen aufgezeigt.

Über alle Bereiche haben die Gutachter damit ein umfangreiches Aktionsprogramm vorgeschlagen und jede einzelne Maßnahmen mit Kosten und den CO2-Senkungspotenzialen belegt. "Viele der Maßnahmen sind so wirtschaftlich, dass es zu einer CO2-Einsparung und gleichzeitig zu geringeren Energiekosten kommt. Das heißt: Sie finanzieren sich teilweise selbst über die zu erzielenden Kosteneinsparungen", sagt Friedersdorff. Die im Klimaschutzkonzept benannten Maßnahmen sind im Schwerpunkt technischer Natur, es gehören aber auch strategische und planerische Maßnahmen dazu. Sie erfassen dabei alle wichtigen Energieverbraucher, die privaten Haushalte ebenso wie öffentliche Einrichtungen, Industrie und Gewerbe sowie den Verkehr.

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