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Sanierung soll in diesem Jahr beginnen : Schwerin will alte Fokker-Halle retten

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Ein Holzschuppen, an dem der Zahn der Zeit genagt hat? Nein! Diese Halle ist ein Industriedenkmal: Hier wurden sie einst gebaut - die Maschinen, mit denen der Flugpionier Anthony Fokker seinen Ruf in der Welt begründete.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 06:27 Uhr

Werdervorstadt | Die Halle sieht unscheinbar aus - ein großer Holzschuppen, an dem der Zahn der Zeit genagt hat. Aber die 100 Jahre alte Halle hat es in sich. Ein Industriedenkmal. Fans des holländischen Flugpioniers Anthony Fokker schnalzen mit der Zunge, wenn sie das marode Gebäude in der Bornhövedstraße betreten. Hier wurden sie einst gebaut - die berühmten Maschinen, mit denen Fokker seinen legendären Ruf in der Welt begründete.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt die denkmalgeschützte Halle samt Grundstück mit Seezugang erworben. Zusammen mit den beiden Nachbargrund stücken soll die mehr als 7700 Qua dratmeter große Fläche vermarktet werden, sagt Andreas Thiele, Abteilungsleiter im Amt für Stadt entwi cklung. Zuvor müsse die betagte und nicht mehr so ganz standsichere Halle aber in Schuss gebracht werden , ergänzt Amtsmitar beiterin Annegret Reinkober. Geplant sei unter anderem, die Tragkonstruktion in der Halle aus zutauschen und das Dach neu zu decken. "Wir bereiten derzeit gerade eine Beschlussvorlage für die Stadtvertretung vor", so Reinkober. Abteilungsleiter Thiele rechnet mit Kosten in sechsstelliger Höhe, für die aber städtebauliche Sanierungsmittel zur Verfügung stünden. Noch in diesem Jahr solle mit den Arbeiten begonnen werden, auch von Altlasten müsse das Gelände noch beräumt werden.

Nach der Sanierung könnten in der Halle wie in der Vergangenheit auch schon Boote untergestellt werden, erklärt Stefan Schlick, für Liegenschaften zuständiger Abteilungsleiter im Stadthaus. Tatsächlich schwebt ihm eine was ser touristische Nutzung des gesamten Areals vor. Priorität bei den zukünftigen Planungen habe auf jeden Fall, einen durchgängigen Uferweg für die Öffentlichkeit zu schaffen, so Schlick. Vor aussichtlich in der zweiten Jahreshälfte solle das Interessenbekundungsverfahren offiziell eröffnet werden. Es gäbe aber schon Anfragen zum Grundstück mit der ehemaligen Fokker-Halle, erklärt der Abteilungsleiter. Der Streit mit einem Wassersportverein, der das Objekt bislang genutzt habe, sei aus Sicht der Stadt beigelegt (wir berich teten).

Im Mai 1913, also vor genau 100 Jahren, hatte Anthony Fokker auf dem Flughafen in Görries zunächst seine Flugschule eröffnet. Fünf Monate später zog auch der "Fokker Aeroplanbau" von Johannisthal bei Berlin nach Schwerin um. "Mit etwa 60 Mitarbeitern begann Fokker am Hintenhof, in der heutigen Born hövedstraße, seine Flugzeugproduktion", schildert der Schweriner Michael Schmidt, der sich intensiv mit Fokkers Leben beschäftigt hat. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden die Aktivitäten des Niederländers in Schwerin ein jähes Ende. Weil die Alliierten die Flugzeugproduktion in Deutschland verboten hatten, verlegte er seine Fabrik im Frühjahr 1919 auf mehreren Güterzügen nach Amsterdam.

Neben der Halle, die die Stadt erworben hat, gibt es noch eine weitere Fokker-Halle in der Bornhövedstraße, die die Zeit überdauert hat. Eigentümer ist der Schweriner Sportanglerverein. "Die Halle befindet sich im Originalzustand", betont Vereinsvorsitzender Hans-Joachim Hermenau. Das Gebäude werde gehegt und gepflegt und als Vereinsheim genutzt.

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