Kein Platz mehr : Schwerin weist erste Flüchtlinge ab

<p>In Stern Buchholz ist die Kapazität erschöpft. Jetzt soll erweitert werden. </p>
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In Stern Buchholz ist die Kapazität erschöpft. Jetzt soll erweitert werden.

Erstaufnahmestellen in MV voll: Bahnhofsmission hilft Asylbewerbern, die in andere Bundesländer geschickt werden

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04. September 2015, 08:00 Uhr

Die Kapazitäten in den Aufnahmelagern in Horst bei Boizenburg und Stern Buchholz bei Schwerin sind erschöpft. Asylbewerber werden bereits seit Tagen in andere Bundesländer weitergeschickt. Allein gestern mussten mehr als 100 Flüchtlinge   Hilfe bei der  Bahnhofsmission in Schwerin suchen. Nach ihrer langen Flucht über Mittelmeer und quer durch Europa müssen die Menschen jetzt weiter quer durch die Bundesrepublik in andere Erstaufnahmelager: Nach Halberstadt, Neumünster, Bramsche, Eisenhüttenstadt oder Braunschweig. Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Palästina und vielen anderen Ländern.

Erst im Mai wurde das Aufnahmelager in Stern Buchholz mit zunächst 450 Plätzen eröffnet. Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber  soll auf bis zu 1200 Plätze erweitert werden. Das bestätigte der Sprecher des Innenministeriums, Michael Teich, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Mecklenburg-Vorpommern habe sein Soll erfüllt. Auch deshalb würden die Flüchtlinge weiter geschickt. 16 300 Asylbewerber soll MV in diesem Jahr aufnehmen, viermal so viele wie im vergangenen Jahr.

Flüchtlinge müssen weiterfahren

Um 11.22 Uhr fährt der Zug nach Hannover. Dort muss Alla Samuel umsteigen. Das Ziel des jungen Mannes aus der westafrikanischen Elfenbeinküste: das Aufnahmelager für Asylbewerber in Braunschweig. Ute Rothacker und Heike Sobanski von der Bahnhofsmission helfen Alla Samuel, sich auf dem Schweriner Hauptbahnhof zurechtzufinden. „Ihr Zug hält auf Bahnsteig 3“, erklären die beiden Frauen auf Englisch. Für den Ivorer beginnt die vorerst letzte Etappe einer Reise, die ihn bereits mit einem Boot über das Mittelmeer von Afrika nach Italien geführt hat.

Mehr als 100 Flüchtlinge suchten die Hilfe der Bahnhofsmission. Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Palästina und vielen anderen Ländern, sind ausgestattet mit Fahrkarten und Dokumenten. In Erstaufnahmeeinrichtungen in Halberstadt, Neumünster, Bramsche, Eisenhüttenstadt oder eben Braunschweig wollen die Menschen. Andrang in der kleinen Mission im Bahnhofstunnel. Und es ist nicht der erste Ansturm, den die ehrenamtlichen Mitarbeiter zu bewältigen haben. „In der vergangenen Woche kamen bereits Asylbewerber, die von Mecklenburg-Vorpommern aus in andere Bundesländer weitergeschickt wurden“, berichtet Olaf Hagen von der Sozialdiakonischen Arbeit – Evangelischen Jugend, dem Träger der Bahnhofsmission.

In Horst bei Boizenburg wurden die Flüchtlinge registriert, dann nach Stern Buchholz gebracht. Die Kapazitäten in den Erstaufnahmestellen des Landes sind erschöpft. Mehr als 600 Plätze in Horst, rund 400 Plätze in Stern Buchholz – voll. 16 300 Asylbewerber soll Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr aufnehmen. Per 31. Juli hätten sich bereits 8678 Asylbewerber im Verfahren und 933 ehemalige Asylbewerber mit Duldung im Land aufgehalten, sagt der Sprecher des Innenministeriums, Michael Teich. MV habe sein aktuelles Soll erfüllt. Deshalb würden Flüchtlinge nun in andere Bundesländer geschickt. Für den Transfer mit der Bahn gäbe es aber auch noch einen weiteren Grund, so Teich. Asylbewerber aus bestimmten Herkunftsländern würden bestimmten Bundesländern zugewiesen. Klar sei aber auch, dass weitere Unterkünfte für Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern benötigt würden, betont der Ministeriumssprecher. So sei geplant, die Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz möglicherweise auf bis zu 1200 Plätze zu erweitern.

In der Schweriner Bahnhofsmission bekommen die Flüchtlinge nicht nur Tipps für die Reise, sie werden auch mit Kaffee und kalten Getränken versorgt, erfahren Zuwendung und Aufmerksamkeit. Die Palästinenserin Safaa Awwad dolmetscht, baut Sprachbarrieren ab. „Die Flüchtlinge sind sehr dankbar für die Hilfe, die sie bei uns erhalten“, sagt Missionsmitarbeiterin Diana Schnäckel.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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