Schwerin : Schwerin unter Strom

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Die Stadtvertretung stimmte 1901 nach langem Zögern für den Bau eines E-Werks.
Die Stadtvertretung stimmte 1901 nach langem Zögern für den Bau eines E-Werks.

Aus der Schweriner Geschichte: das E-Werk

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20. März 2020, 05:00 Uhr

Die Schweriner Stadtgeschichte hat viele Facetten. Einige davon wollen wir in dieser Woche beleuchten. Heute: Die Stadt wird elektrisch.

Mit dem wachsenden Wohlstand stiegen am Ende des 19. Jahrhunderts, gerade in der Residenzstadt Schwerin, die Ansprüche des tonangebenden Bürgertums. Das Licht der Glühbirne war feuer- und betriebssicherer als das bisher übliche Gaslicht.

Nachdem 1882 ein erster Versuch zum Bau eines Elektrizitätswerks am Einspruch des mecklenburgischen Innenministeriums scheiterte, war es vor allem der elektrizitätsbegeisterte Senator XYZ Lisch, der das Projekt immer wieder vorantrieb. Fast zwanzig Jahre lang nervte er seine Magistratskollegen mit immer neuen Berichten über die Einführung elektrischer Beleuchtung in Städten wie Mailand, Köln oder Nottingham. Da nach den Erfahrungen anderer Städte schließlich nicht mehr an der Rentabilität eines solchen Werkes zu zweifeln war, votierten 1901 nach langem Zögern auch die Stadtvertreter für den Bau eines Elektrizitätswerks.

Entgegen den Wünschen von Lisch fiel die Wahl nicht auf die Verwendung hochgespannten Wechselstroms, der sich auch über weitere Entfernungen transportieren ließ, sondern auf den kostengünstiger herzustellenden Gleichstrom, der darüber hinaus den unkomplizierten Betrieb einer Straßenbahn ermöglichte. Da das Elektrizitätswerk daher zwingend innerhalb der Stadt liegen musste, kam als einer der letzten freien Bauplätze nur die unbebaute Fläche am Spieltordamm in Frage. Dafür legte der Magistrat aber großen Wert darauf, das Gebäude so zu verkleiden, dass ihm sein Zweck nicht anzusehen war.

Statt einer Dampfmaschine wurden Gasmotoren installiert, die keinen Schornstein erforderten. So war die Bestimmung des Gebäudes von außen nicht zu erkennen. Im Dezember 1903 beauftragte der Magistrat die AEG in Berlin mit dem Bau von Kraftwerk und Kabelnetz. Im November 1904 nahm das E-Werk den Betrieb auf, der in den ersten Monaten durch mehrere Explosionen und Havarien beeinträchtigt wurde.

Trotzdem erfreute sich die neue Energiequelle bald regen Zuspruchs. Bis 1910 waren schon 1225 Haushalte angeschlossen. Die Entscheidung für Gleichstrom erwies sich allerdings bald als kurzsichtig. Die Versorgung von Ostorfer Villenviertel und Zippendorf ließ sich wegen der zu großen Entfernung zum E-Werk nur durch Wechselstrom gewährleisten. Dennoch erwirtschaftete das Elektrizitätswerk mit schöner Regelmäßigkeit beträchtliche Jahresgewinne und produzierte den Strom billiger als die Stadt ihn hätte einkaufen können.

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