Klärwerk Schwerin : Schwerin: Teurer Schlamm, bessere Luft

Vom Dach des Faulturmes aus kann Werkleiter Lutz Nieke die gesamte Kläranlage in Wüstmark überblicken. Mit dem aktuell störungsfreien Betrieb ist er zufrieden, Sorgen bereitet ihm nur die künftig vorgeschriebene Verbrennung. Reinhard Klawitter
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Vom Dach des Faulturmes aus kann Werkleiter Lutz Nieke die gesamte Kläranlage in Wüstmark überblicken. Mit dem aktuell störungsfreien Betrieb ist er zufrieden, Sorgen bereitet ihm nur die künftig vorgeschriebene Verbrennung. Reinhard Klawitter

Kläranlage hat viele Geruchsprobleme beseitigt, steht mit veränderten Entsorgungsvorschriften jetzt aber vor einem neuen Problem

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15. März 2016, 04:30 Uhr

Auf der Kläranlage in Süd fallen im Jahr rund 10 000 Tonnen Klärschlamm an. Der wird getrocknet und anschließend von den Landwirten gern als Dünger auf den Acker gebracht. „Unser Klärschlamm hat dafür sogar ein Qualitätssiegel“, sagt Werkleiter Lutz Nieke. Es sei denn, dass einzelne Inhaltsstoffe die in der Düngemittelverordnung festgelegten Grenzwerte überschreiten. So geschehen im Januar. Fast die Hälfte, nämlich 45 Prozent des Klärschlamms mussten verbrannt werden. Der Grund: Der Quecksilberanteil war zu hoch. So etwas gäbe es immer mal wieder, so die Fachleute. Im Jahresdurchschnitt 2015 seien nur elf Prozent des Klärschlamms zu hoch belastet gewesen. „Woher der hohe Januar-Wert kommt, können wir nicht sagen“, so der Geschäftsführer der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft, Axel Krause. „Wir haben aber festgestellt, dass immer zu Jahresanfang die Quecksilberwerte besonders hoch sind.“ Deshalb wurde bereits der Straßenschmutz untersucht – nichts. Das Streugut des Winterdienstes wurde analysiert – ebenfalls nichts. „Bei Kanalbefahrungen haben wir geschaut, ob es irgendwo Sickerstellen für das Quecksilber gibt, haben aber nichts gefunden“, sagt Krause. Die Zahnärzte wurden kontrolliert, weil in bestimmten Zahnfüllungen Quecksilber verarbeitet wird. „Die Amalgam-Abscheider arbeiten jedoch alle einwandfrei.“ Nach Krauses Worten gibt es keine Erklärung für das Schwermetall im Klärschlamm. Ist dessen Konzentration aber zu hoch, so muss der Klärschlamm „thermisch behandelt“, also verbrannt werden. Das aber sei etwa viermal teurer, als das Ausbringen auf den Feldern, rechnet Lutz Nieke vor.

Im nächsten Jahr könnte es noch härter kommen: „Der Gesetzgeber fordert ab 2017 die komplette Verbrennung von Klärschlamm“, sagt der Werkleiter. Grund seien Polymere, die beim Trocknen verwendet und später nicht abgebaut würden. „Zurzeit bringen wir rund 80 Prozent auf die Felder.“ Durch die so genannte „thermische Verwertung“ rechnet er mit Mehrkosten von 700 000 bis zu einer Million Euro im Jahr. Die natürlich auch auf den Verbraucher umgelegt werden müssten.

Etwa sechs Millionen Kubikmeter Abwasser durchfließen die Kläranlage in Wüstmark jedes Jahr, etwa eine Million davon stammen aus dem Umland. Drei Reinigungsstufen gibt es mittlerweile. Seit ihrem Baujahr 1974 wurde die Schweriner Kläranlage laufend modernisiert und erweitert. Das Wasser läuft am Ende in Badewasserqualität aus dem letzten Rundbecken in die Sude, weiter in die Elbe und so schließlich in die Nordsee.

Was Lutz Nieke gern hervorhebt: Der Geruch in auf seiner Anlage ist erträglich. „Emissionsfrei“ könne man sie aber nicht betreiben, betont er immer wieder, und eine gewisse Geruchsbelästigung sehe auch die Betriebsgenehmigung vor. „Am liebsten würde ich die Anlage natürlich überdachen“, sagt er lächelnd und spielt auf Anwohnerbeschwerden aus Wüstmark oder Vossens Tannen an. Vor einigen Jahren wurden die Proteste so stark, dass die einzelnen Abläufe auf der Anlage komplett überprüft und einiges geändert wurde. Das beginnt bei strikt geschlossenen Türen, geht weiter über Unterdruckmessungen und endet beim regelmäßigen Austausch des Biofilters, so Nieke. Außerdem wurde eine Beschwerde-Hotline eingerichtet, die anfangs auch eifrig Anrufer zählte. „Das sind heute deutlich weniger geworden“, sagt Nieke.


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