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Stadtvertreter stimmen auf Sondersitzung dem neuen Theatermodell : Schwerin spannt den Rettungsschirm

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So viel Einmütigkeit in der Stadtvertretung wie gestern Abend auf der Sondersitzung zur Theaterrettung gab es selten. Ohne Gegenstimme wurde ein Beschluss zur Neustrukturierung gefasst.

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erstellt am 27.Aug.2013 | 07:29 Uhr

Altstadt | So viel Einmütigkeit in der Stadtvertretung wie gestern Abend auf der Sondersitzung zur Theaterrettung gab es selten in Schwerin: Ohne Gegenstimme wurde ein Beschluss zur Neustrukturierung des Theaters als "Staatstheater Mecklenburg" gefasst. Er sieht im Kern vor, dass die Landeshauptstadt das Angebot des Landes für die Neustrukturierung der Theater- und Orchesterlandschaft in Mecklenburg annimmt und dem Modell "Staatstheater Mecklenburg" zustimmt, das eine künftige Landesbeteiligung, aber auch Stellenabbau und Lohnverzicht vorsieht.

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow hatte zunächst den langen und mühevollen Weg der Stadt für den Erhalt des Theaters als Leuchtturm der Schweriner Kulturlandschaft und der Region nachgezeichnet. "Das jetzt vorliegende Angebot des Landes bietet uns die Chance für den Erhalt des Theaters und seiner künstlerischen Qualität", warb sie für die Vorlage der Verwaltung. Sie räumte ein, dass mit dem Beschluss ein mühevoller Prozess mit schmerzlichen Einschnitten in Gang gesetzt werde und die vorliegende Lösung auch Risiken und Unwägbarkeiten berge, es aber unte r den gegenwärtigen Bedingungen keine vernünftige Alternative gäbe.

Das sahen die Vertreter aller Fraktionen genauso. "Wir werden diesem Beschluss zustimmen, weil wir ein klares politisches Signal für unser Theater brauchen", sagte Gerd Böttger, Fraktionschef der Linken. "Wir dürfen uns diesen Leuchtturm nicht kaputtsparen lassen", appellierte er. Böttger erklärte, dass Mitglieder seiner Fraktion den geplanten Stellenabbau und die Lohnkürzungen kritisch sehen, fasste aber zusammen, dass nur auf diesem Weg die betriebsbedingte Kündigung von 79 Mitarbeitern verhindert werden könne.

Der Vorsitzende der Fraktion SPD-Grüne, Daniel Meslien, erinnerte daran, dass das vorliegende Angebot des Landes viele Punkte enthalte, die noch vor einem Jahr auf der Wunschliste seiner Partei zu finden waren. Nun biete sich die Chance, dass sie erfüllt werden. "Das gemeinsame Handeln aller Fraktionen und der Verwaltung für unser Mecklenburgisches Staatstheater hat das Land offensichtlich beeindruckt. Lasst uns jetzt diesen Weg gemeinsam fortsetzen", sagte Meslien.

Stadtpräsident Stephan Nolte, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Theater gGmbH, ergriff für die CDU-Fraktion das Wort. "Dieses Konzept ist eine Chance für die gesamte Region. Es ist bedauerlich, dass gerade im Jubiläumsjahr der Staatskapelle über Stellenabbau und Lohnverzicht gesprochen werden muss, aber ein gutes B-Orchester ist besser als die Insolvenz des Theaters", sagte Nolte. Auch er appellierte an die Stadtvertretung: "Die Perspektiven liegen auf dem Tisch. Stimmen wir also für Kulturerhalt für die ganze Region."

Silvio Horn, Fraktionschef der Unabhängigen Bürger, erinnerte an den langen Kampf der Stadt für das Theater und bewertete die angekündigte Landesbeteiligung am Staatstheater Mecklenburg und die Dynamisierung der Zuschüsse als riesigen Erfolg. "Das vorliegende Modell ist ungeachtet aller Bedenken eine große Chance, und zwar für ganz Westmecklenburg, weil es eine Lösung ist, die in der Region bleibt."

Mit der nun vorliegenden Zustimmung der Stadtvertretung - bei vier Stimmenthaltungen - ist der Weg frei für die Soforthilfe des Landes in Millionenhöhe. Allerdings muss die Gesellschafterversammlung der Theater gGmbH auch sofort damit beginnen, die geforderten Konsolidierungsmaßnahmen einzuleiten. Dazu gehören vor allem Gespräche mit den Gewerkschaften und mit den Umlandkreisen.

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