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Wenig Geld, viel Spielraum : Schwerin sorgt im Radverkehr für Vorankommen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie auch wenig Geld viel Spielraum für mehr Fahrradfreundlichkeit gibt

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Obgleich Schwerins Stadtkasse kaum finanzielle Spielräume für den Ausbau von Radwegen hergibt, will das Amt für Verkehrsmanagement drei lang erwartete Projekte umsetzen: den Obotritenring sowie die Lübecker Straße beidseitig mit Fahrradschutzstreifen versehen und den Bau des Radweges am Ziegelaußensee beginnen. Für Letzteren sollen jetzt die Aufträge ausgeschrieben werden. Das teilte die Verwaltung bei der jüngsten Sitzung des Fahrradforums mit. Unterdessen schauen sich die Drahteselfreunde auch nach günstigen Alternativen um, die Schwerin trotz seines klammen Geldbeutels fahrradfreundlicher gestalten würden.

Eine fahrradfreundliche Stadt bestünde aus mehr als einem gut ausgebauten Radwegenetz, gezielt könne sie auch mit wenig Geld viel erreichen – „abhängig von den Zielen, die sich die Stadt gesetzt hat“, stellt Bernd Sievers, Referent für Radverkehr im Energieministerium, klar. Sein Fachgebiet ist „alles, was nicht mit Radwegebau zu tun hat“, wie er es selbst beschreibt. In Schwerin gebe es noch viel ungenutzten Spielraum. Der Referent gibt ein Beispiel dafür, was die Stadt mit 50 000 Euro vergleichsweise alles erreichen kann: etwa 100 bis 300 Meter Radweg bauen, drei bis fünf Radstraßen ausbauen, zehn Kilometer Radstreifen auf Fahrbahnen kennzeichnen, 600 Radbügel aufstellen oder auch 35 Kilometer Radnetz als Leitsystem ausschildern.

Wo die Landeshauptstadt mit wenig Geld viel erreicht hat, ist der Marienplatz. Dort stehen mittlerweile viele Fahrradbügel, an denen Schweriner ihre Räder anschließen. An dieser Stelle wird laut Sievers sichtbar, dass viele Schweriner ihr Fahrrad nutzen. Kiel habe diesen Lernprozess schon durch. In der Hafenstadt seien mehrere Fahrradbügel aufgestellt worden, die anfangs weniger aber inzwischen immer mehr genutzt würden. Solch eine einfache Maßnahme wie Fahrradbügel animiere unterbewusst auch andere, sich einmal öfter auf den Fahrradsattel zu schwingen. „Auf diesem Gebiet kann Schwerin noch mehr tun und mehr Radbügel installieren“, sagt er. Weiterhin gehe es darum, Schweriner für das Fahrrad zu gewinnen, vor allem für die kurzen Wege zur Arbeit, zur Schule und zum Einkauf. Die vorhandenen Supermarktstrukturen seien zum Teil vor allem für Einkaufsfahrten mit dem Auto ausgelegt. „Nebenbei ist auch erwiesen, dass Radfahrer als Werbekunden über Plakate viel besser erreichbar sind, weil sie öfter die gleichen Wege fahren und langsamer unterwegs sind“, so Sievers.

Er nannte noch eine Reihe von Maßnahmen, mit denen die Stadt außerhalb des Radwegebaus für ein besseres Vorankommen für Pedalritter sorgen kann. So könnte die Stadt die Busspur in der Stellingstraße für den Radverkehr freigeben, Einbahnstraßen generell für Radler öffnen und noch mehr Tempo-30-Zonen einrichten. Mobile Abstellanlagen für Fahrräder bei Großveranstaltungen könnten auch die Parksituation verbessern. Viel könne aber auch über die Verwaltungsstruktur einer Stadt erreicht werden, wie den Radverkehr besser im Gemeindeentwicklungskonzept oder in Vorgaben für Bebauungspläne zu berücksichtigen, erklärt Sievers.

 

 

 

 

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