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Puschkinstraße: Hochgiftiges Chrom 6 auf Galvanik-Gelände : Schwerin sichert verseuchten Boden

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Tief im Untergrund schlummert die Gefahr. Der Boden ist in zwei Metern Tiefe mit dem hochgiftigen Chrom 6 verseucht. Das Erbe aus Nachkriegszeiten erreicht unter Umständen die grundwasserführenden Schichten.

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2011 | 04:14 Uhr

Altstadt | Tief im Untergrund zwischen Puschkin- und Münzstraße schlummert die Gefahr. Der Boden ist in zwei Metern Tiefe mit dem hochgiftigen Chrom 6 verseucht. Das Erbe aus Nachkriegszeiten erreicht nach Angaben der Stadtverwaltung unter Umständen die grundwasserführenden Schichten. Hinter einer Bäckerei war in der Puschkinstraße der VEB Galvanik angesiedelt und bis zur Wende in Betrieb. Seitdem wusch der Regen das Chrom 6 aus der oberen Bodenschicht und spülte das Gift fast bis ins Grundwasser. Jetzt hat die Stadt den kontaminierten Grund auf einer Fläche von knapp 500 Quadratmeter versiegelt. "Mit Folie halten wir das Regenwasser vom Boden fern und hindern die Giftstoffe am Weiterwandern", sagt Carola Nitz, Leiterin des Schweriner Umweltamtes.

Unterdessen arbeiten Ingenieure an einer Möglichkeit, den kontaminierten Boden zu "sanieren", wie es Nitz nennt. In einer Variante wird das Erdreich komplett aufgehoben und entsorgt. In einer anderen das Grundwasser durch eine Reinigungsanlage gepumpt und gesäubert. Die Landeshauptstadt will möglichst noch in diesem Jahr mit der Säuberung beginnen. Die Kosten belaufen sich nach einer Schätzung von Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff auf etwa eine halbe Million Euro.

In der Galvanotechnik und in Holzschutzmitteln war das eigentlich hochgiftige Chrom 6 gängig. Bereits 0,6 Gramm des so genannten Chrom(VI)-oxids können giftig sein. Es gilt als erbgutverändernd und krebserregend.

"Wir befinden uns auf dem Gelände glücklicherweise in keiner Trinkwasserschutzzone", erklärt Nitz. Das heißt, das Grundwasser wird nicht ins Schweriner Trinkwassersystem gepumpt, aber ständig überwacht. Zwar muss sich laut Nitz niemand wegen der Kontaminierung Sorgen machen, dennoch sei die Lage nicht zu unterschätzen. Anlieger, die ohne Genehmigung Brauchwasser aus dem Grund pumpen, um damit beispielsweise ihre Pflanzen zu gießen, "sollten das sofort unterlassen", so die Amtsleiterin. Niemand wisse genau, wie hoch die Restkontamination sei. "Eine direkte Gesundheitsgefährdung des Menschen ist von diesem Gebiet aber nie ausgegangen", sagt sie weiter. Dann würde die Stadt zu ganz anderen Maßnahmen greifen.

Dass Gift durch das Erdreich sickerte, war in Schwerin schon länger bekannt. Warum sich die Stadt erst jetzt um die Sanierung des verseuchten Gebietes bemüht, lag wohl an dem Vorbesitzer des damaligen Privatgrundstücks. Laut Friedersdorff war der Eigentümer insolvent, konnte sich eine so teure Säuberungsaktion nicht leisten. Kurzerhand kaufte ihm die Landeshauptstadt das Grundstück ab, um selbst tätig zu werden. Nach ersten Untersuchungen im Jahr 2008 ließ Schwerin die Gebäude abreißen, die alten Leitungen aus dem Boden nehmen und sonderentsorgen. Jetzt müssen noch die restlichen Gifte aus dem Untergrund geholt werden.

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