Schweriner Einzelhandel : Schwerin: Shopping-Welt im Wandel

Verlässt das Schlosspark-Center: Mit dem Real-Markt geht ein Großmieter verloren. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht. 2018 laufen viele weitere Mietverträge aus. Fotos: Reinhard Klawitter
Verlässt das Schlosspark-Center: Mit dem Real-Markt geht ein Großmieter verloren. Jetzt wird ein Nachfolger gesucht. 2018 laufen viele weitere Mietverträge aus. Fotos: Reinhard Klawitter

Internet und Outlet-Center machen dem Einzelhandel in Schwerin zu schaffen: Läden mit größerem Spaßfaktor sollen gegensteuern

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16. März 2016, 05:00 Uhr

Stehen bald mehr Läden in der Innenstadt leer, weil wir lieber im Internet kaufen? Könnte ein Outlet-Center in Wittenburg wichtige Kaufkraft aus Schwerin abziehen? Ja, meinen heimische Wirtschaftsexperten. Aber sie haben auch Gegenentwürfe: Shopping als Freizeiterlebnis für alle Sinne, heißt das eine. Luxustourismus aus China ist ein anderer, exotischerer Ansatz. Wirtschaftsdezernent, IHK-Vertreter, Einzelhändler und Kommunalpolitiker trafen sich zum Gedankenaustausch.

Mit einer Leerstandsquote von etwa sechs Prozent, rund 100 000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche, mehreren Parkhäusern und einer Kaufkraftkennziffer von 137 liegt die Schweriner Innenstadt bundesweit gut im Rennen. Doch diese Momentaufnahme ist kein Garant für die Zukunft. „Selbst Unternehmen, die vor fünf Jahren top waren, fangen plötzlich an sich zu konsolidieren“, sagt Schlosspark-Centermanager Klaus Banner. Zu gut Deutsch: Große Händler schließen Filialen. Das werde auch in Schwerin passieren, prognostiziert der Markt-Kenner. Allein 2018 laufen im Schlosspark-Center 70 Mietverträge aus. Wer wird verlängern? „Wenn wir einem europäischen Player unser Center vorstellen, sagt der meistens: ,Schwerin? Wo ist das?’ Denn auf seinen Karten sind nur Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern verzeichnet“, erklärt Banner.

Aktuell sucht das Schlosspark-Center einen Nachmieter für Realkauf. Klaus Banner könnte sich an dieser Stelle sogar den Sportartikelhersteller Decathlon vorstellen – für den ja eigentlich eine Fläche im Fachmarktzentrum Am Haselholz vorgesehen ist. Banner: „Decathlon macht jetzt auch kleinere Shops, in denen man einiges ansehen und ausprobieren, aber alles bestellen kann.“

Die benachbarte Marienplatzgalerie verliert mit Medimax in Kürze ebenfalls einen Großmieter. Für die 1600 Quadratmeter Fläche gäbe es „ernsthafte Gespräche in verschiedene Richtungen“, sagt Centermanager Henner Schacht. „Dabei muss hier nicht unbedingt Einzelhandel rein, wir könnten uns auch Dienstleistung vorstellen.“ Aber: Vorübergehend werde es auf jeden Fall einen Leerstand geben.

Der Leerstand in den Altstadtgassen sei in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich durch den Gründerwettbewerb bekämpft worden, befanden die Diskussionsteilnehmer. Tuscherei oder das Kreativkaufhaus setzen schon jetzt eine der Zukunftsvisionen um: Hier kauft der Kunde nicht nur ein, sondern gestaltet selbst, kann nebenbei Kaffee trinken, sich neue Anregungen suchen oder sogar selbst Waren zum Verkauf anbieten

Während die Schweriner den Outlet-Ideen in Wittenburg kritisch gegenüber stehen – dort werden großteils dieselben Labels angeboten wie in Schwerin, nur günstiger aus der Vorjahreskollektion –, sind sie von der Parchimer Luxus-Design-Outlet-Idee begeistert. Die richtet sich vor allem an Asiaten. „Es gibt zurzeit tatsächlich einen Einkaufstourismus von China nach Europa, um hier die Originale von Prada, Chanel und Co. einzukaufen“, sagt Klaus Banner. „In Asien selbst kursieren viele Fälschungen, die Reichen wollen in Europa sicher gehen. In kürzester Zeit geben sie viel Geld aus.“ Und dass sie sich bei einer mehrtägigen Shopping-Tour auch das Schweriner Residenzensemble ansehen, halten Tourismus-Experten für wahrscheinlich.

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