Flüchtlinge : Schwerin richtet Notunterkunft ein

Protest vor der Unterkunft: OB Angelika Gramkow stellte sich am Abend dem Gespräch mit Demonstranten.
Protest vor der Unterkunft: OB Angelika Gramkow stellte sich am Abend dem Gespräch mit Demonstranten.

Stadt schafft 150 Plätze für Flüchtlinge in ehemaliger Comeniusschule. Oberbürgermeisterin weist Protest zurück: „Wir helfen Menschen in Not“

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12. September 2015, 08:00 Uhr

Angesichts überfüllter Flüchtlingsunterkünfte im Land setzt Schwerin ein Zeichen: Die Stadt hat in der ehemaligen Comeniusschule in Lankow am Freitag eine Notunterkunft für Asylbewerber eingerichtet. „Wir entsprechen damit einer dringenden Bitte des Landes“, sagte Sozialdezernent Andreas Ruhl. Rund 150 Plätze stehen in dem Gebäude zur Verfügung. Am Abend protestierten etwa 70 Bürger gegen die Unterkunft, die von zahlreichen Polizisten gesichert wurde. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow stellte sich den Demonstranten. „Wir helfen Menschen in Not“, betonte sie.

Wann die ersten Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in Horst oder Stern Buchholz in der Ratzeburger Straße eintreffen, war zunächst unklar. Erst am Abend erfuhr die Stadtspitze, dass auch in der Nacht keine Asylbewerber mehr zu erwarten waren. Die Klassenzimmer des alten Schulgebäudes wurden mit Feldbetten provisorisch möbliert, die Wasserversorgung wieder hergerichtet und das Haus gereinigt.

Die Stadt habe sich bewusst für das leer stehende Objekt entschieden, erklärte Ruhl. „Wir wollen die Flüchtlinge auf keinen Fall in Turnhallen unterbringen.“ Nach Angaben des Dezernenten ist das Deutsche Rote Kreuz darauf vorbereitet, mit ehrenamtlichen Helfern die Betreuung und Verpflegung vor Ort sicherzustellen. Bei der medizinischen Versorgung würden das Gesundheitsamt der Stadt und der Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr helfen.

Weiterhin groß ist die Hilfsbereitschaft bei vielen Schwerinern. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz trafen in den vergangenen Tagen so zahlreiche Kleiderspenden ein, dass Leiter Heiko Stroth von den Maltesern die Bürger bittet, in den kommenden zwei Wochen von Spenden abzusehen. „Wir müssen die Bekleidung jetzt erst einmal sortieren“, sagte gestern Stroth, der sich ausdrücklich für die große Unterstützung aus der Bevölkerung bedankte. Ehrenamtliche Helfer könnten sich am Montag von 7 Uhr an unter Telefon 0171-2029811 wieder in der Erstaufnahmeeinrichtung melden.

Auch die Schweriner Bahnhofsmission nimmt vorerst keine Sachspenden mehr entgegen. „Wir haben nur eine geringe Lagerkapazität“, berichtete Mitarbeiterin Diana Schnäckel. Von Ende nächster Woche an könnten jedoch wieder Spenden abgegeben werden. Gebraucht würden stilles Wasser, Malzeug, Plüschtiere und kleine Snacks wie Schokoriegel und Butterkekse, so Schnäckel.

Beim DRK werden nach wie vor Sachspenden entgegengenommen. Wie der Bedarf in den Kleiderkammern sei, könne an den einzelnen Standorten erfragt werden, heißt es auf SVZ-Anfrage.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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