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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 10:35 Uhr

Schwerin ist Pendler-Versuchslabor

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erstellt am 16.Apr.2012 | 07:32 Uhr

Schwerin | Die Landeshauptstadt wird zum Versuchslabor. Auto, Fahrrad, Bus oder Bahn - mit welchem Verkehrsmittel kommen Schweriner am schnellsten, kostengünstigsten und umweltfreundlichsten von Friedrichsthal zum Markt? Das zehntägige Bundes-Modellprojekt "Schweriner Versuch" ermittelt erstmalig nach wissenschaftlichen Standards verschiedenste Arten des Pendelns zwischen Wohn- und Arbeitsstätte. Und es gibt noch eine Premiere: Das Projekt bindet erstmalig Elektro-Fahrrad, -Motorroller und -Auto ein.

"Die Ergebnisse werden detailliert ausgewertet und sollen im Idealfall neutral auf alle deutschen Städte übertragen werden können", sagt Professor Udo Unnen-Weber von der Hochschule Wismar. Weniger private, eher öffentliche Belange und damit Parameter für Streckenoptimierungen mit Radwegen, Parkplatz- und Nahverkehrsangeboten stünden bei dem Versuch im Vordergrund. Als deutsche Durchschnittsstadt mit knapp 100 000 Einwohnern und etwa 48 000 Arbeitsplätzen erfüllt Schwerin alle Voraussetzungen als Teststadt für das Modellprojekt, wie Unnen-Weber erklärt. Wegen der deutschlandweiten Relevanz des "Schweriner Versuchs" übernimmt das Bundesverkehrsministerium die vollen Kosten in Höhe von 57 000 Euro.

Die Schweriner Versuchsstrecke ist etwa neun Kilometer lang. Die Probanden legen die Teststrecke einmal morgens und einmal abends zurück. "Neutral" betrachtet, könnte diese Strecke Professor Unnen-Weber zufolge durch jede beliebige deutsche Stadt verlaufen: Friedrichsthal als weit von der Innenstadt entfernt liegende Randsiedlungen und eine City mit engen Straßen und wenig Parkraum. "Zudem sind wir eine Pendlerstadt: 25 000 Menschen fahren täglich aus dem Umland nach Schwerin zur Arbeit", sagt Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff.

Einer der neun Testpendler im Alter zwischen 20 und 60 Jahren ist Bernd Sievers. Gestern war er mit dem Elektro-Fahrrad unterwegs. Zu seiner Ausrüstung für die kommenden Werktage bis zum 27. April zählt zudem: ein Armband, das Puls, Stresswerte und Bewegung aufzeichnet, ein GPS-Empfänger und eine Kamera, die den Weg aufzeichnet und die Einhaltung der Verkehrsregeln überwacht. Zeit, Länge des Weges, Verkehrsaufkommen, Energieverbrauch, Kohlendioxidausstoß sowie Gesundheitswerte wie Kalorienverbrauch und Herzfrequenz - alle Komponenten werden in der Endauswertung berücksichtigt. Sievers kam mit dem Elektro-Rad gestern als Zweiter am Markt an, nach dem "konventionellen" Fahrradfahrer. "Gegen ihn hatte ich keine Chance, denn er fährt hauptberuflich Rikscha und ist Tubabläser", sagt er. Die Motorroller und Autos waren im Stau auf dem Obotritenring aufgehalten worden.

"Weil sich die Testpersonen erst einmal an die Strecke gewöhnen müssen, werten wir erst vom dritten Tag an, wenn sich die Probanden auf der Strecke zu Hause fühlen", erklärt Unnen-Weber. Die reine Versuchsreihe ist am 27. April abgeschlossen. Dann werden die Daten an der Hochschule in Wismar ausgewertet. Dabei helfen Experten des Tüv. "Wir vergleichen unter anderem den Energieverbrauch der einzelnen Fortbewegungsmittel", erklärt Christian Förster vom Tüv Nord. Vollständige Studienresultate werden dem Berliner Verkehrsministerium voraussichtlich im Juni vorgestellt. "Ich bin schon gespannt auf die Ergebnisse des Versuchs", sagte Landes-Infrastrukturminister Volker Schlotmann. Teil der Präsentation wird ein zehnminütiger Film sein.

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