Bewerbung Unesco-Welterbe : „Schwerin ist einmalig“

Das Schweriner Residenzensemble ist einzigartig und soll deswegen Weltkulturerbe werden.
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Das Schweriner Residenzensemble ist einzigartig und soll deswegen Weltkulturerbe werden.

Welterbe-Professor Arnd Florian Hennemeyer hat Forschungen zum Residenzensemble begonnen

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07. März 2018, 05:00 Uhr

Er hat seinen Lehrstuhl an der Hochschule in Wismar, wohnt aber in Schwerin am Pfaffenteich. Dr. Arnd Florian Hennemeyer ist der neue „Welterbe-Professor“.

Hennemeyer kommt von der renommierten ETH in Zürich, hat dort als Oberassistent das 19. Jahrhundert erforscht, also den Zeitraum, in dem die wichtigsten Bauten des Schweriner Residenzensembles entstanden sind. „Mir war die Bedeutung des Schlosses und der dazu gehörenden Bauten bisher gar nicht bewusst“, sagt Hennemeyer.

Bisher, so der Professor, sei der Forschungsansatz vor allem die Personengeschichte gewesen. „Das ist sehr außergewöhnlich, damit kann man international aber nicht punkten.“

Der Professor hält es heute für einen Vorteil, dass die Residenzstadt seit dem 30-jährigen Krieg nie einen richtigen Wirtschaftsaufschwung, keine Industrialisierung erlebt hat. „Mit Beginn des Historismus gab es einen Boom, der danach wieder abebbte. Und Kriegszerstörungen gab es kaum“, so Arnd Florian Hennemeyer. „Hier ist eine Residenzstadt recht gut konserviert. Das ist weltweit ziemlich einmalig.“ Damit sei das Residenzensemble ein „gutes Beispiel als Vertreter der Epoche.“ Und die Unesco achte darauf, dass aus allen Regionen der Welt Beispiele jeder Epoche auf die Welterbeliste kämen. „Es gibt Objekte, die gehören zweifellos auf die Liste. Die Pyramiden zum Beispiel. Bei anderen Objekten stellt sich mit fortschreitender Forschung heraus, dass sie anfangs überschätzt wurden.“ Hennemeyer hält die Forschung zu Schwerin für noch sehr lückenhaft. „Je mehr jetzt dazu kommt, um so spannender wird es.“

Das bringe aber auch die Aufgabe mit sich, das gute Stadtbild, so wie es heute ist, zu erhalten. „Hochhäuser, die aus der Altstadt heraus ragen, dürfen nicht gebaut werden.“ Der bestehende Denkmalschutz müsse unbedingt eingehalten werden.

Auf die Frage, was denn nun zum Residenzensemble zählen und damit in den Welterbeantrag aufgenommen werden soll, kommt von Arnd Florian Hennemeyer keine klare Abgrenzung. Seiner Meinung nach darf der Antrag nicht zu weit gefasst werden. So sollten die Schlösser Wiligrad und Raben Steinfeld nicht in der Kern-, bestimmt aber in der Pufferzone liegen.

Ein großes Problem sieht Hennemeyer aber für Schwerin. „Die Stadt und das Ensemble rund um das Schloss sind international kaum bekannt.“ Schwerin müsse wenigstens erst einmal auf dem „Parkett der westlichen Welt“ ankommen. Darin sieht der Professor ein wichtiges Aufgabenfeld für sich.

Für seine Arbeit empfindet Hennemeyer es als Vorteil, dass er nicht aus Schwerin kommt. „Ich habe den Blick von außen und stecke nicht in lokalen Diskussionen.“

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