Farb-Kunst : Schwerin ist eher grün

So sieht das Schwerin-Bild nach Überlagerung und digitaler Bearbeitung aus. 80 Passanten haben daran mitgewirkt.
So sieht das Schwerin-Bild nach Überlagerung und digitaler Bearbeitung aus. 80 Passanten haben daran mitgewirkt.

Künstler Patrick Timm hat schon von Tokio bis Berlin mit seinen Wärmebildern die Emotionen der Städte eingefangen und dokumentiert

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20. November 2014, 12:00 Uhr

„Mit welcher Farbe verbinden Sie Schwerin?“, fragt der deutsche Künstler Patrick Timm die Passanten. Zur Auswahl bietet er zwölf Buntstifte an. Man wählt nur einen und schraffiert ein Stück des weißen Kartons. Die bemalten Kartons von 80 Befragten – die Zahl wurde aus dem Roman „Reise um die Erde in 80 Tagen“ von Jules Verne übernommen – werden später digital übereinander gelegt, um ein gemeinsames Bild zu erhalten. Das Kunstprojekt „Wärmebilder“ ist vor fast zehn Jahren im russischen Sankt Petersburg entstanden. Da hat der junge Künstler während eines Gastsemesters seine erste Befragung durchgeführt. Er wollte mit objektiven Mitteln die subjektiven Auffassungen der Stadt umschreiben.

36 Städte in 19 Ländern wurden während des Projekts schon kartiert. Darunter sind Reykjavík, Ulan-Bator, Sydney, Tokio, Belgrad und auch sechs deutsche Städte: Berlin, München, Stuttgart, Hamburg, Elmshorn und Leipzig. Die Befragung in Schwerin erfolgt zu zweit – durch den deutschen Künstler und die russische Journalistin Elena Korkina.

„Mit welcher Farbe verbindest du Schwerin?“, fragt mich Patrick und sagt, dass ein in der Stadt verbrachter Monat mir das Recht gibt, an der Befragung teilzunehmen. Ach so? Dann Gelb.

„Ich bin doch kein Kind mehr“, merkt der Mann an der Cafétheke an, aber dann schraffiert er doch mit dem Rotstift fleißig seinen Zettel. „Darf ich auch schreiben?“, fragt die hübsche Dame. Nach einem „sicher“ notiert sie sorgfältig ebenfalls mit dem roten Stift „Schwerin“.

Bereits 45 Zeichnungen sind gesammelt. Die Schweriner machen „total freundlich“ mit, berichtet Künstler Patrick Timm erfreut. „Blau, denn es gibt sieben Seen. Und grün, weil Schwerin so grün ist“, erklären drei Kinder. Das habe ihre Lehrerin so gesagt hat.

„Für die letzte Karte haben wir nach jemandem besonders netten gesucht“, sagt Patrick zu der Dame mit dem freundlichen Hund. Sie lächelt und erfüllt die Bitte gerne. Es ist die 80. Zeichnung, die wir in der Landeshauptstadt Schwerin eingesammelt haben. Fünf Minuten später finde ich aber noch einen unbemalten Karton und reiche ihn dem Künstler. „Ich habe das selbst nie gemacht“, ziert sich Timm. Dann nimmt er dennoch einen Stift. Premiere in Schwerin. Der Buntstift ist orangefarben.

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