Bundesgartenschau in MV : Schwerin erhält Zuschlag für zweite Buga

Rund 1,9 Millionen Besucher kamen in die „Sieben Gärten mittendrin“ der Buga 2009. Dieser Erfolg soll mit einem völlig anderen Konzept noch einmal gelingen.
Rund 1,9 Millionen Besucher kamen in die „Sieben Gärten mittendrin“ der Buga 2009. Dieser Erfolg soll mit einem völlig anderen Konzept noch einmal gelingen.

Gartenschau-Gesellschaft gibt Zuschlag für 2025 nach Schwerin. Jetzt sind die Bürger gefragt, ob das Projekt realisiert werden soll.

svz.de von
08. Dezember 2016, 16:45 Uhr

Die größte Hürde auf dem Weg zu einer zweiten Bundesgartenschau ist genommen: Die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft hat gestern Schwerin den Zuschlag für die Durchführung einer Buga im Jahr 2025 erteilt.  „Es ist ein tolles Signal, dass die  Bundesgartenschau-Gesellschaft uns eine zweite Buga zutraut. Nun gilt es, zusammen mit dem Land die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Gleichzeitig werden wir, wie versprochen, eine gute Bürgerbeteiligung umsetzen“, sagte Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD).

Das Schweriner Konzept, für das das Berliner Landschaftsarchitekten-Büro Sinai eine Machbarkeitsstudie vorlegte, sei eine konsequente Weiterentwicklung der Öffnung der Stadt zum Wasser, heißt es in der Begründung   des  Schwerin -Zuschlags. Durch die „Schwerin-Line“ entlang des  Sees werde zwischen Schloss und Mueß ein touristischer Mehrwert für Stadt und Bürger entstehen, indem vorhandene touristische „Perlen“ ausgebaut und vernetzt werden. Die „Schwerin-Line“ ist als „Uferweg der unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, Bewegungs- und Mobilitätsformen gedacht.  „Einerseits werden die mit der Buga 2009 geschaffenen Strukturen konzeptionell wiederverwendet, andererseits werden gartenhistorische Belange als gedankliche und bauliche Fortführung vom Schloss bis nach Mueß getragen“, erklärt der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft, Jochen Sandner,  der vor sieben Jahren als Schweriner  Buga-Chef die erste Schau hier zum Erfolg geführt hatte. „Es ist eine großartige Idee, mit einem Besucherpfad die verschiedenen Ausstellungen zu verbinden. Zu Fuß, auf dem Fahrrad oder in Elektromobilen könnten die Besucher von einer Station zur nächsten gelangen. Das ist schon ein sehr in die Zukunft gedachtes Konzept.“

Bundesgartenschauen werden seit 1951 alle zwei Jahre in Deutschland veranstaltet. Die erste Buga fand in Hannover statt. Im Zehn-Jahres-Rhythmus wird die Veranstaltung durch eine Internationale Gartenbauausstellung (Iga) ersetzt. Insgesamt strömten zu diesen Blumenfesten nach Angaben der Deutschen Bundesgartenschau- Gesellschaft mbH (DBG) in Bonn mehr als 140 Millionen Besucher. Im Laufe der Jahre wurden die Vorbereitungen der Schauen immer stärker zur Stadt- und Landschaftsentwicklung genutzt. So wurden 2007 in Gera und Ronneburg Halden aus dem Uran-Bergbau rekultiviert.  In Hamburg war der Park „Planten un Blomen“ dreimal Zentrum einer Iga (1953, 1963, 1973). Insgesamt wurden die Blumenschauen in über 20 Städten ausgerichtet. Nur in den Ländern Bremen, Saarland, Sachsen und Schleswig-Holstein gab es noch keines der beiden Feste. Die meisten Menschen kamen 1983 nach München: elf Millionen. Das größte Buga-Gelände wurde 1981 mit 235 Hektar in Kassel angelegt. Wer eine Buga ausrichten darf, entscheidet die DBG. 2017 findet eine Iga in Berlin statt.

Auch Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau, zeigt sich mit dem Zuschlag zufrieden: „Die Umsetzung des Leitthemas  bietet Gärtnern und Garten-Landschaftsarchitekten Herausforderungen, die grüne Infrastruktur der Stadt zu erneuern und für Generationen zu erweitern. Hier wird der grüne Berufsstand beweisen, welche Rolle in Zukunft innovativ gestaltetes Grün  spielen wird.“

Und wie verändern sich die Standorte? Die neue Bundesgartenschau in der landeshauptstadt  soll den Schloss- und Küchengarten, den Zoo und das Freilichtmuseum Mueß ganz neu erlebbar machen. Zudem könnte die per Schiff erreichbare Insel Kaninchenwerder einbezogen werden. Und aus dem Schweriner Zoo soll ein echter Zoologischer Landschaftsgarten werden – mit vergrößerter Fläche.

Die Stadtvertreter haben für dieses Zukunftsszenario bereits vorgeplant: Zur Bundestagswahl im September sollen die Schweriner sagen, ob sie die zweite Bundesgartenschau haben wollen oder nicht. Im Falle der Zustimmung muss die Stadt den Vertrag über die Durchführung der Buga schließen.  Ab dann werden auch Lizenzgebühren fällig. Für die Buga 2009 zahlte die Stadt insgesamt mehr als zwei Millionen Euro.   Das ist aber eher Kleingeld im Vergleich zu dem, was die Schau selbst kosten würde. Nach bisherigen Schätzungen könnte eine Buga 2025  rund 78 Millionen Euro kosten. Die Investitionen umfassen etwa 45 Millionen, die Veranstaltung selbst rund 33 Millionen Euro.  Die Größenordnung zeigt: Aus eigener Kraft wird Schwerin das bei seiner ohnehin zerrütteten Finanzlage nicht schaffen können. Fördermittel und die Hilfe des Landes sind notwendig. Bereits zur Bundesgartenschau 2009 hatte die Stadt einen Teil des Geldes, das sie Jahr für Jahr vom Land bekommt, angespart. Dieses Modell könnte wieder angewandt werden. 

Die letzte Bundesgartenschau fand 2015 in der Havelregion statt – und ging mit einem Verlust von 10 Millionen Euro  zu Ende. Grund seien zu geringe Besucherzahlen. Das Minus mussten die beteiligten fünf Kommunen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt ausgleichen.

 

Was blieb von der Buga 2009?

Sie war das größte Volksfest, das Schwerin je  erlebt hat. Sie war das umfangreichste Stadterneuerungsprogramm  der vergangenen 100 Jahre. Sie hat das Gesicht der Landeshauptstadt deutlich verändert. Die Buga in Schwerin wurde am 23. April 2009 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler eröffnet. Die Vorbereitungen hatten schon mehr als zehn Jahren vorher begonnen.   Unter dem Motto „Sieben Gärten mittendrin“ entstand rund um das Schloss eine

Buga auf einer Fläche von 55 Hektar. Während in der Stadt und im Schlossgarten gebaut und gestaltet wurde, gab es auch Ärger. Der BUND ging bis vors Gericht. Die Buga fand mit Auflagen statt. Und immer wieder wurde diskutiert, ob eine solche Großveranstaltung überhaupt stattfinden  soll. Das Geld sei doch besser für Schulen, Kitas und andere Vorhaben eingesetzt.  Doch mit einem geschickten Schachzug der Buga-Geschäftsführung kippte die Stimmung. Weil die Freilichtbühne als Ort der Eröffnungsveranstaltung nur eine sehr begrenzte Zuschauerkapazität hatte, konnten die sieben Gärten am Nachmittag des 23. April 2009 durch alle kostenlos besichtigt werden.  Die Schweriner waren nun begeistert von „ihrer“ Bundesgartenschau.

Begleitet wurde die Gartenschau von einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm und einer Kunstausstellung. Auf mehreren Bühnen zeigten   Musikschulen ihr Können, die französische Sängerin   Patricia Kaas trat auf. Der  Circus Roncalli begeisterte das Publikum ebenso wie die „Colors of Nature – Klangfarben der Natur“.

Das Areal rund um das Schloss hat sich durch die Buga dauerhaft verändert.  Die Werderstraße wurde saniert, ebenso die Graf-Schack-Allee. Die Schlosspromenade wurde gebaut. Der Bertha-Klingberg-Platz und der Platz am Beutel entstanden neu. Der Schlossgarten bekam sein historisches Aussehen zurück,  auch sein südlicher Teil. Der Burggarten erstrahlte in neuem, alten Glanz. Die Schlossfassade war 2009 erstmals seit vielen Jahren wieder ohne Gerüste zu erleben. Und in neue Domizile von Sportvereinen flossen Millionen. Nach der Buga wurde vieles „zurückgebaut“. Der Küchengarten – eine leere Fläche. Die Schwimmende Brücke –  verschwunden. Doch die Investitionen bleiben und werden gut angenommen.

Die Buga besuchten 1,9 Millionen Gäste. Mehr, als ursprünglich erwartet. Mehr als 14 000 Busse steuerten während der Veranstaltung die Landeshauptstadt an. Die Besucher kamen aus allen Teilen Deutschland und aus dem benachbarten Ausland. Doch nach der Gartenschau stürzten die Gästezahlen für Schwerin wieder auf das Niveau von 2008. Ein normaler Vorgang. gest

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