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aus- und Rückblick : Schwerin braucht noch eine Schule

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow blickt im Gespräch mit SVZ auf das vergangene Jahr und auf die Aufgaben für 2015

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 12:07 Uhr

Im traditionellen Neujahrsgespräch mit unserer Zeitung zeigte sich Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow überzeugt, im Bildungsbereich in Schwerin weiter investieren zu müssen. Der Zuzug junger Familien mache Druck, in der Innenstadt noch einmal über eine weitere Schule inklusive Hortbetreuung nachzudenken. Wie das und weitere Aufgaben angesichts des Sparzwangs gelöst werden können, darüber sprach Redaktionsleiter Timo Weber mit der Verwaltungschefin.

 

„Die Bürger leiden“, „Die Stadt säuft ab“, „Da wird kein Berater was dran ändern können“ – das sagten Sie beim Bilanzgespräch 2013. Jetzt sieht Ihr eigener Plan für 2015 wieder neue Schulden vor und die Streichliste des Beraters steht immer noch. Wie sieht Ihr Fazit für 2014 aus?
Gramkow: Die Finanzsituation bleibt angespannt. Mit 13,6 Millionen Euro verschulden wir uns weiter und werden auch bis 2018 keinen ausgeglichenen Haushalt schaffen. Natürlich haben wir uns mehr vom beratenden Beauftragten erhofft. Deshalb gilt es jetzt umso mehr, gemeinsam mit dem Innenministerium die Konsolidierungsvereinbarung zu unterzeichnen. Denn Schwerin braucht die Mittel aus dem Konsolidierungsfonds. Unabhängig davon sage ich: Unsere Stadt hat sich 2014 gut entwickelt. Die Neuverschuldung ist geringer ausgefallen. Die Einwohnerzahl wächst.

Sie sprachen vor einem Jahr von einem gespannten Verhältnis zwischen Ihnen und der alten Stadtvertretung. Ist es besser geworden mit den neuen Politikern?
Das ist fast die Überraschung des Jahres für mich. Mit der neuen Stadtvertretung macht es Spaß, auch kritische Fragen zu diskutieren. Das ist ein ganz anderes Streitniveau. Verwaltung und Vertretung arbeiten sachorientiert und gemeinsam. Das macht Schwerin auch gegenüber der Landesregierung stark. Ehrlich: Das zurückliegende halbe Jahr hat mir in meiner Amtszeit am meisten Spaß gemacht.

Die gemeinsame Vermarktung Schwerins in der Metropolregion – davon versprechen Sie sich eine Menge. Wie kommt die Stadt da voran?
Wir haben schon eine Menge erreicht. Schwerin ist Teil der neuen Gartenroute, wir engagieren uns in der Tourismuswerbung und in der Vermarktung der Gewerbegebiete und profitieren auch davon. Dass es so gut läuft, haben wir der Kooperationsbereitschaft der Landkreise zu verdanken und der Unterstützung aus Hamburg. Das liegt auch daran, dass alle eingesehen haben, dass Schwerin keine Bedrohung darstellt, sondern ein Partner sein will. Für uns ist aber auch klar: Unter den neuen Mitgliedern der Metropolregion muss Schwerin sein.
Und wie sehen Sie die Entwicklung auf dem Weg zum Welterbe-Status? Von Euphorie in der Stadt kann ja noch keine Rede sein.
Mit dem Sprung auf die deutsche Tentativliste hat Schwerin neuen Schwung bekommen. Aber ich gebe Ihnen recht: Das Feuer der Buga-Zeit ist noch nicht entfacht. Aber wir befinden uns auf gutem Weg, den immer mehr Schwerinerinnen und Schweriner mitgehen. Der Schüler-Malwettbewerb der Stadtwerke zum Thema hatte eine große Resonanz, die Stelle des Welterbe-Managers ist beantragt, der Verein Pro Schwerin treibt die Gründung eines Fördervereins voran und viele kulturelle Veranstaltungen wissen mit dem Thema Weltkulturerbe zu begeistern. Für das neue Jahr wünsche ich mir noch mehr ein Wir-Gefühl wie bei der Buga.
Schwerin hat trotz Sparzwangs 2014 viel investiert. Dennoch bleibt vieles auf der Strecke. Wann wird in der Berufsschule Lankow investiert, wann kommt das Wassersportzentrum Bornhövedstraße und brauchen wir wirklich den Schlossanleger?
Investitionen in die Berufsschule Lankow sind in diesem Jahr vorgesehen und können hoffentlich mit Unterstützung des Landes auch realisiert werden. Beim Thema Bildung stehen auch die Horte für die Heine- und die Friedensschule auf der Prioritätenliste. Für die Entwicklung der Bornhövedstraße brauchen wir dagegen einen privaten Investor. Da arbeiten wir weiter dran. Und wenn wir von wassertouristischer Entwicklung sprechen, dann ist der Schlossanleger unumgänglich. Das gilt auch für den weiteren Hafenausbau auf Kaninchenwerder und einen Anleger in Mueß. Beides wollen wir 2015 schaffen. Wir wollen Gäste auf dem Wasser haben. Und sie müssen mit ihren Booten auch anlegen können.
Megastaus und Megastars – das gab es bei Veranstaltungen am Lambrechtsgrund immer in einem Atemzug. Wie sehen Sie heute das Parkkonzept Weststadt?
Die Parkplatzsituation ist zum Glück nicht so, dass keine Gäste mehr zu den Veranstaltungen im Lambrechtsgrund kommen. Aber ganz klar: Wir verhandeln derzeit mit dem Betreiber, um auf dem Gelände weitere Stellplätze anbieten zu können. Auch das Konzept für die Weststadt steht für 2015 auf unserem Plan. Das war im vergangenen Jahr personell nur nicht mehr leistbar.
Nestle und ProCap – ist der Industriepark Schwerin auf dem Weg, sich diesen Namen zu verdienen?
Seit Anfang 2014 gab es eine positive Entwicklung. Jetzt gibt es im Industriepark hunderte Arbeitsplätze mehr. Darüber freue ich mich sehr. Und wir führen viele interessante Gespräche mit potenziellen Investoren. Uns ist aber auch klar: Wir bieten in Schwerin exzellente Bedingungen, aber wir konkurrieren mit ganz Europa.
Werden Sie die Probleme der Eltern bei der Hortplatz- und der Grundschul-Findung 2015 gelöst haben?
Eigentlich haben wir eine wunderbare Lage: Eltern wählen für ihre Kinder die Innenstadtschulen. Das zeugt auch von der Qualität unserer Bildungseinrichtungen. Das Problem ist nur, dass es wohl auch in diesem Jahr mehr Anmeldungen als Plätze geben wird. Deshalb müssen wir gerade hier die Hortplatz-Frage klären. Erst dann können wir über die Eröffnung neuer Schulklassen nachdenken. Und das wird nötig werden angesichts der Entwicklung neuer Wohngebiete wie den Waisengärten und dem weiter anhaltenden Zuzug junger Familien. Ich bezweifle, dass die Kinderzahlen in den kommenden Jahren zurückgehen werden. Doch schon jetzt gibt es in Schwerin im Prinzip keine freie Kapazität im Grundschulbereich. Hier Lösungen zu finden, wird in diesem Jahr eines unserer wichtigsten Themen.
Das Bürgerbüro hat jetzt schon zwei Schließtage in der Woche. Wie bürgerfreundlich ist Ihre Verwaltung?
Wir haben mit unseren Online-Angeboten die Schließzeit nicht nur kompensiert, sondern zusätzliche Möglichkeiten für die Bevölkerung geschaffen. Schon jetzt bietet die Verwaltung sozusagen ein Homebanking von der Couch aus für Behördengänge an. Das werden wir 2015 weiter ausbauen. Für das so genannte Bürgerkonto haben wir bereits 200 Anmeldungen. Damit lassen sich Vorgänge nachverfolgen und beispielsweise alles rund um die Anwohnerparkkarte erledigen, ohne einen Fuß ins Stadthaus zu setzen.

Zum Schluss, Frau Oberbürgermeisterin: Was passiert mit den Buga-Millionen?
Sie stehen uns 2015 im Haushalt zur Verfügung und wir werden sie für gemeinnützige Zwecke einsetzen. Derzeit reden wir mit den Fraktionen, um zu sehen, wo das Geld konkret eingesetzt werden kann. Ich denke, dass dazu die Stadtvertretung noch in diesem Monat eine Entscheidung trifft. Persönlich könnte ich mir vorstellen, dass wir das Kapital der Bürgerstiftung noch einmal aufstocken.



 

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