Investor gesucht : Schwerin bietet Perzina-Haus an

Die Stadtbibliothek hat den Perzina-Saal längst verlassen. Jetzt sucht das ehrwürdige alte Gebäudeensemble – in dem ursprünglich Pianos gefertigt worden sind – einen neuen Besitzer, wie Stefan Schlick vom Liegenschaftsamt (r.) berichtet.
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Die Stadtbibliothek hat den Perzina-Saal längst verlassen. Jetzt sucht das ehrwürdige alte Gebäudeensemble – in dem ursprünglich Pianos gefertigt worden sind – einen neuen Besitzer, wie Stefan Schlick vom Liegenschaftsamt (r.) berichtet.

Stadt will ehemalige Stadtbibliothek für 862 000 Euro verkaufen, Probleme gibt es allerdings mit den statisch schwierigen Hintergebäuden

svz.de von
29. Dezember 2013, 21:45 Uhr

Das Hinterhaus ist wegen statischer Probleme seit mehr als einem Jahr gesperrt, die Stadtbibliothek im Sommer ausgezogen – jetzt steht das altehrwürdige Perzina-Haus zum Verkauf. 862  000 Euro will die Landeshauptstadt für das Gebäude haben, das zwischen 1906 und 1910 erbaut wurde. „Einen Interessenten haben wir zurzeit für die Wismarsche Straße 144“, erklärt Stefan Schlick vom Liegenschaftsamt. „Wir würden den Perzina-Saal gern kulturell weiter nutzen. Die oberen Etagen eignen sich für wunderschöne Wohnungen. Probleme sehen wir in den hinteren beiden Gebäudekomplexen.“

Ein Überblick: Zum Gebäudekomplex gehören das vordere Perzina-Haus, ein statisch schwieriger Anbau und ein Hinterhaus, das das Grundstück mit der Franz-Mehring-Straße verbindet. Das letztere Haus beherbergt Stefan Schlick zufolge eine „recht moderne“ Heizungsanlage, die alle drei Gebäudeteile mit Wärme versorgt. Die hinteren Gebäude liegen beide im Sanierungsgebiet, weshalb ein neuer Eigentümer mit Fördermitteln rechnen könnte. „Die Wahrscheinlichkeiten stehen aber auch gut, den Abriss für den Anbau und das Hinterhaus genehmigt zu bekommen“, sagt Stefan Schlick. Allerdings müsste die Franz-Mehring-Straße 11 dann neu bebaut werden. Aber soweit denkt in der Verwaltung zurzeit noch niemand. „Für das Gebäude einen geeigneten neuen Eigner zu finden, erweist sich als schwer. Es ist zu speziell“, so der stellvertretende Leiter des Liegenschaftsamtes weiter. Genauso speziell wie seine wechselvolle Geschichte.

Die Gebrüder Julius und Albert Perzina hatten 1871 vom Großherzog Friedrich Franz zu Mecklenburg-Schwerin die Genehmigung erhalten, eine Piano-Fabrik zu errichten. In der Wismarschen Straße 22 entstand die „Perzina-Pianoforte-Fabrik“. Mehr als 10 000 Flügel wurden dort bis 1910 angefertigt und verkauft. Doch am 26. Juli 1904 vernichtete ein verheerendes Feuer das Perzina-Haus. Kurz darauf entstand das heutige Gebäude in der Wismarschen Straße 144 mit einem Konzertsaal nach den Vorstellungen von Daniel Huss. Der heutige Perzina-Saal war ursprünglich als Reserveraum für halbfertige Pianos gedacht, wurde dann aber zum Konzertsaal ausgebaut. Dort, wo heute eine Wendeltreppe in den Saal führt, musizierten vor wenigen Jahrzehnten noch Künstler auf einer Bühne. Von Relief-Portraits blickten Richard Wagner und Johannes Brahms einst auf etwa 500 Konzertbesucher herab. Am 7. Oktober 1907 ist der weiß-goldene Saal feierlich eröffnet worden. Während des ersten Weltkrieges brach die Nachfrage nach Klavieren ein, der Fokker-Flugzeugbau wurde neuer Eigentümer der Immobilie. 1933 ging das Haus in den Besitz der NSDAP über, dort wurde der „Niederdeutsche Beobachter“ gedruckt. Nach Kriegsende folgte dort der Druck der „Schweriner Volkszeitung“. Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen füllten den Perzina-Saal zunächst weiterhin mit kulturellem Leben. Seit den 50er-Jahren diente er dann als Versammlungs- und Essenssaal. Nach dem Wegzug der Zeitung im Jahr 1982 nutzte die Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek das Gebäude. Der Perzinasaal wurde bis 1989 relativ originalgetreu restauriert und zum Lesesaal umfunktioniert. Seit dem Spätsommer steht das Gebäude nun leer – nur das Obergeschoss wird vom Seniorenbüro weiterhin genutzt.

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