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Bauarbeiten verzögern sich : Schwerin baut Schiffsanleger am Schloss

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Plan war, dass der neue Schiffsanleger in der Schlossbucht längst fertig ist. Die Bauarbeiten sollten bereits im vergangenen Herbst beginnen. Bis Jahresende sollte der neue Steg in die Schlossbucht ragen.

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2012 | 11:28 Uhr

Ostorf | Eigentlich sollte der neue Schiffsanleger in der Schlossbucht längst fertig sein. Nach dem Beschluss der Stadtvertreter wollten die Bauleute im Auftrag der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) bereits im vergangenen Herbst loslegen. Bis Jahresende sollte am Franzosenweg, wo während der Bundesgartenschau die Schwimmende Brücke endete, bereits der neue Steg in die Schlossbucht ragen, an dem auch größere Schiffe anlegen können. Nach mehreren Verzögerungen hatte Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff zu Jahresbeginn den Baustart für Ende Februar angekündigt. Nach Auskunft der SDS wird es nun am 2. April losgehen. Mitte Mai soll der Steg stehen.

Der Schiffsanleger in der Schlossbucht erhält zehn öffentliche Kurzzeitliegeplätze für Wassertouristen und zehn Dauerliegeplätze für das Schloss buchtcafé und zudem eine Anlegemöglichkeit für das Kreuzfahrtschiff aus Berlin sein. Die Gebühren für Kurzzeitliegeplätze sollen über einen Parkscheinautomaten eingenommen werden. Die Baukosten in Höhe von 250 000 Euro belasten die Stadtkasse mit 51 300 Euro, das Schlossbuchtcafé zahlt knapp 40 000 Euro, der Rest wird durch Fördermittel finanziert.

Doch der Neubau ist nicht unumstritten. Schließlich will die Landeshauptstadt mit dem Schlossensemble auf die Unesco-Welterbe-Liste und hat dafür schon vorausblickend die Schlossfestspiele nach 2013 vom Alten Garten verwiesen, weil Bühnenbild und Zuschauertribüne den Blick aufs Schloss verstellen und somit mutmaßlich die Unesco-Prüfer verstimmen könnten. Zwar hat OB Angelika Gramkow stets betont, dass der Schlossanleger den Bestimmungen des Weltkulturerbes nicht entgegenstehe. Doch sie muss auch zugeben: "Eine Beeinträchtigung des Erscheinungsbildes des Schlosses vom östlichen Ufer der Schweriner Schlossbucht aus wird jedoch gesehen."

Dass der neue Anleger gebraucht wird, ist für Gramkow unstrittig. Er sei ein weiterer Baustein zur Verbesserung der wassertouristischen Infrastruktur. Ein erster Nutzer steht Gramkow zufolge auch schon fest: Die Flussschifffahrtslinie Berlin-Schwerin wird in diesem Jahr zwölfmal an der Schlossbucht anlegen und Touristen in die Stadt bringen. Bislang musste der kleine Flusskreuzfahrer in Zippendorf Halt machen, weil sich Schiffseigner und Weiße Flotte nicht über die Nutzung der Anlegemöglichkeiten bei der Weißen Flotte einigen konnten. Darüber hinaus gäbe es weitere zwei Interessenten. "Aufgrund der besonders attraktiven Lage kann durchaus von einer guten Frequenz ausgegangen werden", so die Oberbürgermeisterin. "Unter anderem auch bei Rundfahrten, die von maritimen Unternehmen und Hotels für ihre Gäste durchgeführt werden, beispielsweise Marina Nord oder Speicher-Hotel."

Kurz vor dem Baustart kommt erneut Kritik aus der Politik. Nachdem Stadtvertreter Akteneinsicht genommen haben, zeigen sie sich erschüttert über die offenkundig neue Dimension des Vorhabens. "Der Steg soll plötzlich 50 Meter aufs Wasser ragen und dann noch einmal 40 Meter parallel zum Ufer verlaufen. Von dieser gigantischen Größe war nie die Rede", empört sich Cornelia Nagel, Vize-Fraktionsvorsitzende SPD-Grüne. Auch Stadtvertreter Manfred Strauß (frak tionslos) ist entsetzt - und nicht nur über die Größe des Schiffsanlegers in der Schlossbucht: Der Schlossanleger solle mit Tropenholz gebaut werden, und zwar gefördert mit öffentlichen Geldern. Zudem sollen die Bauarbeiten tatsächlich während der Brutzeit stattfinden - "viel mehr kann eine Verwaltungsbehörde nicht falsch machen", moniert Strauß. Im Übrigen habe laut Strauß das eigene städtische Umweltamt diese Bauarbeiten abgelehnt, worüber sich die Verwaltungsspitze hinwegzusetzen scheint.

Der Anleger ist heute Thema auch auf der Stadtvertretung, die 17 Uhr im Rathaus beginnt.

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