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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 22:49 Uhr

Plate : Schwein gehabt: Preise steigen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grillwetter und gute Exportzahlen lassen auch Bauern in der Region aufatmen – doch die Landwirte kämpfen noch an einer anderen Front

von
erstellt am 01.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Sommer, Sonne, Schweinesteak – eine gute Kombination, die auch bei den Schweinebauern wieder für ein kleines Lächeln reicht. Es kommt mehr Fleisch auf den Grillrost. Und das nicht nur hierzulande. Die Nachfrage aus China und Südostasien ist derzeit groß. Von der EU jüngst veröffentlichte Zahlen bestätigen diesen Eindruck: Mit 925 000 Tonnen exportierte die EU in den ersten drei Monaten des Jahres 26,5 Prozent mehr Schweinefleisch als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das Preistal beim Schweinefleisch könnte damit durchschritten sein. Der Schlachtpreis hat sich ebenfalls erholt. Momentan pendelt er zwischen 1,50 und 1,60 Euro pro Kilogramm – im Februar lag er noch bei 1,24 Euro. „Es reicht aber noch nicht“, sagt Stefan Wille genannt Niebur. Der Plater Schweinebauer bekommt derzeit für seine Tiere 1,57 Euro pro Kilo. Das seien mindestens zwölf Cent zu wenig, um davon vernünftig leben zu können. „Wir arbeiten mit den momentanen Preisen geradeso kostendeckend. Da darf kein Stall sein, der noch abzubezahlen ist, oder Technik, die neu angeschafft wurde“, sagt der 44-Jährige und verweist auf viele Bauern, die jüngst investiert haben.

Stefan Wille genannt Niebur zückt den Stift und rechnet vor: Futterkosten, Ferkelaufzucht und Sonstiges. Unterm Strich stehen 128 Euro reine Produktionskosten. Der Erlös für ein Schwein liegt bei rund 156 Euro. Das sei lediglich die direkt kostenfreie Leistung. „Hinzu kommen Festkosten, die etwa bei 20 Euro liegen“, sagt er und rechnet weiter. Im Ergebnis bleiben rund 8 Euro pro Tier.

Die Bündnisgrünen fordern nun einen Mindestpreis für Fleisch. In den Augen des Plater Schweinebauern keine Lösung. „Das ist Schwachsinn. Wer soll den festsetzen und vor allem, wer soll das durchsetzen? Das Grundproblem sind die Börsenunternehmen, die mit Nahrungsmitteln spekulieren, und dass wir nur noch drei große Lebensmittelhändler haben, die die Preise bestimmen“, sagt er.

Aber noch etwas ärgert den Landwirt. Immer öfter würden er und seine Berufskollegen angefeindet. So musste er sich jüngst während einer Veranstaltung des Bauernverbandes den Vorwurf anhören, die deutschen Schweinebauern sorgen mit ihren Exporten nach Afrika für die Flüchtlingsströme. Auch Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, propagiere das in seinem Buch „Fleischfabrik Deutschland“. Der Plater ist wütend, will solche Aussagen nicht auf sich sitzen lassen: „Wenn wir von einem Betrieb meiner Größe mit 700 Sauen und 6400 Mastplätzen ausgehen, die eine Jahresproduktion von 1900 Tonnen Schweinefleisch haben, waren es 2015 bei einem Schweinefleischexport von 292 300 Tonnen nach Afrika 23 Betriebe meiner Größe“, rechnet er vor. 23 Betriebe für eine Flüchtlingskrise verantwortlich zu machen, sei „lächerlich“. Zweifellos werde in Deutschland mehr Fleisch produziert als konsumiert, sagt der Bauer. „Aber was ist denn beispielsweise mit der Autoindustrie? Es werden wesentlich mehr Wagen gebaut als wir in Deutschland fahren können. Das ist okay?“, fragt der Landwirt.

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