zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 15:33 Uhr

Foto-Schau : Schwarz-weiße Augenblicke

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Analog und ohne Blitz: Fotogruppe „Taurophot“ präsentiert ihre erste Ausstellung und schenkt dabei Nebensächlichkeiten viel Beachtung

svz.de von
erstellt am 11.Jun.2014 | 10:00 Uhr

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut. Dieser Satz stammt von Henri Cartier-Bresson. Der für seine künstlerischen Schwarz-weiß-Fotografien bekannte Franzose war ein Profi in seinem Metier. „Wir sind engagierte Foto-Amateure“, sagt Dr. Reinhold Kunze von der Lübesser Fotogruppe „Taurophot“. Die vier Mitglieder der Foto-Arbeitsgemeinschaft haben selbst eine Ausstellung mit Schwarz-weiß-Fotografien erarbeitet und hoffen, dass die Betrachter sich für das Anschauen ihrer einzelnen Fotos länger als eine Sekunde lang Zeit nehmen.

Berlin, 1965. Drei Zinkwannen stehen auf dem Rasen, darin tummeln sich fünf Burschen. Ob der Himmel strahlend blau ist, der Rasen sattes Grün trägt, das will der Fotograf nicht zeigen. Er will nicht, das ein Farben-Wirrwarr vom eigentlichen Motiv ablenkt. Er hat ein Schwarz-weiß-Foto gemacht, lässt die unbunten Grautöne sprechen. Und der Betrachter weiß trotzdem: Es ist Sommer, es ist heiß und die Jungen genießen das Bad in den Wannen. „Wir wollen Schau-Erlebnisse bieten“, sagt Dr. Reinhold Kunze. Er hat das Foto vor fast 50 Jahren geschossen, diesen Augenblick festgehalten. Ein Augenblick, der Jahrzehnte später noch Beachtung finden kann. „Und berühren soll“, betont Kunze und erzählt von einer Ausstellungsbesucherin, die beim Betrachten des Fotos an ihre Kindheit erinnert wurde.

„Fotografische Augenblicke“, so lautet die erste Ausstellung der Fotogruppe „Taurophot“ im Lübesser Dorfgemeinschaftshaus. „Taurophot“, das sind Fotogruppenleiter Dr. Reinhold Kunze sowie Susanne Horn, Brigitte Behrendt und Manila Hochschild. Ihr Codex: nur analoge Schwarz-weiß-Fotografie – aber niemals mit Blitz. Ihre Antriebsfeder: großer Spaß an der Fotografie und viel Lust auf gemeinsame Exkursionen. Ihr Ziel: Die Grundzüge der bildkünstlerischen Gestaltung zu erarbeiten und in ein aussagefähiges fotografisches Bild umzusetzen. Seit 2008 arbeiten sie gemeinsam, treffen sich einmal im Monat, packen ihre Stative ein und suchen an interessanten Schauplätzen scheinbar nebensächliches, um es in ihren Fokus zu rücken. Ein Stuhl, der nur noch von Pflanzen besetzt wird, vier Stockschirme, die neben Biertischgarnituren im Boden stecken, der Seitenflügel eines Schlosses, der sich im Wasser spiegelt. Natur- und Landschaftsaufnahmen, Fotos von Menschen bei der Arbeit, Tiermotive, Stillleben – die Bandbreite der Motive ist groß. „Wir haben alle Pentacon six TL-Mittelformatkameras“, sagt Susanne Horn. Die Erzieherin im Lübesser Gemeindekindergarten ist mit Feuereifer bei der Sache und investiert viel Zeit für ihr Hobby. Seit die Digitalfotografie ihren Siegeszug in der Fotobranche angetreten hat, sei es aber schwierig geworden, an das nötige Material zu kommen, so Horn. „Und es ist im Vergleich zur Digitalfotografie auch um ein Vielfaches teurer“.

Als das Quartett bereit war, eine Ausstellung zu initiieren, da wurden erst einmal alle Fotos auf den Tisch gelegt – alte und neue. Dann eine Auswahl getroffen. Rund 70 Fotos blieben nach dem Filtern übrig. Die Original-Formate wurden von 18x24 auf 30x40 vergrößert, auf schwarze Passepartouts in Wechselrahmen gelegt und an den vielen Innenwänden im Erdgeschoss des Dorfgemeinschaftshauses aufgehängt.

Das Entwickeln der Filme überlassen die engagierten Amateure mittlerweile keinem Dritten mehr. Auf dem Dachboden haben sie ein eigenes Fotolabor, tauchen die Fotos selber in Entwickler, Stopp- und Fixierbad. Ist die Qualität gut? Ist der Bildausschnitt passend? Was hätte besser gemacht werden können? Nach dem Foto ist vor dem Foto, der Lernprozess geht weiter, der Anspruch, sich immer weiter zu verbessern ist groß, denn wie sagt es schon die französische Fotografin Bettina Rheims: „Fotografieren ist mehr als auf den Auslöser zu drücken.“

Die Ausstellung ist bis Ende Juni im Dorfgemeinschaftshaus zu sehen, Anmeldungen bei Dr. Kunze unter Telefon
0172-3035489.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen