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21. November 2017 | 13:20 Uhr

Schulen in Not: Jede elfte Stunde wird vertreten

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erstellt am 26.Feb.2012 | 07:36 Uhr

Schwerin | Immer mehr Unterricht an Schweriner Schulen fällt aus. "Und nur rund ein Drittel wird aus unserer Erfahrung fachgerecht vertreten", sagt Stadt elternrats-Vorsitzender Karl-Georg Ohse. "In einem weiteren Drittel gibt es Beschäftigungsaufgaben oder Filme, das letzte Drittel bedeutet Freistunden am Vormittag. Wie oft das wirklich vorkommt, kann man auch daran erkennen, wie viele Schüler vormittags in den Centern der Stadt unterwegs sind und bummeln." Allein im Goethegymnasium seien nach Berechnungen des Elternrates von Oktober bis Mitte Januar gut 1200 regulär geplante Unterrichtsstunden ausgefallen, so Ohse. An anderen Schulen, weiß er, habe es wochenlang keinen Geschichtsunterricht gegeben. "Das macht sich auch bei den Leistungen der Schüler in den Prüfungen bemerkbar", fürchtet der Stadtelternrat. Er bezeichnet die Lage in Schwerin mittlerweile als "dramatisch". Es brauche unbedingt Lösungen, die auch gerne "kreativ" sein dürften. "Warum kann man als Vertretung nicht mal pensionierte Lehrer einspannen?", fragt Ohse.

Bildungsminister Matthias Brodkorb sieht die Schwierigkeiten. Und zwar landesweit. "Die Unterrichtsversorgung ist an den einzelnen Schulen, insbesondere an Grundschulen, tatsächlich problematisch. Ich habe daher angewiesen, die Probleme landesweit zu analysieren und auszuwerten." Anschließend müsse eine "grundsätzliche Lösung" gefunden werden. Von Schnellschüssen möchte er angesichts von "über Jahren aufgebauten Problemen" allerdings absehen. Immerhin: Heute trifft sich erstmals die Arbeitsgemeinschaft "Attrak tivität des Lehrerberufes". Dabei geht es auch um Fragen wie Verbeamtung, Arbeitszeitmodell, Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder Einstellungsmöglichkeiten für Lehramtsstudenten.

Insgesamt 8,9 Prozent alles Schulstunden in Schwerin mussten im Schuljahr 2010/2011 vertreten werden, teilt das Bildungsministerium mit. Das ist fast jede elfte Unterrichtsstunde. 2,3 Prozent der Stunden sind ganz ausgefallen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Tendenz leicht steigend. Im Schuljahr 2008/2009 fielen 7,8 Prozent Vertretungsstunden an. Hauptgrund für einen Ausfall ist mit knapp 70 Prozent "Krankheit der Lehrkräfte". "Es gibt zu wenig junge Lehrer in Schwerin", beklagt Karl-Georg Ohse. "Die älteren sind oft einfach ausgebrannt und sicher durch das viele Hin und Her in der Schulpolitik in den vergangenen Jahren auch anfälliger." Manche schauen neidisch in andere Bundesländer, wo Kollegen mit den gleichen Fächern mehr verdienen und weniger Stunden geben müssen. "Jahrelang hat MV nicht richtig ausgebildet", sagt Ohse. Immerhin: Die Anzahl der Referendarsstellen wurde laut Bildungsministerium landesweit im Jahr 2011 um 153 auf nun 493 erhöht. Aktuell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 5200 Lehramtsstudenten, 600 davon im ersten Semester.

Dass ihre Kinder den Stoff nicht schaffen, darum müssten sich Eltern in Schwerin allerdings keine Sorgen machen, so das Ministerium. Der Bildungsauftrag werde erfüllt, das Schulamt finde immer Lösungen in akuten Fällen. Allerdings sind die Schulen angehalten, bei Vertretungsbedarf die ersten drei Wochen eigenständig abzudecken.

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