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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. August 2017 | 07:05 Uhr

Schließung droht : Schuldnerberatung vor dem Aus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dem Diakoniewerk Neues Ufer fehlt das Geld, um den steigenden Eigenanteil der Finanzierung zu stemmen

„Wir werden die Schuldnerberatung ,Lichtblick’ zum Jahresende schließen – wenn sich die Landespolitik nicht doch noch bewegt.“ Das sagt der Geschäftsführer des Diakoniewerkes Neues Ufer, Thomas Tweer. Seine gemeinnützige GmbH betreibt die einzige zertifizierte, kostenlose Schuldnerberatung in Schwerin. Das Problem: Das Land hat seine Fördermittel zurückgefahren. Immerhin 20 000 Euro sind das 2014 weniger als im Vorjahr. Der Zuschuss der Stadt blieb mit 104 000 Euro gleich. Damit stieg der Eigenanteil, den die Diakonie zu tragen hat, auf 39 764 Euro. Berücksichtigt man alle Kosten des Trägers, beispielsweise die Gemeinkosten, so sind es sogar 55000 Euro pro Jahr, die das Diakoniewerk Neues Ufer zuschießen müsste. „Wir sind gern bereit, einen Eigenanteil zu tragen“, sagt Geschäftsführer Tweer. „Aber diese Summe können wir nicht mehr aufbringen.“ Wenn er finanziell klar kommen will, müsste er die Gehälter der vier Mitarbeiter der Schuldnerberatung senken. „Wir sind aber nicht bereit, die Einkommen deutlich zu kürzen. Die Mitarbeiter leisten eine sehr gute Arbeit – das muss auch honoriert werden.

Weil das Ende der Schuldnerberatung in der Steinstraße in Sicht ist, werden keine neuen Klienten mehr aufgenommen. „Wir werden die noch laufenden 530 Verfahren so schnell wie möglich abschließen“, sagt Lichtblick-Chef Siegfried Jürgensen. „Unsere Räume müssen wir im September kündigen.“

Dass eine kostenlose Schuldnerberatungsstelle in Schwerin erforderlich ist, zeigt ein Blick in den Schuldner-Atlas, in dem die Schufa die Situation in allen 402 deutschen Kommunen, also Städten und Landkreisen, auflistet. Schwerin liegt ganz weit hinten – auf Platz 381. Deshalb will Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow eine Schuldnerberatung erhalten. „Wir bedauern, dass uns das Diakoniewerk mitgeteilt hat, dass die Beratungsstelle Lichtblick geschlossen werden soll. Das ist eine schwierige Situation für uns, weil wir jetzt ganz schnell einen neuen Träger suchen müssen, damit die Beratungen ab dem 1. Januar weitergehen.“ Die Verwaltungschefin will mit ihren Fachleuten diskutieren, ob vielleicht eine neue Beratungsstruktur her muss. „Wir wollen weiterhin ein qualitativ hohes Niveau der Beratung sichern.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schuldnerberatung in Schwerin ins Wanken gerät. 2006 wurden ausgesprochene Kündigungen zurückgezogen, 2012 waren sie schon geschrieben. In beiden Jahren gab es dann doch noch kurzfristige Finanzhilfe.

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erstellt am 07.Jun.2014 | 08:00 Uhr

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