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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 03:47 Uhr

Schwerin : Schuldner hängen in der Luft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Betreuung überschuldeter Schweriner soll die Volkssolidarität übernehmen – die aber hat noch gar keine Zulassung dafür

von
erstellt am 16.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Nach 22 Jahren kommt das Aus für die Schuldner- und Insolvenzberatung „Lichtblick“ der Diakonie. Ab dem 1. Januar soll der Landesverband der Volkssolidarität die Aufgabe übernehmen. „Wir bekommen für das gleiche Geld eine bessere Leistung“, begründete Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow die Entscheidung der Verwaltung. Doch es bleiben Fragen offen. Das zeigte die Diskussion im Hauptausschuss.

Die Diakonie hatte schon im Juli, wie bereits im Vorjahr, angekündigt, die Schuldnerberatung nicht mehr weiter fortführen zu können. Der Grund: Die Finanzierung. Denn durch eine „nicht ausreichende finanzielle Ausstattung durch das Land“ musste die Diakonie nach eigenen Angaben bis zu 13 Prozent der Kosten selbst tragen. Gesetzlich vorgegeben sind aber nur fünf Prozent. Nachdem das Land aber die Mittel aufgestockt und die Diakonie die Sparkasse, die VR-Bank und die Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft als Partner gewonnen hatte, teilte Geschäftsführer Thomas Tweer der Stadt mit, dass die Diakonie die Beratungsstelle mit drei Vollzeitstellen weiterführen könne. Doch scheinbar reichte der Stadt das Angebot nicht. Denn nachdem die Offerte auf dem Tisch lag, fragte die Verwaltung bei sechs freien Trägern an, ob sie bereit und in der Lage seien, eine Schuldnerberatung in Schwerin zu betreiben. Die geforderten Kriterien: Der städtische Zuschuss von 103 000 Euro musste reichen und 3,6 Stellen sollten vorgehalten werden.

Drei Angebote gingen ein: von der Diakonie, der Verbraucherzentrale und vom Volkssolidarität Landesverband. „Nur das Angebot der Volkssolidarität erfüllte alle Kriterien“, so die Oberbürgermeisterin. Allerdings: Der Volkssolidarität Landesverband hat noch gar keine Zulassung vom Sozialministerium als Schuldnerberater. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow ist aber überzeugt, dass es diese Zulassung bis zum Jahresende noch geben wird. „Normalerweise muss die Zulassung vorliegen, bevor man sich bewirbt“, so Silvio Horn von den Unabhängigen Bürgern. „Und wenn die Zulassung nicht kommt, gibt es denn einen Plan B? Am Markt werden nicht Schuldnerberater in Größenordnungen rumflattern.“ Doch diesen Plan B gibt es nicht, gestand Angelika Gramkow ein. Sebastian Ehlers, CDU-Fraktionschef, wollte wissen, inwiefern Erfahrung eine Rolle bei der Entscheidung der Verwaltung gespielt habe. Gramkow: „Die Volkssolidarität hat zugesichert, geschultes Personal zu stellen.“ Sie gestand aber ein, „dass es schwierig werden könnte“. Für Silvio Horn war das gesamte Verfahren „in höchstem Maße unseriös“.

Die bisher von Lichtblick betreuten Klienten müssen sich nun einen neuen Berater suchen. Ihre Unterlagen dürfen nicht an die Volkssolidarität weitergereicht werden. Und das bisherige Lichtblick-Personal, so war zu hören, will auch nicht zur Volkssolidarität, sondern bei der Diakonie bleiben. Für die Schuldner dürfte das noch schwierig werden.

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