Wittenfördener Vereinsleben : Schützenzunft weitab vom Schuss

Fast ein Viertel aller Mitglieder der Wittenfördener Schützen ist auch im Vorstand um den Vereinschef Arno Aßmann (2.v.r.). Insgesamt hat der Verein nur 25 Mitglieder.
Fast ein Viertel aller Mitglieder der Wittenfördener Schützen ist auch im Vorstand um den Vereinschef Arno Aßmann (2.v.r.). Insgesamt hat der Verein nur 25 Mitglieder.

Beim kleinen Wittenfördener Club wird Vereinsleben groß geschrieben – doch zum Schießen geht es nach Gadebusch

svz.de von
02. April 2017, 23:31 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir die Wittenförderner Schützenzunft 1998 vor.

Die Mitglieder der Schützenzunft aus Wittenförden haben alles, was ein Verein zum Wohlfühlen so braucht. Sie haben ein schmuckes Vereinsheim. Sie haben ein volles Programm, das alle auf Trab hält. Und sie haben viele befreundete Vereine, mit denen das Schützendasein noch lebendiger wird. Nur eines haben die Schützen nicht: einen Schießstand. Schützen ohne eigenen Schießstand. Ist das nicht wie eine Kreuzfahrt ohne Schiff? „Wir fahren einmal pro Monat nach Gadebusch zum Schießen. Das klappt hervorragend“, sagt Schützenzunft-Vorsitzender Arno Aßmann.

Wer die Zunft um Arno Aßmann besuchen will, der muss einige Kurven Richtung Wittenförden und Hof Wandrum fahren und dort stoppen, wo die mit Einfamilienhäusern gesäumte Gärtnereistraße fast aufhört und die Biogasanlage anfängt. Arno Aßmann, 65, sitzt an einem Holztisch im ehemaligen Bürokomplex der LPG Wittenförden und zeigt auf eine große Theke. Die hätten sie sich besorgt, vor ein paar Jahren, irgendwo aus einer Kneipe im Süddeutschen. Wenn alle 25 Mitglieder des Clubs zusammenrücken, finden an ihr auch alle Platz. Als es die LPG Wittenförden noch gab, da waren in diesem Gebäude Parterre viele kleine Büros. Als sich die Schützenzunft einpachtete, entstand der Raum mit Saalcharakter. Ein Gang weiter sind jetzt die Bläser aus Wittenförden. „Wir passen hier gut zusammen“, sagt Aßmann, der kurz nach der Gründung 1998 zum Verein kam. Zugezogen, Kontakt gesucht – und Kontakt gefunden. So wie viele andere auch. In Spitzenzeiten waren es mal 60 Zunftmitglieder. Einige sind weggezogen, andere gestorben, wieder andere ausgetreten. „Querelen“, nennt es Aßmann. Das passiere in einem Verein schon mal, fügt er hinzu. Gut zwei Dutzend sind noch da. Eine eingeschworene Truppe. Aber große Sprünge, die macht sie nicht mehr. Weniger Mitglieder, weniger Beiträge. So findet in diesem Jahr das große Schützenfest mit Proklamation nur noch an einem Tag auf dem Vereinsgelände statt. Am 10. Juni. „Früher waren es auch mal drei Tage“, sagt Zunftsekräterin Heide Lehmann, eine von sechs Frauen im Verein. Zu den Festen, Proklamationen und Umzügen bringen die Schützen aber auch ihre Gattinnen mit, die nicht im Verein sind. „Dann ist richtig was los“, sind sich Vorsitzender und Zunftsekräterin einig. Dann geht es zu den Gleichgesinnten nach Grabow, Sternberg oder Grevesmühlen. Nach Rehna, Roggendorf oder Wismar. Die Wittenfördener immer in rot. Das ist die Farbe der Schützenzunft, die sie sich bei einem befreundeten Club im Sauerland abgeschaut haben. „Grau und grün gibt es schon genug“, erklärt Aßmann. Mittlerweile hätten sich alle anderen Vereine schon an die Farbe gewöhnt.

Ende Mai findet das Königsschießen statt. Die Nachfolger des Königspaares Udo und Grit Hyzyk werden gesucht. Geschossen wird nicht auf einen Vogel, sondern auf eine Scheibe. Geübt dafür wird auswärts. „Wir haben gar keine eigenen Kleinkaliber-Waffen“, sagt der Vereins-Chef. Die werden dann von den Gadebuschern gestellt. Tontaubenschießen in Brüel – auch das ist bei den Wittenfördenern begehrt. Doch ganz ohne Schießen kommen die Zunftmitglieder vor der eigenen Haustür dann doch nicht aus. Auf einem Rasenstück neben dem Vereinshaus wird mit Luftdruck geschossen. Die Projektile landen in einem Wall, im besten Fall durchlöchern sie zuvor eine Zielscheibe. Und danach geht es auch gerne noch an die Theke. Groß genug für alle ist sie ja.

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