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Ernährung : Schüler schauen Starköchin in den Topf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Viertklässler kochten gestern mit Sarah Wiener: Der Auftakt einer Kampagne, die Kindern Spaß an selbst gemachtem gesunden Essen bringen soll.

Der neunjährige Krisch grinst über das ganze Gesicht. Auf seiner Kochschürze und auf seinem Unterarm prangt ein Autogramm von Sarah Wiener – der bekannten Starköchin aus dem Fernsehen. „Ich koche auch sehr gerne“, sagt Krisch stolz. Er und seine Klassenkameraden von der Astrid-Lindgren-Schule in Schwerin kamen gestern in den Genuss, zusammen mit Sarah Wiener zu kochen. Sie war in die Landeshauptstadt gereist, um mit den Kindern und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) den Startschuss für die Ernährungsinitiative „Ich kann kochen!“ zu geben.

„Grießbrei, das war das Erste, was ich als Kind gelernt habe“, erzählt die Fernsehköchin ihrer Küchenmannschaft aus Zehn- und Elfjährigen. Das saisongerechte Menü gestern bestand jedoch nicht nur aus Grießbrei: Möhrencremesuppe, Grießbrei und Obstsalat, dazu Aromawasser mit Minze und Gurke. Unter Anleitung der Fernsehköchin und ihres Teams sowie ihrer Klassenleiterin walten die Mädchen und Jungen vom Morgen an in der Schulküche, schälen und schneiden Möhren, schnippeln Erdbeeren, Äpfel und Birnen für den Salat.

Gesunde Ernährung – das sei noch immer nicht selbstverständlich, weiß Astrid Stern-Flemming. Sie ist Schulpraktikerin an der Grund- und Regionalschule und unter anderem für Koch- und Backkurse zuständig. „Ich erlebe es oft, dass Kinder mit einer Tüte Chips oder Cola zur Schule kommen“, sagt Stern-Flemming. Die Schule im Plattenbauviertel Großer Dreessch liege in einem sozialen Brennpunkt. Viele Eltern wüssten es einfach nicht besser oder gingen bei der Essenauswahl den Weg des einfachsten Widerstands, so ihre Erfahrung.

Ein Trend, der fatale Folgen haben kann, erklärt Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. „Es ist das erste Mal, dass zu befürchten ist, dass die Lebenserwartung der Menschen wieder sinkt“, sagt er. In Deutschland gebe es schätzungsweise 1,9 Millionen übergewichtige Kinder und Jugendliche. 800    000 seien sogar fettleibig. Immer mehr Heranwachsende würden daher auch an Diabetes Typ 2 leiden – einer Erkrankung, die früher noch als Alterskrankheit galt. Schuld seien zu wenig Bewegung und vor allem die falsche Ernährung der Kinder.

Mit der Ernährungsinitiative „Ich kann kochen“ der Sarah Wiener Stiftung und der Barmer GEK sollen Kinder in ganz Deutschland beim Sel-berkochen entdecken und schmecken, dass gesunde Ernährung Spaß macht, erklärt Wiener. Die Astrid-Lindgren-Schule ist dabei nur der Anfang. In den kommenden fünf Jahren sollen 1,4 Millionen Kita- und Grundschulkinder erreicht werden. Dazu will die Stiftung 56000 Erzieher und Lehrer zu Genussbotschaftern fortbilden.

„Beim Kochen und Essen ist es ähnlich, wie beim Erlernen einer Fremdsprache“, erklärt Wiener. „Wenn ich schon als Kleinkind ganz viele Lebensmittel probiere, ist das ein Reichtum, von dem ich mein ganzes Leben lang zehren kann und von der ich und meine Gesundheit ein Leben lang profitieren.“ Kinder seien schnell überfordert, wenn Gerichte viele Zutaten enthielten, die sie nicht kennen oder zuordnen können. Sie würden daher viel eher Dinge probieren, die sie selbst mit ausgewählt und zubereitet haben. „Wenn wir wollen, dass unsere Kinder vernünftig essen, müssen wir ihre Begeisterung fürs Kochen wecken“, erklärt Wiener. Sonst könne schon bald niemand mehr mit Grundnahrungsmitteln umgehen.

In diesem Zusammenhang zeigte sie den Schüler unter anderem, wie man mit einem ganz einfach Trick selbst Butter herstellen kann. Dazu schüttelten die Kinder Sahne in einweggläsern. „Das geht auf die Arme“, meinte Krisch.

Manuela Schwesig begrüßt die Initiative. „Es macht Kindern Spaß selbst zu kochen und die lernen dabei, was es heißt, sich bewusst und gesund zu ernähren. ‚Ich kann kochen!‘ bringt diese Idee in die Schulen und Kitas.“

Überzeugt hat das Projekt jetzt schon Schulleiter Peter Metzler. „Ich esse viel, aber sehr ungesund“ gestand er. Und fügte zur Begeisterung aller hinzu: „Das wird sich jetzt ändern. Das verspreche ich.“

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erstellt am 20.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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