Geschichte erleben : Schüler geben der Freiheit ein Gesicht

Ein wichtiger Teil der Schüler-Recherche: „Wir sind das Volk“-Demonstration 1989 in der damaligen Bezirksstadt Schwerin brachten Tausende auf die Straße.
Ein wichtiger Teil der Schüler-Recherche: „Wir sind das Volk“-Demonstration 1989 in der damaligen Bezirksstadt Schwerin brachten Tausende auf die Straße.

Beschluss der Stadtvertretung für einen Gedenkort entwickelt sich zu einem stadtweiten Geschichtsprojekt – erste Ergebnisse gibt es im Januar.

svz.de von
12. Dezember 2013, 09:00 Uhr

Die Diskussion in der Stadtvertretung war hitzig gewesen, jetzt kehrt Sachlichkeit ein: Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November nächsten Jahres will Schwerin dem Gedenken an die Freiheitsbewegung in der DDR, die im Jahr 1989 zur Überwindung der Mauer führte, auf dem Platz der Freiheit durch einen „adäquaten Gedenkort“ – Denkmal, Gedenkstein und/oder Gedenktafel – sichtbaren Ausdruck geben. Zugleich soll dort weiterer Freiheitsbewegungen in der Schweriner Geschichte gedacht werden, wie der Freiheitskriege, der Revolution von 1848, der Revolution von 1918 und nicht zuletzt der Befreiung vom Nationalsozialismus im Jahr 1945, welche diesem Ort den Namen „Platz der Freiheit“ gab. Wie das Ganze aussehen und mit Inhalt gefüllt werden kann, dazu sollen Schweriner Schüler einbezogen werden. Das ist jetzt passiert.

Unter Leitung von Gabriele Banner, Lehrerin und Demokratiebeauftragte beim Staatlichen Schulamt Schwerin, hat sich ein Gruppe von etwa 15 Schülern aus sechs Schweriner Schulen zusammengefunden. Die fachliche Beratung hat der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Bernd Kasten, übernommen. Es wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet. Die eine unter der Leitung des SPD-Stadtvertreters Rudolf Conrades konzentriert sich auf Freiheitsbewegungen im 19. Jahrhundert, während die andere unter der Leitung von Martin Klähn, Politische Memoriale MV, sich dem 20. Jahrhundert widmet. Im Januar sollen die ersten Gruppenergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.

Daraus könnte sich nach Vorstellung der Beteiligten ein Ideenwettbewerb ergeben, den die Stadtvertreter wünschen. So ist es ein Vorschlag, die Schüler der Stadt im Internet über die Ergebnisse der Projektgruppe abstimmen zu lassen. Das Ergebnis soll dann auch bei der Entscheidung helfen, wie die Erinnerungszeichen für die Freiheitsbewegungen in Schwerin und Umgebung aussehen – ob als Denkmal oder Informations-Tafel oder als Dokumentation im Internet, die auch Basis eines Lehrpfades bilden könnte, der entlangführt an verschiedenen Orten der Stadt, an denen möglicherweise Informations-Stelen authentisch über Freiheitsbewegungen berichten.

Die jungen Leute an allen Schweriner Schulen sind durch Rundschreiben über das Schulamt und durch Gespräche mit Lehrern bereits für dieses Geschichtsprojekt interessiert worden. Mit dabei sind bereits Vertreter vom Goethegymnasium, vom Abendgymnasium, vom Gymnasialen Schulzentrum Stralendorf, von der Berufsschule für Wirtschaft und Verwaltung Schwerin sowie von den beiden Privatschulen Ecolea und Pädagogium.

Interessant und vielversprechend sind bereits die Themenschwerpunkte im schulübergreifenden Geschichtsprojekt „Freiheit“, vor allem was die Aktivitäten der jüngsten Zeit anbelangt. Denn dabei soll es nicht nur um die Befreiung 1945 gehen, sondern auch um den sowjetischen Geheimdienst und die Militärtribunale in Schwerin. Die Schüler forschen auch an der eigenen Schulgeschichte, denn die Schüleraktionen in den 1950er-Jahren an der damaligen Goethe-Schule werden ebenfalls ein Thema. Und natürlich werden auch andere Institutionen beleuchtet wie der Paulskirchenkeller, die Rolle der Kirche und die des Schweriner Theaters.

Nach der Auftaktveranstaltung im Oktober und der Team-Bildung innerhalb der Projektgruppe sollen bereits im kommenden Monat erste Gruppenergebnisse vorgestellt werden – voraussichtlich am 15. Januar um 17 Uhr im Kulturbüro in der Puschkinstraße. Dazu zählen auch erste Vorschläge für die Gestaltung eines Internet-Auftritts. Schon jetzt stehen weitere Termine auf der Arbeitsliste der Jugendlichen. Und selbst beim vorerst letzten Punkt, der „Fertigstellung und Veröffentlichung der Projektergebnisse“ machen die Schüler nicht Schluss. Schon heute steht dort der Zusatz „Wie weiter?“

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