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Bewegendes Schauspiel : Schüler diskutieren über Freitod

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Theaterstück „norway.today“ stimmt junge Gymnasiasten des Fridericianums nachdenklich

von
erstellt am 16.Jan.2015 | 16:00 Uhr

50 Schüler des Fridericianum sitzen ruhig und nachdenklich da. Das Licht geht aus. Laute Gitarren-Beats schallen durch den Raum. Auf einer weißen Wand erscheint ein Film. In ihm eine junge Frau die auf ihrem Smartphone tippt. Sie schreibt in einem Chatroom: „Hallo, ich bin Juli. Dies sind meine ersten Worte an diesem Ort. Wenn meine Mitteilung deshalb womöglich unpassend ist, bitte ich um Entschuldigung. Meine Nachricht ist nämlich nur für Leute bestimmt, die sich umbringen wollen.“

Das Stück „norway.today“ wurde gestern im Werk 3 zum 13. Mal aufgeführt. Es behandelt ein schweres Thema – den Freitod. Juli, die von Caroline Wybranietz gespielt wird, möchte sich umbringen. Sie will es aber nicht allein machen. Schließlich findet sie im Internet August, der von Christoph Götz verkörpert wird. Auch er möchte Selbstmord begehen. Schließlich verabreden sie sich und reisen zu einem norwegischen Fjord, an dem die Berge 600 Meter über den Meeresspiegel ragen. Die unterschiedlichen Ansichten und Lebensauffassungen der beiden prallen unvermeidlich aufeinander. Bei Bier und Stullen kommen sie sich schließlich näher. Die festen Positionen kommen ins Wanken.

Der Autor des Stücks, Igor Bauersima, und auch Regisseur Klaus Bieligk haben großartige Arbeit geleistet. „Die Umsetzung war schwierig, aber uns ist es gelungen auch bei diesem ernsten Thema Humor zum Absurden einzubauen“, erklärt Bieligk stolz. Und das dass Dreier-Gespann von Regisseur und Schauspielern alles richtig gemacht haben, zeigt der Applaus, den die Schüler geben.

Auch in der anschließenden Fragestunde stellen die Mädchen und Jungen viele Fragen. „Wie lange wurde geprobt? Was ist Ihre Lieblingsszene? Warum hat sich der Regisseur für dieses Stück entschieden?“ Und das sind nur einige Fragen, die die Jugendlichen stellen. „Mir hat es sehr gut gefallen. Dass man mit so wenig Mitteln, so ein tolles Stück inszenieren kann finde ich toll“, schwärmt Schülerin Leonie Gohde. Auch Eva Höppner ist angetan: „Die Schauspieler haben super gespielt.“ In den Gesprächen mit den Schülern spürt man, dass sie nachdenken. „Und damit habe ich erreicht, was ich wollte. Schweriner, ob jung oder alt, zum Nachdenken anregen“, sagt Bieligk.

Dass er sich gerade für dieses Stück entschieden hat, ist einem besonderen Vorfall im Jahr 2012 geschuldet. Damals hat Klaus Bieligk den leblosen Körper eines Jungen in einem Schweriner Einkaufszentrum gesehen. Er hatte sich gerade aus der obersten Etage hinuntergestürzt. „Alle Anwesenden waren betroffen und fragten, was sie tun können. Doch man kann nichts mehr tun“, erzählt Bieligk.

Fazit: Ein tolles Stück mit sehr viel Tiefgang, aber auch genügend Witz. Man verlässt das Werk 3 nachdenklich und doch nicht zu Tode betrübt. Die nächste Vorstellung findet am 27. Februar um 20.30 Uhr statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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