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Schwerin : Schrecklicher Unfall: Daumen wieder angenäht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

56-Jähriger war mit der Hand in die Kreissäge geraten: Schweriner Medizinern gelingt erfolgreiche Replantation

von
erstellt am 26.Jan.2015 | 21:15 Uhr

Beim Bau eines Außengeheges für seine Hühner gerät Eckhard mit der rechten Hand in das rotierende Sägeblatt der Kreissäge, die ihm den Daumen und beinahe drei weitere Finger abtrennt. Wie es zu dem Unfall kam, kann der 56-Jährige heute nicht mehr genau sagen: „Plötzlich spürte ich eine Vibration in der rechten Hand. Als ich registrierte was da gerade passierte, fehlte mir bereits der Daumen.“

Krankenwagen und Notarzt sind schnell zur Stelle, bringen den schwer Verletzten in die Schweriner Helios-Kliniken. Dort wartet bereits Jarema Kowalski, Oberarzt in der Klinik für Handchirurgie, mit einem OP-Team. „Der Zustand des abgetrennten Daumens war ausreichend gut, um eine Replantation durchführen zu können“, erinnert sich der Operateur. „Gut gekühlt lassen sich Amputate auch noch nach sechs bis acht Stunden annähen.“ Je schneller dies erfolgt, umso größer ist allerdings die Chance, dass der Finger nicht abstirbt. „Wer abgetrennte Gliedmaßen aber direkt auf Eis legt, riskiert Erfrierungen und beschädigt das Kapilarsystem“, warnt Jarema Kowalski. „Eine Replantation wäre dann nicht mehr möglich.“ Eckhard muss dies gewusst haben, denn er bewahrte den abgetrennten Daumen bis zum Eintreffen des Krankenwagens in einem Tuch im Kühlschrank auf.

Bei einer Replantation müssen Stumpf und amputierter Daumen Schritt für Schritt wieder miteinander verbunden werden: Knochen und Sehnen sowie – mit Hilfe des Mikroskops betrachtete – Arterien, Nerven und Venen, deren Durchmesser dünner als der eines Menschenhaars ist. In Schwerin ist die Handchirurgie unter Chefarzt Dr. Jacek Kotas darauf spezialisiert. Insgesamt sieben Stunden dauerte die äußerst präzise und anstrengende Arbeit, den Daumen zu replantieren und den schwer beschädigten Zeige-, Mittel- und Ringfinger zu versorgen.
Direkt nach der OP können Komplikationen wie beispielsweise Minderdurchblutung aufgrund einer Thrombose oder Venenstauung auftreten. Rund um die Uhr kontrolliert deshalb eine Pflegekraft die Durchblutung des Daumens.

Drei Tage nach dem Eingriff zeigt sich der Daumen blau und geschwollen. „Dies sind Anzeichen einer venösen Stauung“, erklärt Jarema Kowalski. Um den Blutstau zu lösen, erhält Eckhard eine Blutegelbehandlung. Das Besondere an den kleinen Würmern sind die gerinnungs- und entzündungshemmenden Wirkstoffe, die sie während ihres Saugvorgangs in die Wunde des Patienten abgeben. „Zum einen saugen sie das gestaute Blut ab, zum anderen beinhaltet Egelspeichel Hirudin, ein natürlicher Gerinnungshämmer, der lokal wirkt und damit die Durchblutung verbessert“, erklärt Jarema Kowalski. „Dies verhindert, dass der Daumen minderdurchblutetet wird und abstirbt.“

Fünf Wochen nach dem Eingriff – Eckert ist schon lange wieder zu Hause – ist der replantierte Daumen eines Morgens plötzlich bläulich verfärbt. „Dies deutet auf ein kleines Blutgerinnsel oder einen Gefäßkrampf hin“, erklärt Jarema Kowalski. Eckhard muss noch einmal stationär aufgenommen werden. Im Krankenhaus bekommt er eine spezielle Regionalanästhesie, die der Schmerzlinderung dient und die krampfartige Verengung arterieller Gefäßes verhindert, sowie Heparin, ein körpereigenen Hemmstoff zur Blutgerinnung. Um das Gerinnsel zu lösen, erhält Eckhard erneut die ihm bereits bekannte Blutegelbehandlung.

Jetzt sorgt intensive Krankengymnastik in der sich anschließenden Rehabilitationsphase dafür, dass Eckhards rechte Hand in einigen Monaten wieder voll einsatzfähig ist.

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