Lübesse : Schrauben, prüfen, tauschen

Jeder Winkel der großen Maschine wird von Arvid Kissel überprüft.  Fotos: Katja Müller
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Jeder Winkel der großen Maschine wird von Arvid Kissel überprüft. Fotos: Katja Müller

Im Winter haben die Mähdrescher Pause und die Mechaniker jede Menge zu tun, um sie auf Vordermann zu bringen

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15. Dezember 2017, 23:19 Uhr

Mehr als 30 000 Teile sind es, die am Ende ein Ganzes ergeben. Die Rede ist von einem Mähdrescher. Gleich mehrere dieser grünen Giganten stehen in der Werkstatt der Firma Krone in Lübesse. Im Sommer drehen sie Stunde um Stunde ihre Runden auf den Ackerflächen der Region. Im Winter kommen sie zur Pflege und Reparatur ins Warme. Dann legen Arvid Kissel, Stefan Moritz und die anderen Schlosser Hand an. Es wird geschraubt, geprüft und ausgetauscht. „In diesem Sommer gab es eine regelrechte Materialschlacht auf den aufgeweichten Feldern. Die Maschinen wurden stark beansprucht“, weiß Florian Brandt, Krone-Regionalleiter Nord. Ein gut gefülltes Auftragsbuch liegt vor ihm und auch in der Werkstatt ist jetzt jeder Platz belegt.

Vor der Tür steht ein großer Mähdrescher. Stefan Moritz hat sich mit dem Akkuschrauber bewaffnet und macht sich ans Werk. „Der Messerbalken musste erneuert werden“, sagt er und arbeitet sich Schraube für Schraube an der langen schwarz-grünen Kante entlang. In diesem Jahr seien die Schäden im Bereich der Schneidwerke besonders groß. „Es gab vielerorts reichlich abgeknicktes Getreide. Dementsprechend tief musste gedroschen werden und so kamen mehr Steine die Messer als gut tut“, erklärt Florian Brandt. Die Intensität für die Maschinen pro Hektar sei im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. Die Folge: Defekte an den Messerbalken, verschlissene Führungsteile und auch Schäden durch Steine an der Dreschtrommel. „Reparabel ist aber alles“, beruhigt der Regionalleiter. Und jetzt, in der kalten Jahreszeit kann das auch ohne Hektik erfolgen. Anders als im Sommer, wenn es darum geht, jede Sonnen-Minute zu nutzen. Denn dann gibt es in Lübesse einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst, sieben Tage die Woche.

„Wir hatten in diesem Sommer viele Fälle, in denen die großen Maschinen im Matsch versunken sind. Da gilt es aber, einen kühlen Kopf zu bewahren“, sagt Verkaufsleiter Dieter Götting. Alle Maschinen haben nicht nur zehntausende Teile, sondern auch ein enormes Gewicht. „Wenn in solchen Momenten an der falschen Stelle gezogen wird, ist der Schaden binnen Sekunden sehr groß“, weiß er. Sein Rat: Erst kurz Gedanken sammeln und dann anfangen, die Maschine freizugraben. „Ich würde auch nie zu einem Drahtseil greifen, das kann sehr gefährlich werden“, schiebt Dieter Götting hinterher.

Was sich für die Bauern in diesem Sommer als Fluch entpuppte, war für manchen Reifenhersteller ein Segen. „Wir hatten eine große Nachfrage bei zusätzlichen Reifen. Auch Raupenlaufwerke rücken jetzt bei Bestellungen häufiger in den Fokus“, sagt Florian Brandt. Die allgemeine Marktlage für Erntemaschinen sei allerdings etwas getrübt. „Die vergangenen drei Ernten waren für die Landwirte nun nicht die Besten, da wird dann für anstehende Investitionen genau abgewogen“, erklärt er. Aber der Trend entwickle sich in Richtung höherer Drusch-Kapazitäten. Immerhin seien es nur 13 bis 15 Tage, an denen die Mähdrescher auf den Feldern ihre Arbeit verrichten können. Gut ebenso lange dauere es auch, die Ernteriesen zu pflegen. „Wir kontrollieren sie von allen Seiten. Nach Wunsch wird auch gereinigt“, sagt Dieter Götting. Neben der Reparatur sei das einer der wichtigsten Punkte nach der Ernte: „Bleibt Getreide in der Maschine, ist es ein ideales Lockmittel für Nager und die kann niemand in den Maschinen gebrauchen“, betont Florian Brandt.

Aber eben nicht nur Erntemaschinen bekommen jetzt die nötige Zuwendung, auch einige Traktoren stehen in der großen Werkstatt in Lübesse. „Winter ist auch immer Wartungszeit für die großen Maschinen“, erklärt Arvid Kissel und setzt den großen Schraubenschlüssel an.

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