Schweriner Feuerwehrleute verstehen die Welt nicht mehr : Schon wieder Ärger bei der Feuerwehr

Großeinsatz der Feuerwehr beim Brand der ehemaligen Parteischule: Bei der Berufsfeuerwehr ist eine Mindeststärke zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher zu stellen.  Allein in Neu Zippendorf waren 60 Lebensretter im Einsatz. FotoHeidrun Pätzold
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Großeinsatz der Feuerwehr beim Brand der ehemaligen Parteischule: Bei der Berufsfeuerwehr ist eine Mindeststärke zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher zu stellen. Allein in Neu Zippendorf waren 60 Lebensretter im Einsatz. FotoHeidrun Pätzold

In die Berufsfeuerwehr kommt keine Ruhe. Nachdem bereits die Bezahlung oder Nicht-Bezahlung von Überstunden für Diskussionen gesorgt hatte, geht es jetzt um den Urlaub der Feuerwehrleute und die geleisteten Schichten.

svz.de von
10. Januar 2013, 06:46 Uhr

Schwerin | In die Berufsfeuerwehr kommt keine Ruhe. Nachdem bereits die Bezahlung oder Nicht-Bezahlung von Überstunden für Diskussionen gesorgt hatte, geht es jetzt um den Urlaub der Feuerwehrleute und die von ihnen geleisteten Schichten.

Nach einer Arbeitszeitrichtlinie darf ein Feuerwehrmann maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten. Das sind vier Schichten mit jeweils zwölf Stunden. Beginnt der Dienst an einem Freitag, so kann der Mitarbeiter aber nur 36 Stunden schaffen, denn der Montag fällt bereits in die Folgewoche. Für die Vorwoche werden dem Betreffenden zwölf sogenannte "Minus-Stunden" angerechnet, die er in seiner Freizeit nachholen muss. Schlimmer noch - nimmt der Feuerwehrmann in einer solchen 36-Stunden-Woche Urlaub, sollen die Minus-Stunden angeschrieben werden. Im Klartext: Ein Urlaubstag muss rausgearbeitet oder ein zusätzlicher Urlaubstag genommen werden. So jedenfalls ist es offenbar bei den Feuerwehrleuten angekommen. Gegenüber der SVZ beklagen sie, dass sie keine konkreten Informationen bekommen.

Der Chef der Berufsfeuerwehr, Jürgen Rogmann, sieht in der Regelung kein Problem. "Die Arbeitszeitregelung ist eindeutig. Über einen festgelegten Zeitraum muss das Arbeitszeitkonto wieder ausgeglichen sein." Dass dafür auch Urlaub angerechnet wird, wollte Rogmann nicht bestätigen. "Wir rechnen den Urlaub aber in Schichten um." Eine Zwölf-Stunden-Schicht entspricht damit einem Urlaubstag.

Die Aufregung kommt aus Sicht des Feuerwehrchefs aus einer ganz anderen Richtung. "Wir mussten in diesem Jahr erstmals einführen, dass die Mitarbeiter an bestimmten Tagen Urlaub nehmen müssen." Der Grund: Zu jedem Zeitpunkt muss die Einsatzstärke der Feuerwehr gewährleistet sein. "Wenn alle in den Schulferien frei machen würden, könnten wir die nicht mehr sicherstellen." Deshalb gibt es jetzt einen Urlaubsplan, der eben auch "Zwangsurlaub" festlegt. Jürgen Rogmann sagt, dass es anders nicht gehe. Denn ein Feuerwehrmann hat Anspruch auf bis zu 35 Tage Urlaub. Dazu kommen Festlegungen einer Richtlinie der Euro päischen Union aus dem Jahr 1993. Die schreibt nämlich als europäisches Recht vor, dass Berufsfeuerwehrleute maximal 48 Stunden pro Woche im Einsatz sein dürfen. Da die Schweriner Wehr aber erst im Jahr 2006 das Schichtsystem von der 24-stündigen Bereitschaft auf Zwölf-Stunden-Schicht umgestellt hat, fielen bis dahin durchschnittlich 54 Wochenstunden an. So haben manche Feuerwehrleute bis zu 600 Überstunden angehäuft. Nach dem Willen von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow wird diese Mehrarbeit nicht bezahlt, sondern ist in einem Zeitraum von sechs Jahren abzubummeln. Ein zusätzliche Belastung für die Einsatzplanung.

Die Feuerwehrleute fühlen sich über diese Regelungen nicht ausreichend informiert, das System ist für sie "schwer zu verstehen und nicht nachvollziehbar". Öffentlich äußern wollen sie sich aber nicht, denn "die Welt ist zu klein und man muss heute leider sehr vorsichtig sein, da jedem sein Arbeitsplatz sehr heilig ist", heißt es in einem Schreiben, das der SVZ vorliegt. "Das Leben eines Feuerwehrmannes ist schon nicht einfach, warum macht man ihnen und ihren Angehörigen das Leben noch schwerer?"

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