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19. November 2017 | 08:14 Uhr

Schwerin : Schon 17 Menschen aus der Kälte gerettet

vom

Der Winter hält Schwerin in seinem harten und eisigen Griff. Die Berufsfeuerwehr hat in den letzten Tagen 17 Menschen vor dem Kältetod bewahrt. Täglich werden Obdachlose mit Erfrierungserscheinungen kostenfrei behandelt.

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erstellt am 09.Feb.2012 | 06:18 Uhr

Schwerin | Die Schweriner Berufsfeuerwehr hat in den vergangenen Tagen 17 Menschen vor dem Kältetod bewahrt. In den Helios-Kliniken wurden täglich Obdachlose mit Erfrierungserscheinungen behandelt, wie Berufsfeuerwehr-Chef Jürgen Rogmann sagt. „Die Menschen sind stark unterkühlt, durchnässt und alkoholisiert.“ Im Klinikum werden sie gesäubert und warm geduscht. Danach bringt sie der Rettungsdienst ins Obdachlosenheim im Mittelweg 9.

„Das Klinikum arbeitet dabei kostenfrei“, so Rogmann. Das sei für ihn keine Selbstverständlichkeit, denn „Obdachlose werden zu oft stigmatisiert“, sagt er. „Wir werden bei der Extremkälte häufiger alarmiert, wenn Tiere in Gefahr sind, als auf hilflose obdachlose Menschen aufmerksam gemacht.“

Schwerin gefriert: „Es wird härter“

Der Winter hält Schwerin in seinem harten und eisigen Griff. So fest, dass Heiko Baldauf zum Presslufthammer greifen musste, um an eine vom Frost geplatzte Leitung zu gelangen. "Die Erde ist bis in einer Tiefe von 80 Zentimeter gefroren", sagt der Mitarbeiter der Firma TuK. "Es wird immer härter." Im Auftrag der Wasser- und Abwassergesellschaft Schwerin (WAG) touren er und sein Kollege Christian Przygoda seit Wochen von einem Wasserrohrbruch zum nächsten Frostschaden. 33 Leitungsschäden gehen allein im Februar auf das Kältekonto von Väterchen Frost, wie WAG-Chef Axel Krause mitteilt. "Im vergangenen Jahr waren es drei, und da hatten wir auch strenge Fröste", sagt er. Vor allem die anhaltenden Minusgrade im zweistelligen Bereich machen ihm Kopfzerbrechen. "Aber unsere Hauptleitungen liegen in einer Bodentiefe von etwa 1,20 Meter, die Wasserversorgung ist also momentan gesichert", sagt er.

Unterdessen herrscht auch im Schleswig-Holstein-Haus in der Puschkinstraße Land unter. Im Obergeschoss war ein Rohr geplatzt. Wände und Decken haben sich voll gesogen, so dass die Ausstellung mit Werken von Olaf Nehmzow vorerst nicht mehr für Besucher geöffnet ist. "Wir mussten die Ausstellung abhängen", sagt Heidrun Hamann, Leiterin des Hauses.

Angekippte Fenster oder leer stehende Räume sind der häufigste Grund für geplatzte Leitungen, wie der WAG-Chef erklärt. "Auch wenn zu wenig Trinkwasser aus den Leitungen abfließt, können diese einfrieren", sagt er weiter. Bungalows, Wochenendhäuser und leer stehende Altbauten seien besonders betroffen.

Aber auch die etwa 2800 Hydranten im Schweriner Stadtgebiet. "Es sollte darauf geachtet werden, dass diese immer schnee- und eisfrei bleiben", sagt Jürgen Rogmann, Chef der Schweriner Berufsfeuerwehr. "Den Schnee von den Gehwegen auf die Straße und damit unter Umständen auf die Hydranten zu räumen, kann einen Einsatz der Feuerwehr massiv behindern." Vor allem vor dem Hintergrund, dass manche Schweriner versuchen, ihre eingefrorenen Wasserleitungen mit einem Bunsenbrenner oder Lötlampen aufzutauen. Das könne zu Entstehungsbränden führen, warnt Rogmann weiter. "Im Zweifelsfall sollte ein Klempner oder ein Heizungsbauer hinzugezogen werden."

Aber auch die kämpfen mit der Kälte. "Ich war allein in den vergangenen zwei Wochen mehr als 20 mal im Einsatz", sagt Baldauf. Mittlerweile sind er und Przygoda in Zippendorf zu der geplatzten Leitung vorgedrungen. Ein anderes Team musste gestern morgen parallel im Schlossgarten eine geborstene Leitung reparieren.

"Wir haben am Wochenende ein zusätzliches Team in Bereitschaft gestellt", sagt Krause. Die Situation sei unter Kontrolle. Im Winter 1995/96 sei der Winter noch härter gewesen. "Der Boden war mehr als einen Meter tief gefroren. Wir konnten die Wasserversorgung nicht mehr gewährleisten. Davon sind wir aber jetzt noch weit entfernt."

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